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ROTHENBURG: Wieder Streit um Ladenschluss

Ein Coiffeursalon führt sei 18 Jahren für seine Lehrtöchter Trainingsabende durch. Nun wird er angezeigt: Er habe gegen das Ladenschlussgesetz verstossen.
Dominik Weingartner
Andreas Muff, Inhaber des Coiffeurgeschäfts Muff in Rothenburg, mit Lehrtochter Sarina Bucher (stehend) und Mitarbeiterin Carina Meyer, die als Modell fungiert. (Bild Pius Amrein)

Andreas Muff, Inhaber des Coiffeurgeschäfts Muff in Rothenburg, mit Lehrtochter Sarina Bucher (stehend) und Mitarbeiterin Carina Meyer, die als Modell fungiert. (Bild Pius Amrein)

Dominik Weingartner

Donnerstag, 11. Juni, an der Bertiswil­strasse in Rothenburg. Im Coiffeurgeschäft Muff findet nach Ladenschluss ein sogenannter Trainingsabend statt. «An diesen Abenden bilden wir unsere Lehrtöchter an freiwilligen Modellen weiter», sagt Inhaber Andreas Muff. Eigentlich nichts Ungewöhnliches, denn solche Trainingsabende finden im Betrieb alle 14 Tage statt. Doch an diesem Donnerstagabend fährt eine Patrouille der Luzerner Polizei vorbei und sieht, dass im Geschäft noch etwas im Gange ist.

Andreas Muff, der an diesem Abend selber nicht im Geschäft anwesend ist, schildert: «Zwei Polizisten betraten den Salon und fragten, wieso noch geöffnet ist.» Die Mitarbeiterin, die an diesem Abend die Weiterbildung geleitet hat, habe erklärt, dass das Geschäft nicht geöffnet habe und nur die Lehrlinge weitergebildet würden. Doch diese Erklärung zeigte keine Wirkung. «Der Polizist verlangte den Ausweis meiner Mitarbeiterin und meinte, dass er sie anzeigen und den Fall an die Staatsanwaltschaft weiterleiten werde», erzählt Muff. Das Geschäft sei nach 18.30 Uhr noch geöffnet gewesen, was ein Verstoss gegen das Ladenschlussgesetz sei. Andreas Muff sagt, dass die Salontür zu diesem Zeitpunkt nicht abgeschlossen gewesen sei. «Wir lassen zwischendurch frische Luft ins Geschäft.»

Erinnerung an «Fall Lush»

Es ist nicht das erste Mal, dass das Ladenschutzgesetz Schlagzeilen macht. Im Dezember 2014 wurde die Filialleiterin des Kosmetikgeschäfts Lush in der Luzerner Altstadt verzeigt, weil sich an einem Samstag nach 16 Uhr trotz bereits geschlossener Tür noch Kunden im Laden aufhielten. Nach einer Einsprache von Lush wurde die zuvor ausgesprochene Busse in der Höhe von 370 Franken wieder aufgehoben. Der Grund: Die Ladentür war verschlossen, als die Polizisten eintrafen. Es wurden nur die Kunden fertig bedient, die bis 16 Uhr ins Geschäft kamen. Anschliessend sah sich Justizdirektorin Yvonne Schärli (SP) dazu veranlasst, die Regeln genauer zu definieren. Den Polizisten wurde mitgeteilt, dass Kunden, die sich während der gesetzlichen Ladenschlusszeit schon in einem Verkaufsgespräch befinden, grundsätzlich fertig bedient werden dürfen (Ausgabe vom 26. März). Doch jetzt, knapp drei Monate nach der regierungsrätlichen Weisung, kommt es erneut zu einer Kontroverse rund um die Ladenöffnungszeiten.

Schon mehrfach kontrolliert

Laut Andreas Muff zeigte sich der Polizist auf seinem Kontrollgang stur: «Meine Mitarbeiterin wollte dem Polizisten erklären, dass dies wirklich nur eine betriebsinterne Weiterbildung sei. Der Polizist wollte aber weder den Tagesabschluss, welcher genau um 18.34 Uhr vonstattenging, noch die Lehrlingsausweise der anwesenden Personen sehen», enerviert sich Muff.

Am Freitagmorgen versucht Muff bei der Polizei zu intervenieren – ohne Erfolg. Am Samstag erhält er einen Anruf des Polizisten, der die Kontrolle im Coiffeursalon durchgeführt hat. «Ich erklärte ihm, dass wir in den letzten Jahren bereits zweimal die Polizei wegen der abendlichen Weiterbildungen im Betrieb hatten», sagt Muff und fügt hinzu: «Jedes Mal zogen die Polizisten verständnisvoll von dannen.» Seit 1997 führe er in seinem Geschäft solche Trainingsabende durch. Doch der Polizist bleibt bei seiner Entscheidung, eine Anzeige aufzugeben. «Zum Glück konnte ich noch erreichen, dass nicht meine Mitarbeiterin, sondern ich angezeigt werde», so Muff.

Die Luzerner Polizei bestätigt den Vorfall auf Anfrage. «Es wurde eine Anzeige geschrieben und der Staatsanwaltschaft Emmen zugestellt», sagt Polizei-Sprecher Kurt Graf. Der Vorwurf laute auf Widerhandlung gegen das Ruhetags- und Ladenschlussgesetz. «Die Staatsanwaltschaft wird die Anzeige prüfen und entscheiden, ob das Verhalten strafbar war», so Graf. Muss Andreas Muff sich nun darauf einstellen, dass er ab jetzt öfters die Polizei im Haus haben wird, wenn er Trainingsabende durchführt? «Wenn eine Widerhandlung gegen das Ladenschlussgesetz vorliegt, muss der Verantwortliche sein Verhalten ändern. Wird der Fall eingestellt, werden gleich gelagerte Fälle künftig toleriert», erklärt Kurt Graf.

Für Andreas Muff ist klar, dass er seine Trainingsabende weiterhin durchführen wird – ganz egal, wie das Urteil der Staatsanwaltschaft ausfallen wird. «Es geht ums Prinzip», sagt er.

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