Der Rothenburger «Petrolhead» setzt auch auf Elektroantrieb

Wer im Ace Café verkehrt, hat Benzin im Blut. Doch nun hat der Inhaber die Elektromobilität entdeckt – zum Missfallen von Traditionalisten.

Roger Rüegger
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Ace-Café-Geschäftsführer Dany Kunz mit seinem E-Bike und Hündin Cailean.

Ace-Café-Geschäftsführer Dany Kunz mit seinem E-Bike und Hündin Cailean.

Bild: Dominik Wunderli (Rothenburg,
21. November 2019)

Seit viereinhalb Jahren ist das Ace Café in Rothenburg der Hotspot für Leute mit einer Affinität für Motoren, Rock’n’Roll und nachhaltiges Essen. Als das erste Ace Café 1938 in London eröffnet wurde, waren vorwiegend englische Bikes wie BSA, Norton, Triumph oder Ariel zugegen. Der kernige Sound solcher Maschinen ist auch in Rothenburg, wo das Café trotz Einbruch vor einigen Tagen geöffnet hat, nicht zu überhören. So sind Schilder mit jenem Vermerk angebracht: «Bitte Ruhe - Motoren nicht aufdrehen. Danke».

Sicher, im Luzernischen treffen sich Nostalgiker mit motorisiertem Alteisen und solche mit modernen Verbrennungsmotoren. Aber anders als in den Anfangszeiten in England, fahren in Luzern gelegentlich Maschinen zu, die akustisch kaum wahrgenommen werden – auch wenn man die Ohren noch so sehr spitzt.

Niemand wird vom Lärm belästigt

So etwa im vergangenen November. Dany Kunz und sein Ace-Café-Team organisierten ein Treffen für Elektrofahrzeuge. Das mag einige Enthusiasten von Verbrennungsmotoren irritieren, da in den Adern des 36-jährigen Ace-Café-Inhabers Benzin fliesst. Doch er ist genauso fasziniert von Fahrzeugen, die mit Strom betriebenen werden. «Weil das Drehmoment von Elektromotoren schlicht beeindruckend ist und man nahezu geräuschlos eine beachtliche Geschwindigkeit erreichen kann», beschreibt Kunz die neu entdeckte Lust, die er auf einer «KTM E-XC Freeride» auslebt. Das ist ein E-Motorrad, das der Bezeichnung mehr als gerecht wird. Keines mit Pedalen und Hilfsmotor, sondern es ist eine echte Enduro-Maschine mit Elektroantrieb. «Das ist eine spannende Geschichte. Mit dieser KTM kann ich entlang von unbefestigten Strassen brettern, ohne dass sich jemand von Motorenlärm belästigt fühlen muss.» Das Bike wird an einer gewöhnliche Steckdose geladen.

Dany Kunz mit Hündin Cailean und der KTM E-XC Freeride vor dem Ace Café.

Dany Kunz mit Hündin Cailean und der KTM E-XC Freeride vor dem Ace Café.

Bild: Dominik Wunderli (Rothenburg, 21.11.2019)

Der Österreichische Motorradhersteller stellt dem Ace Café das Bike für zwei Jahre zur Verfügung. «Der Name Ace Café steht für Geschichte im Motorradbereich. Deshalb will ich mich der Elektromobilität nicht verschliessen. Hier will ich auch Aufklärungsarbeit leisten», sagt der Mann, wenige Minuten bevor er die KTM dem Reporter für eine Probefahrt übergibt.

Das Motorrad hat drei Stufen. Wer die höchste wählt, tut gut daran, den Gasgriff mit Bedacht zu drehen. «Beeindruckendes Elektrodrehmoment», ist die richtige Beschreibung. Das Teil geht ab wie eine Rakete. Im Ace haben grundsätzlich alle Gäste die Möglichkeit, mit der Maschine eine Runde zu drehen. Kunz betont, dass jeder, der sie reitet, ein breites Grinsen auf dem Gesicht hat.

Dany Kunz organisierte bereits 2016 ein Treffen für Elektrofahrzeuge. Damals waren neben Tesla, BMW i8 oder Johammer auch ETH-Studenten mit einem Prototyp am Start. Es werden auch künftig solche Veranstaltungen durchgeführt. Bereits sind auf dem reservierten Parkplatz zwei Auflade-Stationen für Tesla und andere Elektromobile installiert. Das Laden ist für Gäste gratis.

Allerdings gibt es auch eingefleischte Benzin-Enthusiasten, die sich mit der neuen Technologie überhaupt nicht anfreunden können. «Es gibt Personen mit extrem hoher Intoleranz gegenüber E-Fahrzeugen», unterstreicht der Petrolhead, der unter anderen Fahrzeugen einen alten Ford Pick Up mit einem V8-Motor, eine Flattrack Indian und eine Yamaha XT500 besitzt.

«Dass der Planet Fieber hat, ist nicht wegzudiskutieren»

Dies zeigte sich während des Elektrofahrzeug-Treffens Anfang November, welches er auf Facebook live aufzeichnete:

In den Kommentarspalten äusserten sich etliche Personen positiv, andere eher unglücklich bis feindselig über den Elektroantrieb. Nicht alle mit fundierten Kenntnissen der Materie. Kunz: «Diskussionen sollen geführt werden. Ich bin ein unpolitischer Mensch. Aber ich setze mich für progressives Denken ein. Dass unser Planet Fieber hat, ist nicht wegzudiskutieren.» Er diskutiert nicht nur, sondern setzt Zeichen. So wird das Ace Café in absehbarer Zeit mit einer Fotovoltaik-Anlage ausgerüstet, damit die Fahrzeuge mit eigenem Strom aufgeladen werden. Bei soviel Elektromobilität wundert es eigentlich gar nicht mehr, dass er kürzlich den Tesla Cybertruck als neuen Ace-Firmenwagen bestellt hat.