Rothenburger steigen zum 100. Geburtstag ins Sägemehl

Dieses Wochenende feiert der Schwingklub Rothenburg und Umgebung sein 100-jähriges Bestehen. Am Fest werden auch bekannte Gesichter zu sehen sein.

Christian Tschümperlin
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Blick in die Vergangenheit: Das 13. Luzerner Kantonale Schwingfest 1932 in Rothenburg. (Bild: PD)

Blick in die Vergangenheit: Das 13. Luzerner Kantonale Schwingfest 1932 in Rothenburg. (Bild: PD)

Der 27. Mai 1956 war ein strahlend schöner Frühlingstag. Beim Schwingklub Rothenburg und Umgebung herrschte aber Nervosität. Würde das 37. Luzerner Kantonale Schwingfest in Rothenburg erfolgreich über die Bühne gehen? Die «Luzerner Neuesten Nachrichten» schrieben am nächsten Tag: «Der von Tausenden besuchte Anlass liess organisatorisch kaum etwas zu wünschen übrig.» Dieses Zitat sollte sich noch oft bewahrheiten. 1986 organisierte der Schwingklub erfolgreich das Gedenk-Schwinget «600 Jahre Schlacht bei Sempach», ein Fest von eidgenössischem Charakter.

Ob der Traditionsverein sein Organisationstalent bewahren konnte, wird sich heute und morgen am «Roteborger Schwinget» weisen. Der Klub feiert heuer sein 100-jähriges Bestehen. An den beiden Tagen erwartet die Gäste ein grosses Schwingfest: Heute steigen rund 300 Nachwuchsschwinger ins Sägemehl, am Sonntag über 100 Aktivschwinger. Bei schlechtem Wetter kann der Wettkampf aus dem Trockenen verfolgt werden. Begleitet wird das Fest von Fahnenschwingern, Alphorn-Spielern, und Jodler-Chören. Bruno Odermatt, Präsident des Schwingklubs:

«Die Bevölkerung ist mit Kind und Kegel herzlich eingeladen, dem Anlass in der neuen Schulanlage Lindau in Rothenburg beizuwohnen und mit uns das Jubiläum zu feiern.»

Mit dem Gästeklub Unteres Seeland ist der Unspunnen-Sieger Christian Stucki mit von der Partie. Schwingerkönig Matthias Glarner kann in Rothenburg allerdings nicht im Sägemehl stehen. Er wird am Sonntag jedoch anwesend sein und gibt um 15.30 Uhr eine Autogrammstunde.

200-seitige Jubiläums-Chronik

Der Schwingklub Rothenburg und Umgebung kann auf eine lange, bewegte und erfolgreiche Geschichte zurückblicken. Ein Redaktionsteam um den früheren Rothenburger Gemeindeammann Erwin Troxler hat viele Stunden im Archiv verbracht, um Licht in die 100-jährige Vereinsvergangenheit zu bringen. Entstanden ist eine 200-seitige Jubiläums-Chronik, die ab 21. September beim Schwingklub bezogen werden kann.

Gegründet wurde der Schwingklub am 11. September 1919 im Gasthaus Löwen in Neuenkirch. Damals noch unter dem Namen «Schwingklub Neuenkirch und Umgebung», denn Neuenkirch kam damals auf 2500 Einwohner, während es Rothenburg nur auf 1500 Einwohner schaffte. Vier Jahre später taufte man sich aber in «Schwingklub Rothenburg und Umgebung» um, weil sich die Mitgliedsverhältnisse verschoben hatten. An der Gründungsversammlung nahmen sieben Mitglieder teil. Sie zahlten damals ein Eintrittsgeld von 1.50 Franken.

Auslöser zur Gründung war die damalige Belebung des Schwingsports durch zahlreiche Vereine. «Es gibt viele Schwingklubs, die dieses Jahr ihr 100-jähriges Jubiläum feiern», sagt Bruno Odermatt. Die Schwingerfamilien Lustenberger von der Wüesti in Rothenburg und Oswald vom Chleewald im Rain prägten die Anfänge. Die starken Rainer Naturburschen krönten ihre Karrieren mit grossen Erfolgen, sie gewannen kantonale, innerschweizerische und Bergkranzfeste.

Heinrich Oswald war fünffacher eidgenössischer Kranzschwinger und bis in die 1990er Jahre hinein galt er als der beste Innerschweizer Schwinger bezüglich der Anzahl eidgenössischer Kränze. Mit Stolz blickt der Schwingklub auch auf die 1970er Jahre zurück: Mit Hans Schnider legte ein weiterer Rothenburger eine erfolgreiche Karriere hin. Über 30 Kränze erreichte er während seiner Schwingerlaufbahn und gewann drei Kranzfeste, unter anderem das Innerschweizerische Schwingfest 1979.

«Wir haben keine Mühe, Ehrenamtliche zu finden»

Ab 1999 begann man, vermehrt in die Nachwuchsförderung zu investieren. Dies hat sich ausgezahlt. Heute zählt der Verein rund 30 Aktivschwinger, über 40 Nachwuchsschwinger (8- bis 15-Jährige) und 35 Piccolo-Schwinger (4- bis 8-Jährige).

Für Odermatt ist Schwingen eine Lebensschule, bei der es um Kameradschaft, Sport und Brauchtum geht. «Schwingen ist ein harter aber auch fairer Sport. Vor und nach jedem Wettkampf gibt man sich die Hand.» So entstünden Freundschaften fürs Leben. Und noch etwas sei besonders: «Wo andere Vereine Mühe haben, Ehrenamtliche zu finden, haben wir überhaupt keine Mühe.» Dieses Wochenende seien 250 Freiwillige im Einsatz.