Verteilaktion im Kanton Luzern: 4500 Gratismasken – doch nur wenige tragen sie im Bus

Die Rottal Auto AG hat am Mittwoch im Kanton Luzern gratis Masken an Fahrgäste verteilt. Doch nur wenige zeigten Interesse daran, eine solche zu tragen.

Fabienne Mühlemann
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Es ist 6.45 Uhr, die Sonne scheint bereits hell, es herrschen kühle 10 Grad Celsius am Mittwoch. Der Bahnhof Willisau liegt noch halb im Schatten, es sind kaum Leute vor Ort. Doch eine Person sticht sofort heraus. Eine junge Frau, bekleidet mit einem orangen Gilet, einer Hygienemaske im Gesicht, schwarzen Gummihandschuhen und einer grossen Ikea-Tasche mit 500 Masken steht am Bus-Perron. Ein Namensschild verrät, dass sie für die Rottal Auto AG arbeitet. Freundlich spricht sie die Passanten an: «Guten Morgen. Möchten Sie eine Hygienemaske, um sich und andere im öV zu schützen?»

Elena Burkard von der Rottal Auto AG verteilt gratis Schutzmasken am Bahnhof Willisau.

Elena Burkard von der Rottal Auto AG verteilt gratis Schutzmasken am Bahnhof Willisau.

Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 27. Mai 2020)

Die Reaktionen auf die Aktion sind unterschiedlich. Schlaftrunken oder mit Kopfhörern im Ohr schauen einige die Frau etwas verwirrt an, andere bleiben interessiert stehen, um sich die Sache genauer anzusehen. Nur ein paar wenige winken ab und rufen «Nein danke, die brauche ich nicht», bevor sie sich aus dem Staub machen. Andere Begründungen für die Ablehnung sind: «Ich trage bereits bei der Arbeit den ganzen Tag eine Maske», «ich kann hier im öV den Abstand zu den anderen einhalten» oder «ich habe bereits eine Maske in meiner Tasche». Geschätzt die Hälfte nimmt das Angebot dankend an. Elena Burkard erklärt ihnen, dass sie die Maske am besten an der Seite fassen sollen. Die meisten verstauen sie danach in ihre Tasche, nur die wenigsten ziehen sie gleich an.

Bild: Boris Bürgisser (Willisau, 27. Mai 2020)

Rund 10 Prozent der Masken am Morgen abgegeben

Die Aktion wurde von der Rottal Auto AG lanciert. Insgesamt hat sie 4'500 Masken angeschafft, um sie am Mittwochmorgen während rund einer Stunde am Bahnhof Sursee und Willisau sowie bei den Stationen Ettiswil Post, Buttisholz Dorf und Rottalcenter Ruswil und am Nachmittag nochmals in Sursee und am Bahnhof Luzern zu verteilen.

Denn: Nur wenige Personen tragen im Zug oder Bus eine Maske. «Bei der Masken-Frage gibt es zwei Lager: die eine Seite will eine Maskenpflicht im öV, die andere will weitere Lockerungen», sagt Martin Wüthrich, Geschäftsführer der Rottal Auto AG. Das Bundesamt für Gesundheit empfiehlt dringend, Masken im öV zu tragen, wenn der Abstand nicht eingehalten werden kann. «Deshalb wollten wir die Leute dafür sensibilisieren», sagt Wüthrich. Die Aktion sei einmalig gewesen.

Er selber war am Mittwochmorgen in Ruswil vor Ort und hat ebenfalls Masken verteilt. Die Reaktionen seien mehrheitlich positiv gewesen. «Doch über alle Standorte gesehen konnten am Morgen nur etwa 10 Prozent der Masken abgegeben werden», sagt Wüthrich etwas enttäuscht. Das liege zum einen daran, dass viele die Maske gar nicht tragen wollen. «Hier in der Schweiz ist eine Maske etwas ganz Neues», so Wüthrich.

Image des öVs wieder aufbessern

Ein anderer Grund liege darin, dass allgemein weniger Personen im öV unterwegs sind. «Die Anzahl Fahrgäste ist zwar wieder steigend. Doch viele haben immer noch Respekt vor einer Busfahrt», sagt Wüthrich. Er geht davon aus, dass im Moment etwa 50 Prozent der normalen Auslastung erreicht wird. «Es hat dem Image des öVs geschadet, dass der Bund bei Einführung des Lockdown von Zug- und Busreisen abgeraten hat. Das Image wollen wir, unter anderem mit dieser Aktion, wieder verbessern.»

Bild: Boris Bürgisser, Willisau, 27. Mai 2020

Die Rottal Auto AG besteht aus drei Bereichen: Dem öffentlichen Verkehr, der Nutzfahrzeug-Werkstatt sowie den Busreisen.« Wir sind liquid und gesund. Doch im öV fehlen wichtige Verkehrseinnahmen, die Busreisen waren praktisch stillgelegt.» Ab Mitte Juni werde der Reisebetrieb wieder aufgenommen, da zum Beispiel der Europapark öffnet. Wüthrich hofft, dass es dann finanziell wieder aufwärtsgeht.

Für Elena Burkard ist die Arbeit um 7.45 Uhr getan. Die Bilanz: Von 500 Masken konnte sie etwa 30 an Passanten verteilen. «Es hielten sich viel weniger Menschen am Bahnhof auf, als in der Zeit vor der Coronakrise», bilanziert sie.

VBL appelliert an die Eigenverantwortung

Bei der VBL ist eine solche Verteilaktion derzeit nicht geplant, wie Mediensprecher Sämi Deubelbeiss auf Anfrage sagt. Ausserhalb der Stosszeiten sei das Einhalten des Abstands in den VBL-Bussen kein Problem. «Am Morgen und Abend wird es seit den ersten Lockerungen des Bundesrates in unseren Bussen jedoch wieder enger. In solchen Fällen verweisen wir auf das nationale Schutzkonzept und empfehlen dringend das Tragen einer Maske, wenn der Abstand von zwei Meter nicht eingehalten werden kann», so Deubelbeiss. Er appelliert an die Eigenverantwortung der Fahrgäste. Denn: «Solange es nur eine Empfehlung ist und keine Maskenpflicht herrscht, ist es jedem Fahrgast in Selbstkompetenz überlassen, ob er eine tragen will.» (fmü)

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