Rottaler Naturfreund hat sogar eine Tierart gerettet

Seit 25 Jahren ist Manfred Steffen Präsident des Vereins Lebendiges Rottal. Und hat immer noch Freude daran. Trotz manchem Frust.

Natalie Ehrenzweig
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Manfred Steffen, Präsident des Vereins Lebendiges Rottal, vor der Tanzlinde. (Bild: Pius Amrein, 23. Juli 2019)

Manfred Steffen, Präsident des Vereins Lebendiges Rottal, vor der Tanzlinde. (Bild: Pius Amrein, 23. Juli 2019)

Es war vor 30 Jahren, als rund 15 Mitglieder des Ornithologischen Vereins Altbüron eine eigene Institution gründeten: Lebendiges Rottal. Fünf Jahre später wurde der damals 25-jährige Manfred Steffen Präsident des Vereins – und ist es heute noch. «Damals wollte man das Gebiet auf das ganze Rottal ausdehnen, ebenso den Vereinszweck breiter machen. Unsere Vision ist es, die Natur in unserer Region vielfältig und lebendig zu halten», erzählt der gebürtige St. Urbaner.

Die Bauern seien damals skeptisch gewesen, hätten Angst gehabt, dass die Aktivitäten des Vereins die intensive Nutzung zu stark einschränken würden. «Naturschutz braucht langen Atem. Was wir heute anfangen, müssen andere weiterziehen», ist Steffen überzeugt. Selbst interessiert er sich seit der Primarschulzeit für Pflanzen und Tiere. «Ich erinnere mich, wie ich als Bub mit meinen Eltern häufig im Wald Erdbeeren sammelte und den Zilpzalp singen gehört habe. Dieses Bild trage ich in mir.».

Als Kind mit Sackgeld Naturführer gekauft

Nachdem Manfred Steffen als Schüler von den Wiesen und dem Wald als Lebensraum vernommen hatte, fing er an, sich stärker für Pflanzen und Vögel zu interessieren. «Ich durfte den Feldstecher meines Vaters ausleihen und habe mir mit meinem Sackgeld die Hallwag-Naturführer gekauft», erzählt der Präsident lachend. Sein Interesse für die Natur zog sich bis in seine Ausbildung: Manfred Steffen hat die damals neue Studienrichtung Umweltnaturwissenschaften gewählt. «Mein Beruf und die damit einhergehende Professionalität hilft unserem Verein bestimmt beim Suchen von finanzieller Unterstützung. Doch unsere Projekte realisieren wir vor allem, weil wir gemeinsam für ein Ziel arbeiten: Die Vereinsmitglieder, die Bauern, die Behörden und die weiteren Vereine, die ähnliche Anliegen haben.»

Im Jubiläumsjahr hat der Verein viele Veranstaltungen geplant. «Wir wollten möglichst eine breite Naturpalette anbieten und zeigen, was wir erreicht haben – auch um mehr Zulauf zu bekommen», so der Präsident. Es sei schwierig, Leute für eine langfristige Arbeit zu motivieren. Auch die aktuelle Klimawandel-Diskussion spült dem Verein nicht einfach neue, junge Mitglieder rein. «Es ist ein persönlicher Prozess, zu erkennen, dass man sich auch im persönlichen Umfeld engagieren muss, um Veränderungen zu bewirken. Die Angst um die eigene Zukunft ist nur der erste Schritt.»

Zweiter Tanzboden auf den Ästen des Lindenbaums

Eines der wichtigen Themen des Vereins ist es, die Natur erlebbar zu machen. «Wir durften zum Beispiel den Trübelbachweiher wiederherstellen. Damit hat dieses Gebiet eine enorme Aufwertung erfahren», erzählt er. Als die Gemeinde den Murhof stückweise verkaufte, konnte der Verein mit Hilfe eines Darlehens ein Stück Land erwerben, um einen Vernetzungskorridor zum Weiher zu schaffen und den Bach wieder zu öffnen.

Beim Vita-Parcours-Parkplatz gestaltet der Verein nun einen Naturerlebnis- und Begegnungsplatz mit einer Tanzlinde. «Wenn die unteren Äste dick genug sind, kann nicht nur unter der Linde getanzt werden, sondern irgendwann sogar auf den Ästen ein zweiter Tanzboden eingezogen werden. Das werde ich selber allerdings nicht erleben», meint er schmunzelnd.

Die Tanzlinde hat der Verein gewählt, weil sie geschichtlich zum Kloster St. Urban gehört, das in Sichtweite steht. Historisches Interesse und Engagement für die Artenvielfalt gehören zusammen. So ist auch das Erhalten der Artenvielfalt ein zentraler Aspekt des Vereins.

Erste Falter sind zurückgekehrt

Dabei ist den Mitgliedern ein grosser Erfolg gelungen: «Wir haben es geschafft, Bauern dafür zu sensibilisieren, den Grossen Wiesenknopf bis Ende September stehen zu lassen und nicht zu mähen. Denn der verschwundene Falter Moorbläuling legt seine Eier in die Blütenknospen. Wenn die Pflanze vor dem September gemäht wird, stirbt die Raupe, bevor sie die Entwicklung abschliessen kann», erläutert Steffen. Erste Falter sind bereits zurückgekehrt. Die Artenvielfalt auf ihrem Hof könnten die Bauern als Marketingargument nutzen.

Seit 25 Jahren engagiert sich Manfred Steffen beim «Lebendigen Rottal». Auch wenn er oft Frust erlebt, weil immer noch Lebensräume zerstört werden. Naturschutz sei keine einfache Arbeit. «Aber die Freude an der Natur, die Freude an ersten Rückkehrern und daran, diese Freude anderen zu vermitteln, das alles hält meine Motivation lebendig.»

Hinweis: Nächster Event: Samstag, 24.August, Fledermausnacht am Trübelbachweiher. Leitung: Olivier Fiechter. Anmeldung: verein@lebendigesrottal.ch. Weitere Infos: www.lebendigesrottal.ch