Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

RÜCKBAU: Gemeinde Emmen will ehemaliges Altersheim Herdschwand abreissen

Der Emmer Gemeinderat will Gebäude des ehemaligen Betagtenzentrums Herdschwand vorzeitig zurückbauen, noch bevor der Bebauungsplan für das Projekt «Neuschwand» bewilligt ist. Das Komitee «Herdschwand erhalten – zum Nutzen aller» zeigt sich schockiert.
Soll abgerissen werden: Das Betagtenzentrum Herdschwand, das von der Gemeinde nicht mehr benötigt wird. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmen, 13. April 2009))

Soll abgerissen werden: Das Betagtenzentrum Herdschwand, das von der Gemeinde nicht mehr benötigt wird. (Bild: Corinne Glanzmann (Emmen, 13. April 2009))

Ernst Zimmerli

ernst.zimmerli@luzernerzeitung.ch

Per 31. August 2017 endet die Zwischennutzung des ehemaligen Alters- und Pflegeheim Herdschwand durch die Gesellschaft Altersheim Unterlöchli Luzern. Der Prozess für die Umzonung und die Erarbeitung des Richt- und Bebauungsplans Projekt Neuschwand der Losinger Marazzi AG ist noch nicht abgeschlossen. Daher lässt sich der vorgesehene Termin mit Übergabe an die Losinger Marazzi AG per 1. September nicht halten, wie die Gemeinde Emmen mitteilte.

Die Gemeinde bleibt somit auf Weiteres verantwortlich für den Unterhalt und die Gebäudesicherheit der leerstehenden Immobilien. «Der Gemeinderat hat daher weitere Nutzungsmöglichkeiten für die nächsten 13 bis 19 Monate bis zu einem Baustart des Projekts ‹Neuschwand› sehr sorgfältig geprüft», sagt Josef Schmidli, Direktor Bau und Umwelt der Gemeinde Emmen.

Zwischennutzungen abgeklärt

Naheliegend wäre eine weitere Zwischennutzung durch Altersheime gewesen, heisst es in einer Medienmitteilung der Gemeinde Emmen. Konkrete Gespräche mit Altersheimen aus Beromünster, Neuenkirch oder Ruswil hätten jedoch gezeigt, dass diese Projekte noch nicht fertig geplant oder bewilligt und eine Zwischennutzung für wenige Monate zu kurz sei.

Auch diverse Zwischennutzung anderer Branchen, wie Wohnnutzung oder die Nutzung für Kreativschaffende und Start-Ups mit externen Fachpersonen wurden abgeklärt. Diese scheitern entweder an den hohen Investitions- und Unterhaltskosten sowie einem schlechten Kosten-/Nutzenverhältnis oder an den aktuellen Zonenbestimmungen.

Eine Anpassung der Bauordnung oder eine Ausnahmebewilligung durch den Gemeinderat wären grundsätzlich denkbar, seien aber nicht realistisch. Denn bei einer Zwischennutzung von einzelnen Räumlichkeiten seien die Unterhalts- und Betriebskosten zu hoch, so dass sich dafür kein externer Betreiber finden lasse. Die Gemeinde selbst kommt als Vermieterin von einzelnen Räumen nicht in Frage, auch, weil sie das Risiko von jährlichen Betriebs- und Unterhaltskosten zwischen 400'000 bis 500'000 Franken an Betrieb und Unterhalt nicht tragen kann.

Stilllegung oder Verriegelung überzeugen nicht

Auch die beiden Varianten Stilllegung und Verriegelung haben bei der Prüfung nicht überzeugt. Das bestehende Personalhaus wird im Neubauprojekt «Neuschwand» integriert und muss geschützt werden. Eine minimale Beheizung ist daher erforderlich, um die Bausubstanz zu erhalten und keine Reduktion des Verkaufserlöses zu riskieren. Zudem müsste bei der Stilllegung das Personalhaus vor Vandalismus gesichert und speziell verriegelt oder eingezäunt werden. Diese Sicherheitsmassnahmen sind aus Gründen der Werkeigentümerhaftung notwendig.

Der Gemeinderat rechnet bei einer Stilllegung mit Kosten von 160'000 Franken. Bei einer Verriegelung fallen zusätzlich Kosten an, um das ganze Gelände zusätzlich mit einem verschraubten Gitterzaun zu schützen, sämtliche Eingänge und Fenster bei allen Gebäuden zu verriegeln und den unberechtigten Zugang zu erschweren. Diese Aufwände belaufen sich nach Angaben der Gemeinde auf rund 220'000 Franken.

Rückbau als wirtschaftlichste Lösung

Das Projekt «Neuschwand» der sieht, mit Ausnahme des bestehenden Personalhauses, einen kompletten Rückbau der Gebäude des Betagtenzentrum Herdschwand bereits vor. Dieser würde nun vorgezogen und das gesamte Gelände bei Beginn der Rückbauarbeiten durch einen Gitterzaun geschützt. Der Abbruch würde auch bedeuten, dass beispielsweise die Fernwärmeleitung zurückgebaut wird und das Personalhaus mit einer mobilen Heizung versorgt werden muss.

Laut Bericht und Antrag betreffend Rückbau des Betagtenzentrums Herdschwand werden die Kosten von rund 1,5 Millionen Franken für den gesamten Rückbau von der Gemeinde vorfinanziert. Mit dem definitiven Verkauf der Liegenschaft Herdschwand an die Losinger Marazzi AG beziehungsweise den entsprechenden Investor werden die Investitionskosten für den Rückbau dem Projektentwickler in Rechnung gestellt. An seiner Sitzung vom 4. Juli wird der Einwohnerrat über den Bericht und Antrag des Gemeinderates behandeln.

«Gemeinde will vollendete Tatsachen schaffen»

«Ich bin schockiert! Das darf doch nicht wahr sein», sagt Rolf Stähli, Präsident und und Sprecher des Komitees «Herdschwand erhalten – zum Nutzen aller», als er mit der Absicht des Gemeinderates konfrontiert wird, die Gebäude des ehemaligen Betagtenzentrums Herdschwand abzureissen. «Damit will die Gemeinde vollendete Tatsachen schaffen, noch bevor das Geschäft abgeschlossen ist.» Die Gemeinde habe einfach Angst, das Projekt nicht durchzubringen, ist Stähli überzeugt.

In der Tat geht die Gemeinde mit dem geplanten Abriss vom derzeit vorliegenden Projekt Neuschwand aus. Dieses ist aber noch nicht bewilligungsfähig und sieht sich beträchtlicher Opposition ausgesetzt – nicht zuletzt durch das Komitee «Herdschwand erhalten – zum Nutzen aller». Dieses vertritt nämlich vehement die Meinung, dass mit dem Verkauf des Baulands «wertvolles Volksvermögen verschleudert wird», wie Stähli es ausdrückt. Wesentlich besser wäre es aus Sicht des Komitees, das Land im Baurecht abzugeben, da der nun aufgerufene Preis viel zu tief sei.

«Wir werden alle Möglichkeiten ausschöpfen, den Abriss zu verhindern», sagt Stähli. So prüft das Komitee auf jeden Fall, gegen diesen Beschluss wie auch gegen den Bebauungsplan und gegen die Umzonung das Referendum zu ergreifen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.