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RÜCKBLICK: Das sind die politischen Aufsteiger 2017

Samuel Zbinden (Grüne) ist heuer zum jüngsten Ortsparteipräsidenten des Kantons gewählt worden. Und dank Herbert Widmer (FDP) überprüft Luzern die politische Kultur. Trotz offensichtlicher Unterschiede haben beide auch Gemeinsamkeiten.
Grünen-Politiker Samuel Zbinden (18) in der Tuchlaube. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 21. Dezember 2017))

Grünen-Politiker Samuel Zbinden (18) in der Tuchlaube. (Bild: Nadia Schärli (Sursee, 21. Dezember 2017))

Der grüne Newcomer

Samuel Zbinden Welch ein Erfolgserlebnis für die Grünen Sursee. Vor rund zwei Wochen hiess die Gemeindeversammlung bei der Revision der Gemeindeordnung einen Antrag von Samuel Zbinden gut. Die Limite beim Verkauf von stadteigenem Land liegt künftig bei 2,5 Millionen Franken. Der Stadtrat wollte den Betrag wie bisher bei 6 Millionen stehen lassen. «Das Resultat freut mich extrem», sagt der mit 18 Jahren jüngste Präsident einer Ortspartei im Kanton Luzern.

Momentan absolviert Zbinden im Luzerner Kinderheim Titlisblick einen achtmonatigen Zivildienst. Jungen Menschen im Alter von null bis sieben Jahre Stabilität geben, sei sehr spannend. «Bei dieser Aufgabe lerne ich fürs Leben.» Später möchte er mit dem Maturaabschluss in der Tasche in Bern Sozialwissenschaften studieren.

Politkarriere nahm in wenigen Monaten Fahrt auf

Vor einem Jahr sei er von Kantonsrat Andreas Hofer angefragt worden, bei den Grünen Sursee mitzumachen. Seit Sommer gehört er zum Vorstand. Im Oktober übernahm er das Präsidium. Vor vierzehn Tagen besuchte Zbinden erst seine zweite Gemeindeversammlung. Vorher sei er noch nicht volljährig gewesen, sagt er schmunzelnd. Obwohl früher bereits bei den Jungen Grünen aktiv, hat sein politischer Werdegang bei den «Grossen» in den letzten Monaten rasch Fahrt aufgenommen. Manchmal sei es für ihn selber fast zu schnell gegangen. Redegewandt vor Leuten stehen, «bin ich mir zwar gewohnt. Dennoch ist die neue Rolle noch etwas gewöhnungsbedürftig.»

Die Bodenpolitik im stark wachsenden Sursee, verdichtetes Bauen, Grünflächen, Ausbau von ÖV-Netz und Velowegen: Schritt für Schritt will sich der 18-Jährige an sein neues kommunales Tätigkeitsfeld herantasten. Auf kantonaler Ebene interessieren ihn die Finanzpolitik, auch der Steuerwettbewerb. Wie schnell er sich vertieft mit diesen Themen auseinandersetzt, lässt er offen. Ziel sei es, dass die Grünen im Wahlkreis Sursee bei den Kantonsratswahlen 2019 einen zweiten Sitz erobern, sagt Zbinden. Er könnte sich vorstellen, «für die nächste Legislatur oder dann für jene ab 2023 zu kandidieren». Unter Druck setzen lassen will er sich aber nicht. «Vor allem wichtig ist, den Wähleranteil der Grünen im Kanton – im Frühjahr 2015 lag er bei 6,7 Prozent – zu steigern. Ich bin optimistisch.» Gerade in Sursee seien junge Mitglieder dazugekommen, Ältere geblieben. «Ich sehe mein Engagement bei den Grünen als längerfristig.»

Jungpolitikerin sorgte für Initialzündung

Dass sich der 18-Jährige einer Minderheitspartei verschrieben hat, liegt auf der Hand: Seine Eltern waren Gründungsmitglieder bei den Grünen Sursee. So kam er früh mit diesen Themen in Berührung. Man habe aber seine politischen Aktivitäten nie forciert, viel eher gebremst. «Weil meine Eltern sich sorgten, dass es für mich zu schnell gehen könnte.»

Ein politisches Vorbild kennt er nicht, fügt aber an: Eine Art Ini­tialzündung sei Judith Schmutz, Co-Präsidentin der Jungen Grünen Schweiz, gewesen. Über Facebook ermunterte sie ihn, mitzumachen. Oft auf der Verliererseite zu stehen, sei zwar manchmal frustrierend. Trotzdem zieht er aus solchen Situationen die Motivation, für grüne Anliegen weiterzukämpfen. «Niederlagen gehören zum Politgeschäft.» Samuel Zbinden hat schnell gelernt.

Ernesto Piazza

ernesto.piazza@luzernerzeitung.ch

Der liberale Pragmatiker

Herbert Widmer Die Diagnose war frühzeitig und treffend: Der Kanton Luzern leidet unter einem gestörten Verhältnis zwischen Politik und Bevölkerung. FDP-Kantonsrat Herbert Widmer reichte darum im September 2016 im Namen der Stabsgruppe des Kantonsrats eine Motion ein. Inhalt: Politische Kultur und Zusammenarbeit sollen überprüft werden. Mit 66 zu 35 Stimmen erklärte das Parlament die Motion am 11. Dezember für erheblich – wenige Monate, nachdem eine Bevölkerungsumfrage zum gleichen Ergebnis gekommen war.

«Die politischen Debatten sind zu ideologisch, die Fronten verhärtet. Man hört einander nicht mehr zu», sagt Widmer im Gespräch bei sich zu Hause im Luzerner Dreilindenquartier. Aus dem 71-jährigen pensionierten Hausarzt spricht die Erfahrung des dienstältesten Kantonsrats: Seit 1995 ist er, der sich als Liberaler bezeichnet, im Parlament. Es ist seine letzte Legislatur.

Zwischen altgedient und «Unruhestand»

Herbert Widmer als altgedienten Politiker zu bezeichnen, greift zu kurz: In seinen Augen strahlt jugendlicher Elan, sein Terminplan ist gut gefüllt. Widmer ist Vorstandsmitglied der Ärztegesellschaft des Kantons Luzern, gibt die Zeitschrift «Luzerner Arzt» heraus, engagiert sich politisch auch bei der städtischen FDP. Dort ist er für das Verkehrsdossier verantwortlich.

Trotz der hohen Aktivität – im «Unruhestand» ist Herbert Widmer nicht. Er wählt seine Worte mit Bedacht und nimmt sich oft Zeit für sich selbst und seine Familie. Widmer ist seit 55 Jahren mit seiner Frau Ruth zusammen, seit 46 Jahren sind sie verheiratet. «Kennen gelernt haben wir uns, als ich Ruth fragte, ob sie mit mir an einen Tanzkurs geht.» Die beiden haben drei Kinder zwischen 39 und 43 Jahren und fünf Enkel.

Für die Patienten wird auch mal gezeichnet

Als Hobbys gibt Widmer Lesen an (vor allem Historisches), Zeichnen (mit Bleistift), Wandern, Gärtnern und zu Hause Filme schauen (Historisches, aber auch Liebesfilme). Gerade das Zeichnen zieht sich wie eine grafitfarbene Linie durch sein Leben: «Ich zeigte meinen Patienten gerne anhand einer Zeichnung auf, wo sich etwa der Meniskus befindet.» Die Patienten dankten es ihm oft mit einer Flasche Wein. Widmer begnügt sich indes mit einem Glas Weissen am Mittag.

Auch wenn er gesund lebt – mit Ausnahme von zu wenig Sport, wie er sagt –, ein Gesundheitsapostel ist Herbert Widmer nicht. Aber ein Arzt aus Leidenschaft. Im Jahr 1946 in Flurlingen bei Schaffhausen geboren, wusste er schon an der Kantonsschule in Luzern, dass er dereinst eine eigene Hausarztpraxis führen wollte.

Überhaupt macht ihm das Führen Freude. Im Militär absolvierte Widmer nach der RS die Unteroffiziers- und Offiziersschule, war Kommandant eines Radfahrerregiments und im Bereich Operationen im Generalstab eingesetzt – wobei sich die Bezeichnung auf die Planung bezieht, nicht auf die Chirurgie, wie Widmer schmunzelnd anmerkt. Das Militär habe ihm auch menschlich viel gebracht. Wäre Widmer ein Gegenstand, wäre dieser wohl eine Mischung aus Stethoskop und Bleistift: Er hört zu und skizziert pragmatische Lösungen.

Alexander von Däniken

alexander.vondaeniken@ luzernerzeitung.ch

FDP-Kantonsrat Herbert Widmer (71) vor seiner Bücherecke. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 19. Dezember 2017))

FDP-Kantonsrat Herbert Widmer (71) vor seiner Bücherecke. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 19. Dezember 2017))

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