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RÜCKTRITT: Stefan Roth: «Heute wäre ich unverkrampfter»

Noch eine Woche ist Stefan Roth (CVP) Stadtrat. Er sagt, was er heute anders machen würde und wie er die finanzpolitische Zukunft der Stadt Luzern sieht.
Interview Beatrice Vogel
«Wenn jemand authentisch ist, dann bin ich das.» Stefan Roth (CVP), abtretender Stadtrat. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

«Wenn jemand authentisch ist, dann bin ich das.» Stefan Roth (CVP), abtretender Stadtrat. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Interview Beatrice Vogel

Der ehemalige Stadtpräsident und Noch-Finanzdirektor Stefan Roth (55, CVP) legt am 15. September sein Amt nieder. Im Interview mit unserer Zeitung zieht er eine Bilanz seiner Amtszeit.

Stefan Roth, wie fühlen Sie sich zurzeit?

Stefan Roth: Ich blicke auf eine bereichernde Zeit zurück, die mich als Mensch sehr geprägt hat. Den Entscheid, zurückzutreten, habe ich mir nicht leicht gemacht. Es war ein emotional anspruchsvoller Prozess. Als ich aber den Rücktritt bekannt gegeben habe, spürte ich eine grosse Erleichterung.

Haben Sie schon Pläne für die Zeit nach dem 15. September?

Roth: Ich habe intensive und herausfordernde Monate hinter mir. Nach meinem Austritt werde ich erst mal etwas abschalten, um den Kopf freizukriegen. Ich nehme mir bewusst die nötige Zeit für eine systematische Standortbestimmung. Und ich freue mich auf neue berufliche Perspektiven.

Inzwischen hatten Sie Zeit zum Nachdenken. Woran sind Sie letztlich gescheitert?

Roth: Ich kann einen nachweisbaren Leistungsausweis vorweisen: Als Finanzdirektor habe ich eine Stadt angetroffen, deren Finanzperspektiven Massnahmen notwendig machten. Wichtige finanzpolitische Vorlagen wie die Steuererhöhung oder Sparpakete wurden vom Volk gutgeheissen. Die Stadt Luzern verfügt nun wieder über gute finanzpolitische Perspektiven, seit 2014 schreiben wir positive Rechnungsabschlüsse. Als Stadtpräsident durfte ich 2012 einem weitgehend neu zusammengesetzten Stadtrat vorstehen. Es ist mir gelungen, dieses Gremium zu festigen. Auf diese Leistungen bin ich stolz.

Trotzdem muss es Gründe dafür geben, warum Sie als Stadtpräsident nicht wiedergewählt wurden.

Roth: Ich habe bis heute wenige sachliche Gründe dafür gehört. Aus Rückmeldungen kristallisieren sich für mich drei Faktoren heraus: Erstens wurde es nicht als Vorteil wahrgenommen, dass der Stadtpräsident gleichzeitig Finanzdirektor war. Zweitens wurde meine offenkundige Enttäuschung nach der Abstimmung zur Lohnreduktion der Stadträte negativ aufgefasst. Und drittens ist es möglich, dass ich als Vertreter des Stadtteils Littau nicht die nötige Akzeptanz erfahren habe.

Volksnähe war Ihnen stets sehr wichtig. Trotzdem war oft zu hören, Sie wirkten überheblich. Ist Ihnen durch Ihre Bemühtheit Ihre Authentizität abhandengekommen?

Roth: Wenn jemand authentisch ist, dann bin ich das. Ich hatte eine hohe Präsenz in einem sehr breiten Spektrum von Anlässen und hatte nie Berührungsängste. Die Aufgabe habe ich mit viel Begeisterung und Leidenschaft ausgeübt. Motivierende Rückmeldungen und das Bedauern über meinen Rücktritt sind Zeichen davon, dass ich einiges in Luzern bewirken konnte.

Was würden Sie im Nachhinein als Stadtpräsident besser machen?

Roth: Meine Reaktion nach der Lohnabstimmung war keine Meisterleistung. Heute würde ich unverkrampfter reagieren, ohne mich zu verbiegen. Die Bevölkerung ist mir in der Finanzpolitik zwar gefolgt, aber die Kombination von Finanzdirektor und Stadtpräsident war nicht optimal. Die Enttäuschung über die notwendige Sparpolitik hat sich wohl auch in den Wahlzetteln niedergeschlagen.

Ziehen wir Bilanz Ihrer Arbeit als Finanzdirektor: Das Volk ist Ihnen in der Finanzpolitik gefolgt. Hingegen haperte die Wirtschaftsförderung: Grosse Firmen wie SBB, Swisscom und Mobility ziehen weg, und die benötigten neuen Büros am Pilatusplatz oder in der Rösslimatt sind blockiert. Warum konnten Sie nicht mehr bewirken?

Roth: Es stört mich, dass medial immer die Wegzüge im Fokus stehen. Tatsache ist, dass jährlich bis zu 1000 neue Arbeitsplätze geschaffen werden. Von denen spricht niemand. Wirtschaftsförderung ist oft nichts Spektakuläres. Es geht um persönliche Kontakte und um Vertrauen, was in der Regel keine öffentlichkeitswirksame Angelegenheit ist. Viele Unternehmen wollen ihren Erfolg nicht an die grosse Glocke hängen. Die Stadt verfügt über wenige Areale für Arbeitsflächen, und jene, die wir haben, sind politisch blockiert. Das hat mich oft genervt, weil die Nachfrage von Firmen vorhanden war. Trotzdem hat Luzern als klassische KMU-Stadt eine gute Ausgangslage, was die Arbeitsplatzentwicklung angeht.

Dann stand die Ansiedlung grosser Firmen gar nie im Fokus?

Roth: Alle Unternehmen sind willkommen, auch die grossen. Für Firmen fehlt aber oft die benötigte Dienstleistungsfläche an zentraler Lage. Glücklicherweise gibt es aber auch Private, die ihre Grundstücke entwickeln und zur Verfügung stellen.

Wagen wir einen Blick in die Zukunft. Was raten Sie Ihrem Nachfolger als Finanzdirektor?

Roth: Das ist zwar kein Ratschlag, aber die Finanzplanung bis 2020 zeigt gute Perspektiven. Ich gehe davon aus, dass die Exe­kutive finanzpolitisch weiterführt, was wir in den letzten vier Jahren aufgegleist haben.

Der Kanton Luzern muss ein Finanzloch von 280 Millionen Franken stopfen. Sie haben davor gewarnt, dass die kantonalen Sparpakete ein Unsicherheitsfaktor für die Gemeinden sind. Müssen nun die städtischen Finanzprognosen korrigiert werden?

Roth: Ob es Korrekturen braucht, wird sich weisen. Viele Gemeinden haben – wie die Stadt Luzern – ihre Hausaufgaben gemacht, Steuern erhöht und Sparpakete verabschiedet. Wenn nun der Kanton neue Nettokosten auf die Gemeinden abwälzt, ist das eine unfaire Vorgehensweise. Ich unterstütze deshalb den Verband Luzerner Gemeinden, der eine Zusatzbelastung der Gemeinden ablehnt.

Wann wird der städtische Finanzhaushalt im Lot sein?

Roth: Aktuell sind die Finanzen im Lot. Und nicht nur das: Gemäss Planung können wir jährlich 10 Millionen Franken mehr investieren ohne Zunahme der Nettoverschuldung. Wir befinden uns in einer guten Ausgangslage.

Sie bleiben weiterhin Kantonsrat – was werden Ihre Schwerpunkte sein?

Roth: Die neue Theaterinfrastruktur ist mir ein grosses Anliegen. Auch dank der guten finanziellen Lage der Stadt kann die Planung dieses Generationenprojekts hoffentlich in Angriff genommen werden. Wir müssen visionär bleiben. Daneben werde ich mich weiterhin für die grossen Verkehrsprojekte wie Durchgangsbahnhof und Bypass einsetzen. Die Verkehrspolitik der Stadt basiert auf deren Realisierung.

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