Ruedi Schill: Luzerner Künstler ist gestorben

Am 31. Juli ist der Luzerner Künstler Ruedi Schill im Alter von 79 Jahren verstorben, wie erst jetzt bekannt wurde. Ein Nachruf.

Niklaus Oberholzer
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Monika Günther und Ruedi Schill in ihrer Ausstellung «Nachrichten aus der Zuckerdose» in der Kunsthalle Bourbaki in Luzern vor acht Jahren.

Monika Günther und Ruedi Schill in ihrer Ausstellung «Nachrichten aus der Zuckerdose» in der Kunsthalle Bourbaki in Luzern vor acht Jahren.

Bild: Eveline Beerkircher (Luzern, 12. Juli 2012)

Ruedi Schill widmete sich seit 1979 schwergewichtig der Performancekunst, seit 1995 gemeinsam mit der aus Deutschland stammenden Künstlerin Monika Günther. Die beiden gehören zu den wenigen Schweizer Künstlerinnen und Künstlern, die sich während Jahre radikal diesem schwierigen Feld künstlerischer Arbeit verpflichten.

Performance fordert die Akteure in hohem Masse, weil sie ihre direkte körperliche Präsenz vor Publikum einfordert und weil sie ihrer Natur nach nicht auf Dauer angelegt sein kann: Performance verflüchtigt sich im Augenblick ihres Entstehens und bleibt allenfalls als mit der Handlung generiertes Bild in der Erinnerung aufmerksamer Zuschauer haften. Was bleibt, sind Videoaufzeichnungen oder Fotos und Beschreibung, aber nicht das Werk selber.

Verzicht auf die klassische Dramaturgie

Schill und Günther setzten in ihren unverwechselbaren und eigenständigen Performances Raum und Licht, aber auch gefundene und selbst gebaute Requisiten als skulpturale Elemente sowie eine eigens gestaltete Geräusch- und Klangebene ein. Wesentliches Element war stets die mit Bedacht gestaltete Zeitebene, die meist von gemächlich-langsamem Fortschreiten geprägt war.

Damit liess das Künstlerpaar dem Publikum Zeit und Raum, mit eigenem Mitdenken einem Geschehen zu folgen und ihm aus eigener Perspektive Sinn und Bedeutung zu geben. Dieses Geschehen nahm oft Züge eines Rituals an und bestand in einer Aneinanderreihung gleicher oder ähnlicher Elemente. Kennzeichen war auch der Verzicht auf eine «klassische» und der Welt des Theaters entlehnte Dramaturgie mit Aufbau von Spannungen, Höhepunkten und retardierenden Momenten.

Die beiden unterrichteten an der Luzerner Hochschule Design & Kunst und führten auch im Ausland zahlreiche Performance-Workshops durch. In der Turbine Giswil leiteten sie von 1998 bis 2000 die Internationalen Performance-Tage und von 2005 bis 2013 das Festival «International Performance Art».

Das Künstlerpaar arbeitete lange Zeit zusammen, hier sind die beiden im Jahr 2004 zu sehen, als sie im Luzerner Theater den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern erhielten.

Das Künstlerpaar arbeitete lange Zeit zusammen, hier sind die beiden im Jahr 2004 zu sehen, als sie im Luzerner Theater den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern erhielten.

Bild: Guido Röösli (Luzern, 5. Dezember 2004)

Einzigartige Kontinuität in der Luzerner Galerielandschaft

Der 1941 geborene Schill war seit den späten 1960er-Jahren auch als ein Künstler tätig, der den damaligen Schritt in künstlerisches Neuland in Luzern aktiv mitgestaltete – zum Beispiel mit Land Art- und Foto-Projekten. Ab 1971 bot er den jungen Künstlerinnen und Künstlern in der Druckerei Schill in der Sentimatt in Luzern ein Ausstellungsforum. Später bezog er unmittelbar daneben einen eigenständigen Galerie- und Projektraum, die Galerie Apropos – bis heute eine nachhaltig betriebene Informationsplattform für Kunst.

Diese Kontinuität ist in der Luzerner Galerielandschaft einzigartig. Schill steckte dabei die Grenzen des Kunstbegriffs weit und widmete sich schon in den 1970er-Jahren damals noch kaum bekannten Strategien wie Mail-Art, Audio-Art, Textarbeiten, bedruckten T-Shirts, Stempeldrucken und ähnlichem und baute so ein weit über die Landesgrenzen hinausreichendes Netzwerk auf. Mit seiner Vermittlungstätigkeit in der Galerie Apropos hielt er vielen Luzerner Künstlerinnen und Künstlern während Jahren die Treue.

Schill erwarb sich grosse Verdienste nicht nur mit seiner eigenen künstlerischen Arbeit, sondern auch mit seinen Vermittlungsaktivitäten in der Galerie und mit seiner generellen Förderung der Kunstform der Performance. 2004 erhielt er gemeinsam mit Monika Günther den Kunst- und Kulturpreis der Stadt Luzern.