Ruedi Schweizer, parteilos (neu): Büezer und Aussenseiter

Der parteilose Rudolf Schweizer hat schon für den Stadt-, Stände- und Nationalrat kandidiert – ohne Erfolg. Nun will er in den Regierungsrat. Warum er trotz der Niederlagen nicht aufgibt.

Martina Odermatt
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Ruedi Schweizer: «Die Politik ist für die Menschen gemacht, nicht gegen sie.» (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 08. Februar 2019)

Ruedi Schweizer: «Die Politik ist für die Menschen gemacht, nicht gegen sie.» (Bild: Boris Bürgisser, Luzern, 08. Februar 2019)

Wir sind im Bildungszentrum und Hotel Restaurant Matt in Schwarzenberg. Abgemacht ist der Interviewtermin mit Regierungsratskandidat Rudolf «Ruedi» Schweizer (56, Luzern) für 12.30 Uhr, doch Schweizer und die Journalistin treffen bereits um 12.10 Uhr ein. «Wir sind zu früh. Gut, dass wir wenigstens beide zu früh sind», sagt sie. «Wir sind nicht zu früh, wir sind rechtzeitig», sagt er.

Schweizer ist bodenständig, kann gut mit Menschen. An der Rezeption stellt er sich sogleich vor. «Ich bin Ruedi Schweizer, ich kandidiere für den Regierungsrat», sagt er und reicht der Rezeptionistin die Hand. Das ist seine Art von Wahlkampf. Während andere Politiker ihre Gesichter auf Plakate drucken und am Strassenrand aufstellen lassen, schüttelt Ruedi Schweizer Hände, sucht das Gespräch mit den Leuten. Dabei wirkt er authentisch, ehrlich und nicht gekünstelt. Statt eines Anzugs trägt er Jeans und einen olivgrünen Pullover. Plakate und Inserate werde man von ihm keine sehen. Dafür reiche sein Budget nicht aus.

Schon bei anderen Wahlen erfolglos

Und doch reiste er – mitten im Wahlkampf im Februar – nach Peru. Es sei die erste Reise seit vier Jahren und halt schon lange geplant gewesen. Drei Wochen war er da. Bildungsreise, sagt er. «Man muss schauen, was dort gut läuft und was nicht. Und dann sieht man, was hier bei uns gut läuft, und was nicht.» Bildung ist für Schweizer ein grosses Thema. «Bildung heisst, Lösungen zu suchen», sagt er und schreitet im Hotel den Gang entlang. An den Wänden hängen eingerahmt Fotos und Informationen zu verschiedenen Dichtern, Denkern und Erfindern. Bei Jeremias Gotthelf bleibt Schweizer stehen. «Dieser Mann war extrem wichtig für die Schweiz. Wäre er nicht gewesen, hätten wir heute nicht dieses gute Bildungssystem in der Schweiz. Denn als die Zürcher die Volksschule anno dazumal abschaffen wollten, ist er für unsere Bildung eingestanden und konnte eine Mehrheit gewinnen.»

Für etwas einstehen, das ist Schweizer besonders wichtig. Deshalb hat er schon für den Luzerner Stadtrat, den Stände- und den Nationalrat kandidiert – ohne Erfolg. Wieso stellt er sich nun wieder für ein hohes politisches Amt zur Wahl? Geht es um Prestige, ist es ein Jux? Seine Erfolgschancen sind auch als Regierungsratskandidat marginal. Zudem stellt er sich auch für den Kantonsrat zur Wahl. «Weil ich es interessant finde», sagt Schweizer. Seine Kandidatur nimmt er durchaus ernst. Angst vor dem Scheitern hat er nicht. Er sei sich durchaus bewusst, dass er nur geringe Chancen habe.

«Hauptziel ist nicht, Regierungsrat zu werden, sondern die Leute auf meine Anliegen aufmerksam zu machen.»

Viele von Schweizers politischen Anliegen fussen auf seinen persönlichen Erfahrungen. Erfahrungen die er mit seinem eigenen Unternehmen, einer Carosserie im Obernau gemacht hat, mit seinem Lehrling, mit seinem Umfeld und natürlich auch den Behörden. Schweizer ist ein Büezer. «Ich will einfach nur arbeiten und mein Geld verdienen können», sagt er. Die Politik sei dafür quasi der einzig gangbare Weg gewesen um auf die Anliegen des Kleingewerbes aufmerksam zu machen. Nachdem er 2014 einen Hirnschlag erlitten hatte, dem ein langer Leidensweg vorausgegangen sowie gefolgt war, wurde er immer unzufriedener mit dem System. Doch Schweizer ist hartnäckig. Persönlich wie politisch. Er musste vieles wieder neu lernen.

«Wenn ich unzufrieden mit einer Situation bin und selber nichts ändere, verbessert sich die Situation auch nicht.»

Hartnäckigkeit attestiert ihm auch Marcel Brun. Der parteilose Kantonsratskandidat aus Luzern kennt Schweizer lange. «Ich finde es toll, dass er sich nicht unterkriegen lässt und immer weiter kämpft», sagt Brun. Er kann sich Schweizer gut im Regierungsrat vorstellen. Aufmischen und wachrütteln würde er diesen. Und: «Er trifft sich auch jetzt schon mit anderen Parteien und führt teilweise spannende Diskussionen mit ihnen.» An Podien und politischen Anlässen ist er häufig anzutreffen.

«Würde er sich kürzer fassen, würden ihm mehr Leute zuhören»

Menschen – diese sind das Fundament von Schweizers Politik. Seine soziale Ader kann er nicht verstecken. Er erzählt von Schicksalsschlägen und harten Lebensumständen. Ruedi Schweizer erzählt gerne – und viel. Das sagt auch Marcel Brun. «Ruedi holt gerne aus, um etwas zu erzählen. Würde er sich manchmal etwas kürzer fassen, würden ihm vielleicht mehr Leute zuhören», sagt er. In der Tat: Ruedi Schweizer im Gespräch zu folgen, ist nicht einfach. Er spricht in einem Atemzug von der Kesb, der Unterwanderung der Wirtschaft, seinem persönlichen Umfeld. Mit den Aussagen Bruns konfrontiert, lacht Schweizer und sagt: «Ja, wahrscheinlich hat er Recht.»

Ruedi Schweizer ist höflich, zeigt sich dankbar und bescheiden. Einen Politiker, der mit Leuten umgehen könne, brauche es auch dringend in der Regierung. Wer ihn wähle, so Schweizer, wähle einen willensstarken Menschen, der von den Leuten Ehrlichkeit verlange.

«Die Politik ist für die Menschen gemacht, nicht gegen sie.»

Auch er sei ehrlich, verheimliche etwa seine Legasthenie nicht. Aus den vorhin genannten Gründen würde er gerne das Gesundheits- und Sozialdepartement übernehmen, sollte er es doch in den Regierungsrat schaffen. Und dann wolle er Punkte aus seinem Parteiprogramm umsetzen. Schweizer will etwa eine Reform der Kesb, die Arbeitsplatzerhaltung für Arbeitslose über 50, eine Mietzinsobergrenze für den Kanton und ein Vorkaufsrecht der Mieter.

Wie sich Rudolf Schweizer bei unseren «Entweder oder»-Fragen entschieden hat, sehen Sie hier:

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Beides, aber am liebsten Apfelsaft.

Der Werbespot von Ruedi Schweizer in 60 Sekunden: