Präsident von Gastro Luzern zum Take-away-Streit: «Die Lage hat sich minimal beruhigt»

Ruedi Stöckli, Präsident von Gastro Luzern, trägt die Entscheidung des Regierungsrates zu den Öffnungszeiten von Take-aways aus Loyalität mit. Er will nach der Coronakrise aber eine Gesetzesänderung anstossen.

Simon Mathis
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Fast 900 Gastrobetriebe gibt es im Kanton Luzern – die Coronakrise lässt sie um ihre Existenz bangen. Viele haben zurzeit geschlossen – oder stellen auf Take-away und Lieferdienst um. Das heisst aber: Unter der Woche müssen Take-aways weiterhin um 18.30 Uhr schliessen, wie der Regierungsrat am Donnerstag an einer Pressekonferenz verkündet hat. Die eingeschränkten Öffnungszeiten sind umstritten. Auch Ruedi Stöckli, der Präsident von Gastro Luzern, ist unglücklich mit ihnen – stützt den Regierungsrat aber trotzdem.

Ruedi Stöckli

Ruedi Stöckli

Bild: PD

Ruedi Stöckli, die Regierung hat Ihnen am Mittwoch mitgeteilt, dass Take-away-Betriebe weiterhin unter das Ladenschlussgesetz fallen. Können Sie das nachvollziehen?

Ja, der Regierungsrat konnte mir die Weisung in einem Telefonat plausibel darlegen. Allerdings habe ich der Regierung auch gesagt, dass wir auf diesen Punkt zurückkommen werden, sobald sich die Lage wieder beruhigt hat.

Was meinen Sie damit?

Ich bin nach wie vor der Meinung, dass reine Take-away-Betriebe nicht unter das Ladenschlussgesetz fallen sollten, wie das jetzt der Fall ist. Nach der Coronakrise werden wir uns um eine Gesetzesänderung bemühen. Aus Loyalität dem Regierungsrat gegenüber tragen wir den Entscheid jetzt aber mit.

Wie viel hätten die längeren Öffnungszeiten finanziell wirklich gebracht?

Wie ich von verschiedener Seite gehört habe, hätten die verlängerten Öffnungszeiten durchaus dazu geführt, dass das Angebot auf den Abend hätte ausgedehnt werden können. Dadurch hätte es sicher mehr Umsatz gegeben.

Ich höre aber auch immer wieder, dass Take-away vielmehr ein Angebot für Menschen in der Not sei – aber kein rentables Geschäft.

Längerfristig jedoch werden viele davon profitieren. Denn man ist sich einig, dass der gute Kundendienst beste Werbung für Gastronomen ist, sobald die Coronakrise überwunden ist.

Gibt es überhaupt Kunden für Take-away bis 22 Uhr? Bleiben nicht ohnehin alle zu Hause?

An guter Lage mit viel Laufkundschaft wäre das sicher von Interesse gewesen. Für jene, die keinen Take-away anbieten und nicht von einer guten Lage profitieren, ist wahrscheinlich der Hauslieferdienst das Richtige. Es bleiben viele Menschen zu Hause. Aber es gibt immer Leute, die rund um die Uhr arbeiten und auch nach 18.30 Uhr von einem Take-away profitieren möchten.

Wie sieht die Lage zurzeit aus? Können sich die Gastro-Betriebe über Wasser halten?

Ich denke, die Situation hat sich inzwischen minimal beruhigt. Denn mittlerweile wissen wir, dass auch wir als Unternehmer und die Teilzeitmitarbeiter von der Kurzarbeit profitieren können. Wir wissen auch, dass einige Versicherungen den Betriebsunterbruch übernehmen. Es wurden sogar schon Akontozahlungen getätigt. Diese Rechtssicherheit ist für Wirte und Hoteliers sehr wichtig.

Die Situation ist für Gastro-Betriebe dennoch verheerend.

Ja. Wie viele Betriebe auf der Strecke bleiben, ist zum heutigen Zeitpunkt sehr ungewiss. Für diejenigen, die kein Polster haben und erst noch schlecht versichert sind, für die wird es sehr schwierig. Auch die Überbrückungskredite sind ein Tropfen auf den heissen Stein. Sie sind nur vorübergehend von Nutzen. Denn diese Schulden müssen irgendwann wieder berappt werden, auch wenn sie zinslos sind.

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