RÜEDISWIL: Kinder bändigen bösen Instrumentenräuber

Eine Turnhalle voller Kinder hilft den Rüediswiler Musikanten, einen Übeltäter zu überführen. Mit dem musikalischen Märchen will der Verein Kinder für die Blasmusik begeistern.

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Szene aus dem musikalischen Märchen der Ortsmusik Rüediswil in der Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (Rüediswil, 21. Mai 2017))

Szene aus dem musikalischen Märchen der Ortsmusik Rüediswil in der Turnhalle. (Bild: Roger Grütter (Rüediswil, 21. Mai 2017))

«Was sölle mier au mache ...»: So jammerten 45 Musikantinnen und Musikanten gestern in der Turnhalle Rüediswil, einem Ortsteil von Ruswil. Sie können nicht mehr aufspielen. Ein böser Räuber ist in das harmonische Dorf «Melodien» eingedrungen und hat Instrumente entwendet. Nun, guter Rat mag da zwar vielleicht teuer sein – nicht aber, wenn eine immense Schar neugieriger und hellwacher Kinder von klein bis fast ganz gross mit ihren Eltern anwesend ist. Die Kinder helfen zusammen mit Antonia mit, den Dieb aufzuspüren.

Aber halt: Der Bösewicht ist nicht auf den Räubermund gefallen: Er sperrt Antonia ein und gibt seine Beute nur heraus, wenn die Kinder die kniffligen Aufgaben lösen, die er ihnen arglistig stellt. Da gilt es, mit einer Trompete eine Kerze auszulöschen, einer Klarinette Töne zu entlocken und eine zerlegte Tuba zusammenzusetzen. Nun, die Kinder meistern die Prüfung – und am Schluss schliesst Antonia den Räuber in seiner Höhle ein. Ein Freudentanz für alle ist angesagt.

Dirigent als Autor und Komponist

Florian Lang, der junge Dirigent der Ortsmusik Rüediswil, ist es, der sich die Kindergeschichte ausgedacht hat. Er erzählt, wie der Vorstand und die Musikkommission schon länger die Idee hatten, ein Kinderkonzert aufzuführen. Lang hat gut die Hälfte der Melodien zu seiner Geschichte selber geschrieben, die andere nach bekannten und bewusst kindernah-lüpfigen Melodien für sein Harmonie-Korps arrangiert. «Das Projekt ist eine super Idee, um auf unseren Verein aufmerksam zu machen – und Kinder und Eltern zu animieren, vielleicht später einmal ein Blasinstrument zu lernen», sagt der Primarlehrer. Der Funke ist gestern blitzschnell gesprungen. Die Kinder liessen sich im Nu einnehmen. Doch nicht nur die Kinderherzen haben höher geschlagen, während die Geschichte raffiniert inszeniert und arrangiert über die Bühne ging. Klarinette, Schlagzeug, Waldhorn und Co. haben die Erzählerin Marlen Kammermann unterstützt und die Worte musikalisch prächtig unterlegt. Selma Güntert als Antonia hat mitgeholfen, eine musikalische Märchenatmosphäre zu verbreiten. Das Bass-Register des Korps war gestern für einmal um eine Position ärmer – Bassist Lukas Bieri hatte als «böser Räuber» für einmal anderes zu erledigen. Er mimte die Rolle meisterhaft. «Diese habe ich ihm buchstäblich auf den Leib geschrieben», sagt Lang.

Nach dem Schlussapplaus sind zufriedene Gesichter auszumachen: «Glücklich und auch erleichtert» ist Lang: «Wir hatten nicht so viel Probezeit.» Nadia Schmidiger aus Rüediswil ist mit ihrer Familie da. Sven (7) und Joel (4) sind noch ganz gebannt vom Geschehen. Mutter Nadja, selber lange in einem Musikverein aktiv, ist begeistert. «So toll, wie die Kinder einbezogen worden sind. Diese Kombination von Musik und Erzählen ist grossartig.»

 

Hannes Bucher

kanton@luzernerzeitung.ch