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1. August auf dem Rütli: Reden können nun auch Gehörlose verstehen

Die Teilnehmer der 1.-August-Feier auf dem Rütli haben eine durchwegs positive Stimmung erleben können – darunter auch Gehörlose. Denn erstmals wurden die Reden in Gebärdensprache übersetzt.
Lucien Rahm
Bundespräsident Alain Berset sprach an der Bundesfeier auf dem Rütli - und machte ein Selfie mit den Zuschauern. (Bild: Philipp Schmidli, Seelisberg 1. August 2018)

Bundespräsident Alain Berset sprach an der Bundesfeier auf dem Rütli - und machte ein Selfie mit den Zuschauern. (Bild: Philipp Schmidli, Seelisberg 1. August 2018)

Als das Shuttle-Schiff von Brunnen kommend an der Station Rütli anlegt, stehen zwei Alphornbläser schon bereit, um die Gäste mit besinnlichen Klängen zu bespielen. Leicht weniger erfreulich ist der anschliessende Weg zur Rütliwiese hinauf, der angesichts der grossen Hitze mit gewisser Anstrengung verbunden ist.

Vom heissen Wetter lassen sich die zahlreichen Gäste, die sich auf und um die Wiese auf Festbänken oder dem Boden niedergelassen haben, die Stimmung jedoch nicht beeinträchtigen. Die Besucher, die aus verschiedenen Landesteilen und Ländern angereist sind, um die Bundesfeier zusammen an diesem geschichtsträchtigen Ort zu begehen, sind guter Laune. Mit Freude präsentieren sich einige in rot-weisser Kleidung oder Trachten. Ein einzelnes, schwarz-weisses T-Shirt mit der Aufschrift «Eidgenosse» erinnert an jene Gäste radikaler Gesinnung, die ungebetenerweise vergangene 1.-August-Feiern auf dem Rütli besuchten. Zwei junge Herren, auf deren Brust Hammer und Sichel prangen, passen ebenfalls nicht ins Bild.

Bundespräsident sorgt für Lacher

Nebst den uniformierten Sicherheitsleuten und Polizisten, die zahlreich vorhanden sind, sind es die Uniformierten der Musikgesellschaft Brunnen, die den Anlass professionell begleiten. Um 13 Uhr eröffnen sie die Feier mit einem Stück lüpfiger Marschmusik. Danach folgen von der kleinen Festbühne aus begrüssende Worte von Jean-Daniel Gerber, Präsident der Schweizerischen Gemeinnützigen Gesellschaft (SGG), welche die Nationalfeier auf dem Rütli jährlich organisiert.

In einem bestimmten, euphorischen Ton, der etwas an den Redestil des ehemaligen Bundesrates Adolf Ogi erinnert, freut sich Gerber unter anderem darüber, dass der Anlass mittlerweile über 1000 Besucher anlocke (am Mittwoch waren es rund 1600), währenddessen es in früheren Jahren jeweils nur rund 200 gewesen seien. Dem Motto der diesjährigen Veranstaltung – «Kohäsion», also der innere Zusammenhalt – gerecht, werden sämtliche Beiträge der Vortragenden erstmals von einer Dolmetscherin in die Gebärdensprache übersetzt. Der Anlass werde dadurch noch bunter, findet beispielsweise Besucherin Daniela Hofer aus dem Eigenthal. «Es ist schön, zu sehen, mit welcher Selbstverständlichkeit die Feier mehrsprachig stattfindet.»

Berset spricht dreisprachig

Festredner Alain Berset spricht dreisprachig zu den Besuchern, wobei seine humoristischen Einlagen auf Deutsch mehr Lacher im Publikum erzeugen, als jene auf Französisch oder Italienisch. Entweder sind die Deutschschweizer Gäste also zahlreicher vorhanden, oder sie können mit Bersets Humor mehr anfangen. Nebst lockeren Sprüchen wird der Bundespräsident aber auch ernst. Dabei wird er nicht müde, die Kompromissfähigkeit der Schweizer zu loben. «Aus guten Kompromissen entstehen oft nachhaltige Lösungen.» Gerade bei der Altersvorsorge und dem Gesundheitswesen seien solche Kompromisse heute gefragt, wirbt der Gesundheitsminister für Veränderungen bei zwei der herausforderndsten Themen seines Departements.

Während Bersets Rede ziehen die ersten kleineren Wolken auf über dem Rütli, welche den schwitzenden Gästen eine vorübergehende Sonnenpause bescheren. Die Besucher ihrerseits bescheren dem Bundespräsidenten zum Ende seiner Rede kräftigen Applaus. Als er anschliessend von der Moderatorin darauf hingewiesen wird, dass sich heute Vertreter von rund 70 sozialen Organisationen unter den Gästen befänden, sieht er sich veranlasst, ein Handyfoto für sein Twitterkonto zu schiessen. Da nicht alle Rütligäste auf einem Foto Platz haben, muss Berset hierfür allerdings «ein Panoramique tun».

Neue Hymne hat immer noch schweren Stand

Die Mehrheit der Gäste, so lässt ihre Lautstärke vermuten, singt im Anschluss die Schweizer Nationalhymne mit, begleitet von der Musikgesellschaft Brunnen. Nach der ersten Strophe folgt als zweite der Vorschlag der SGG für einen neuen Hymnentext, der 2015 aus einem Wettbewerb hervorging. «Weisses Kreuz auf rotem Grund, unser Zeichen für den Bund», beginnt die neue Fassung, die die SGG dereinst zur offiziellen Nationalhymne machen will und nun zum dritten Mal an der Rütlifeier singen lässt. Wobei sich fürs Mitsingen jeweils hörbar weniger Leute begeistern lassen, als bei der aktuellen Hymne. Die Gäste reagieren noch immer unterschiedlich auf diese Idee. «Der Text ist modern und beinhaltet die zentralen Werte der Schweiz», sagt Severin Marty aus Brunnen. Adrian Zurfluh aus Altdorf hält ihn hingegen für eine Plattitüde und stört sich zudem daran, dass die SGG ihr Vorhaben an der Bundesfeier auf dem Rütli bewirbt.

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