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RÜÜDIG VERRECKT: 5 gute Gründe für Fasnacht auf dem Lande

Die Fasnacht in der Stadt Luzern ist die grösste, beliebteste und populärste. Doch ist sie auch die beste? Wir meinen: Es lohnt sich, die Kapellbrücke mal gegen eine Mehrzweckhalle einzutauschen.
Urs-Ueli Schorno
Prägende Figur der Landfasnacht: Hirsmändigbote Guido Bucher in Flühli. (Bild: Philipp Schmidli (27. Februar 2017))

Prägende Figur der Landfasnacht: Hirsmändigbote Guido Bucher in Flühli. (Bild: Philipp Schmidli (27. Februar 2017))

Urs-Ueli Schorno

ursueli.schorno@luzernerzeitung.ch

Inzwischen bleibt während der Fasnacht in der Stadt Luzern nicht einmal mehr der Samstag vom bunten Treiben verschont. Sowieso säumen während der rüüdig verreckten Tage Zehntausende die Strassen und Plätze. Ist deswegen die Landfasnacht bedroht? Geht keiner mehr hin? Wohl kaum, denn nicht nur Landeier wissen: Es gibt mindestens fünf gute Gründe, sein Kostüm im Dorf zur Schau zu tragen statt sich in den Gassen und Massen der selbst ernannten Fasnachtshauptstadt zu verlieren.

1. Freunde finden, leicht gemacht

Stadtluzerner Fasnachtskinder, die sich gerne in Gruppen mit mehr als vier Personen bewegen, können ein Lied davon johlen: Zwar hat man alles unternommen – Whatsapp-Gruppe gegründet, Treffpunkt abgemacht, grobes Programm festgelegt. Doch einmal kurz die Notdurft ver­richtet, am Bratwurststand den falschen Cowboy duelliert und schon sind die verkleideten Freunde weg. Je fortgeschrittener der Abend, desto schwieriger wird es, die ursprüngliche Gruppe zusammenzuhalten: «Sind jetzt da» – «Ich auch, wo ihr?» – «Wir sind jetzt dort». «Standort gesendet» – «Wo bist Du?».

Auf dem Land hingegen könnte man das Smartphone getrost auch mal zu Hause lassen: Nach dem Umzug trifft man sich an einem zentralen Ort, gerne einer Mehrzweckhalle. Alternativ sind die Beizen schnell abgeklappert, man fragt sich durch, der Kollege ist bekannt wie ein bunter Hund. Wenn einem dann noch der alte Schulschatz zuzwinkert, darf man sich auch mal «kurz» hinsetzen auf «ein Bier» – der ursprünglich Gesuchte wird einen dann schon finden. Für Stadtmenschen: Heftet euch einem Freund vom Lande an die Fersen, er garantiert, dass ihr am Abend im Dorf bekannt seid und im Verlustfall gefunden werdet.

2. Den Kindern zuliebe

Seien wir mal ehrlich, liebe Eltern: Euren Kids ist doch egal, wie durchgestylt die Umzugsnummern sind und ob die Guuggenmusigen auch tatsächlich die Töne treffen, die sie anvisieren. Die umgehängte Trommel tönt eh besser als die Pauke der Herrgottswaldfäger. Und wenn es noch etwas Platz hat, so dass auch die Kleinen mithüpfen können, ohne von einem betrunkenen ­Piraten umgestossen zu werden, umso besser. Gestresste Eltern, die einen Polizisten auf der Suche nach dem kleinen Fridolin um Hilfe fragen müssen? Nicht auf dem Lande. Man behält Prinzessin Petra oder Cowboy Fridolin viel besser im Blick. Und spätestens, wenn Fridolin der Nachbarin ein paar vom Boden aufgelesene Konfetti ins Kafi Schnaps wirft, bringt diese den Schützling bestimmt zurück.

3. Kafi und Käseschnitte zu Dumping-Preisen

Apropos Kafi Schnaps: Wer ein Huerenaff in der Stadt kauft, an offizieller Stelle, bei dem leert sich das Portemonnaie schneller als der Becher. Der notwendige Gang zum Bankomaten wird anschliessend zur Tortur, wenn zehn Vollmaskierte unter ihren acht Schichten Verkleidung und drei Lagen Gore-Tex nach dem Kärtli suchen, bevor man den eigenen PIN-Code eingeben darf. Klar, da gibt es an gewissen Ecken auch günstigere Varianten. Aber dort heisst es dann schnell wieder: anstehen. Entspannter ist es da im Ländler-Zelt auf dem Land, wo die Preise für Bier und Käseschnitte schon seit Jahren auf tiefem Niveau ­stagnieren. An der Dorffasnacht bleibt sogar noch etwas fürs Trinkgeld übrig, und dabei tut man gleich noch Gutes, indem man den kommenden Jodlerabend im Ort mitfinanziert. So geht Crowdfunding auf dem Lande, ganz ohne Internet.

4. Altes Brauchtum, neu erleben

Obwohl man auf das Label «Weltkulturerbe» pfeift, brüstet man sich in der Stadt Luzern schon rüüdig damit, urtümliches Brauchtum zu pflegen. Doch solches tut man seit mindestens der letzten Eiszeit auch auf dem Lande. Etwa am Hirsmändig in Flühli, wo nach urentlebuchscher Tradition eine der ältesten Formen der Fasnacht gepflegt wird. Der berittene Bote nimmt zunächst alle aufs Korn, bevor das fasnächtliche Treiben ausbricht. Der Brauch wurde in den vergangenen Jahren durch die Hirsmändig-Gesellschaft erfolgreich wiederbelebt. Hingehen!

5. Stadtkulisse, aber anders

Dann noch ein Tipp für diejenigen, die sich nicht ganz vom Flair der Stadtfasnacht lösen können. Schöne Städtli mit toller Fasnacht gibt es auch auf dem Lande. Zum Beispiel Willisau, wo die Karnöffelzunft seit 1949 um rüüdig verrecktes Treiben besorgt ist. Die Städtlifasnacht am 4. Februar eignet sich zudem hervorragend für einen verfrühten Start in die offizielle Fasnacht. Da wäre auch noch Sursee. Nicht zu verachtender Nebeneffekt: Die Umzüge und das bunte Treiben finden so auch mal vor anderer Kulisse statt. Reusssteg und Kapellbrücke in Ehren, aber wer vermisst schon eine verstopfte Brücke, wenn er durch die Oberstadt zieht?

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