RUSWIL: Ein diskreter Schaffer mit Sinn für Humor

Gemeindeschreiber Markus Felder geht nach 30 Jahren in Pension. Er spricht über Kuriositäten, Veränderungen und darüber, was er jetzt eher weniger vermisst.

Stephan Santschi
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Markus Felder (63) über Ruswil (im Hintergrund zu sehen die Pfarrkirche).

Markus Felder (63) über Ruswil (im Hintergrund zu sehen die Pfarrkirche).

So allmählich rückt er näher, der letzte Tag im Büro auf der Gemeindeverwaltung in Ruswil. Markus Felder wird am 14. Mai den Dienst quittieren und das Zepter des Gemeindeschreibers an seinen Nachfolger Tobias Lingg übergeben. Macht sich da bereits etwas Wehmut bemerkbar? «Ich spüre zwar, dass das Ende bevorsteht, weil mich am Telefon jeder Dritte fragt, wie lange ich denn nun noch arbeite. Ich habe aber ein gutes Gefühl, ich gehe beruhigt in den Ruhestand, weil ich glaube, dass mein Nachfolger bei den Leuten gut ankommt», sagt Markus Felder.

Die Weltreise endet im Welschland

30 Jahre lang war Felder der Gemeindeschreiber und Notar Ruswils. Sogar 40 Jahre lang war er auf der Gemeindeverwaltung tätig. Als er 1973 begann, tat er dies nämlich zunächst als Leiter des Steueramts. «Es gibt Menschen, die äussern sich skeptisch über eine so lange Zeit im gleichen Betrieb. Mir ist es aber nie langweilig gewesen», betont er. Das heisst aber nicht, dass der berufliche Werdegang so geplant war. Eigentlich trachtete Markus Felder mit knapp 20 Jahren nach der Karriere im Ausland. Deshalb wechselte er zum Schweizerischen Bankverein (heute UBS), welcher mit Niederlassungen in Japan, Amerika oder Kanada attraktive Perspektiven bereithielt. Auch eine Stelle auf dem Büro einer Schweizer Schokoladenfirma in Kamerun weckte das Interesse des jungen Mannes.

«Geschafft habe ich es aber nur bis Lausanne und Renens im Welschland. Nach zwei Jahren kehrte ich nach Ruswil zurück», erzählt der heute 63-Jährige mit einem Schmunzeln. Anlass für den Meinungsumschwung war ein Telefonat des damaligen Gemeindepräsidenten Adolf Bühler, der sich nach personeller Verstärkung für die kommunale Schaltzentrale umsah. Felder sagte zu, die Selbstständigkeit im neuen Job machte ihm Eindruck. «Ich hatte für alle Buchungen der Gemeindeverwaltung die Einzelunterschrift. Damit verfügte ich teilweise über mehr als eine Million Franken. Das wäre heute nicht mehr denkbar», erzählt er.

«Arbeit ist anonymer geworden»

Geändert habe sich auch sonst so einiges an der Schwerzistrasse in Ruswil. So wurden beispielsweise 2003 das Zivilstandsamt und Anfang 2013 die Vormundschaftsbehörde ausgegliedert. «Das ist schade, die Arbeit ist so anonymer geworden. Früher herrschte hier in unseren Wänden mehr öffentlicher Verkehr. Mit Ausnahme der Arbeitslosen. Diese Zahl hat markant zugenommen.»

Besonderen Gefallen fand Felder an den zivilen Trauungen, die er im Pfarrhof durchführte. Zwischen 25 und 35 Eheschliessungen seien so jährlich zusammengekommen. Wie bei Baugesuchen war es üblich, das Ehegesuch am Gemeindekasten anzukünden. «Zweimal ist tatsächlich Einsprache erhoben worden. Allerdings nur spasseshalber, wir haben die Verhandlungen dann bei einem Bier geführt», erinnert sich Felder.

Verhandelt und angeregt diskutiert wurde oft auch in den Sitzungen des Gemeinderats. Felder hat sich dabei stets zurückgehalten. «Amtskollegen sagten mir, dass sie ab und zu auf den Tisch klopfen und den Herren Gemeinderäten die Meinung sagen würden. Das war aber nie meine Art.»

In seiner Zeit als Gemeindeschreiber hatte er nur mit drei Gemeindepräsidenten zu tun: dem redegewandten Adolf Bühler, dem zugänglichen alt Nationalrat Franz Brun und – aktuell – dem perfektionistisch veranlagten Nationalrat Leo Müller. «Alle waren zuverlässig und angenehm in der Zusammenarbeit», versichert Markus Felder. Weniger Gefallen fand er an den Streitigkeiten um Baugesuche oder Durchfahrtsrechte, die ihm zuweilen in seiner Funktion als Verwalter des Grundbuchs zu Ohren kamen. «Es ist für mich schwierig zu verstehen, weshalb Nachbarn mit Einsprachen aufeinander losgehen und sich das Leben schwermachen.»

Enkelsohn, Segelboot, Buch

Den Ruhestand hatte Markus Felder schon im letzten Jahr angestrebt. Die grossen Umwälzungen in der Gemeindeverwaltung mit dem neuen Führungsmodell (Geschäftsführer) sowie drei demissionierenden Gemeinderäten bewegten ihn aber dazu, die Übergangsphase noch mitzumachen.

Am 14. Mai ist allerdings definitiv Schluss. Konkrete Zukunftspläne bestehen noch keine, angedacht ist aber schon vieles. So will Markus Felder das nachholen, was er schon zu Beginn seines Berufslebens vorgehabt hatte: das Reisen. Begleiten wird ihn seine Frau Vreni. Markus Felder ist auch ein leidenschaftlicher Segler – egal ob auf dem Vierwaldstättersee oder an den Küsten Kroatiens (Pula), Griechenlands (Kos) oder Mallorcas (Palma). Zeit möchte der Vater von zwei Töchtern zudem mit seinem ersten Enkelkind, dem 14 Monate alten Matteo, verbringen. Und dann liebäugelt das Ruswiler Urgestein mit dem Verfassen und Zusammentragen von alten Geschichten aus dem Leben. 40 Jahre auf der Gemeindeverwaltung dürften hierzu einen reichen Fundus garantieren.