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RUSWIL: Er startet mit einer Rarität beruflich durch

Patrick Biedermann lebt seinen Traum der Selbstständigkeit. Er produziert alte Pflanzensorten – und erhält sie damit am Leben.
Ernesto Piazza
Patrick Biedermann (33) stellt Pro-Specie-Rara-Produkte für die Kundschaft in seiner Gärtnerei in Ruswil zusammen. (Bild Pius Amrein)

Patrick Biedermann (33) stellt Pro-Specie-Rara-Produkte für die Kundschaft in seiner Gärtnerei in Ruswil zusammen. (Bild Pius Amrein)

Die Ausmasse sind beeindruckend: Auf einer Fläche von rund 7700 Quadratmetern – davon zirka 3000 Quadratmeter in Glashäusern – betreibt Patrick Biedermann (33) in Ruswil die Homatt-Kulturgärtnerei. Seine Tätigkeit umfasst den Erhalt, die Produktion und den Verkauf von Pro-Specie-Rara-Pflanzen. Der Name kommt von der gleichna­migen, im Jahre 1982 gegründeten schweizerischen Non-Profit-Stiftung. Sie bewahrt Nutztierrassen und Kultur­pflanzen vor dem Aussterben.

Biedermann konzentriert sich bei seinen Produkten auf verschiedene Gemüse­sorten, Zierpflanzen und Beeren und will sie in ihrer ursprünglichsten Art und Form halten. Sein Betrieb sei der erste schweizweit, «der ein solch breites, saisongerechtes Sortiment an Pro-Specie-Rara-Pflanzen pflegt», erklärt er.

Zufällig auf Inserat gestossen

Sich selbstständig zu machen, sei bereits während der Lehre ein Thema gewesen, erinnert sich der 33-Jährige. Am 1. November ging dieser Traum für den gelernten Topfpflanzen- und Schnittblumengärtner mit dem Erwerb der Gärt­nerei Homatt in Erfüllung. Biedermann war zufällig über ein Inserat in einer Wochenzeitung auf das Objekt gestossen. «Mein Bauchgefühl sagte mir: Auf diese Annonce musst du antworten.» Und er wusste sofort: Wenn es klappt, soll es künftig keine 08/15-Gärtnerei sein. Pro Specie Rara lernte er während seiner 10-jährigen Tätigkeit bei Coop – damals allerdings noch in der Baumarktabteilung arbeitend – kennen. Voller Begeisterung hat er seither bei der Stiftung als aktives Mitglied mitgewirkt und Pflanzen zur Erhaltung im Hausgarten gehegt und gepflegt.

Geschäft selber beeinflussen

Nach einem fünf Monate dauernden Umbau hat Biedermann Anfang April die Gärtnerei in Ruswil wiedereröffnet. Noch gibt es zwar in den sieben Gewächshäusern viele leere Plätze. Doch langsam kehrt das Geschäftsleben in die Homatt zurück. Vor der grossen Aufgabe habe er keine Angst, weil er als Selbstständigerwerbender den Mechanismus der Geschäftstätigkeit direkt beeinflussen könne. Als Angestellter sei ihm dies nur in begrenztem Masse möglich gewesen, sagt der seit fünf Jahren in Gelfingen lebende gebürtige Winznauer (SO).

Businessplan: Finanzielles Gewissen

In der Beschaffung der finanziellen Mittel sieht Biedermann die bisher grösste Herausforderung seines noch jungen Projekts. Letztlich habe sich die Hartnäckigkeit aber gelohnt, betont er. «Ich bin überzeugt, dass für diese Produkte ein Markt vorhanden ist.» Das konnte Biedermann etwa unlängst beim Luzerner Wochenmarkt feststellen. «Ich wurde von der Kundschaft förmlich überrannt.» Dort verkauft er noch bis Ende Juni jeweils dienstags seine Erzeugnisse – vor allem in Form von Setzlingen und Topfpflanzen. Zudem baut er in Ruswil den Direktvertrieb auf. «Ich befinde mich auf Kurs», sagt Biedermann. Diese Gewissheit gibt ihm der Businessplan: Abweichungen würden ihm die permanenten Konsultationen seines unternehmerischen Gewissens sofort aufzeigen.

Minimer Preisaufschlag

Für den Laien sei Salat einfach Salat, erklärt der Gärtner. Wer hingegen Pro-Specie-Rara-Produkte kaufe, lege Wert auf Optik, Geschmack und eine grössere Vielfalt als bei den gängigen Erzeugnissen, die etwa in den Regalen von Grossverteilern zu finden sind. Doch wie sieht es preislich aus? Einen minimen Preisaufschlag – verglichen mit den herkömmlichen Produkten – gebe es schon, so Biedermann. «Doch die Produkte sind nicht teurer als bei einer Dorfgärtnerei.» Und weiter betont er: «Das Preis-Leistungs-Verhältnis ist angemessen. Vor allem unter der Berücksichtigung, dass viel Herzblut und Fleiss für den Erhalt und die Produktion der raren Pflanzen benötigt werden.»

Nach Richtlinien von Bio Suisse

Biedermann arbeitet seit der Übernahme nach den Richtlinien von Bio Suisse. Per 1. Mai 2018 hofft er, als Bio-Knospe-Umstellungsbetrieb zertifiziert zu werden. Als Unternehmer will er sich sukzessive profilieren und positionieren. Sein Wissen weiterzugeben und in Zukunft Lehrlinge auszubilden, sind für ihn ebenfalls wichtige Aspekte seiner Arbeit.

Das älteste der sieben Gebäude ist rund 40-jährig. Auf längere Frist nachhaltig in die Gärtnerei zu investieren, ist deshalb eine weitere Vision. Noch braucht es allerdings viel Aufbauarbeit. Dessen ist sich Patrick Biedermann bewusst. Er sagt: «Diese Tätigkeit ist für mich Berufung und zugleich auch eine Lebensaufgabe.»

Ernesto Piazza

Hinweis

Am Wochenende findet bei der Homatt-Kulturgärtnerei das Frühlingserwachen statt, und zwar: am Samstag, 23. April, 9 Uhr bis 17 Uhr, und Sonntag, 24. April, 9 Uhr bis 16 Uhr.

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