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RUSWIL: Fehlendes Trottoir auf dem Schulweg ärgert Familie

In der grossflächigen Gemeinde brauchen viele Kinder einen Schulbus. Der fährt aber nicht für ein einziges Kind, obwohl dessen Schulweg unzumutbar ist. Lösen könnte das Problem der Kanton – irgendwann.
Jessica Bamford
Selina Portmann (6) an der Kantonsstrasse Richtung Werthenstein. (Bild: Nadia Schärli (Ruswil, 30. Oktober 2017))

Selina Portmann (6) an der Kantonsstrasse Richtung Werthenstein. (Bild: Nadia Schärli (Ruswil, 30. Oktober 2017))

Jessica Bamford

jessica.bamford@luzernerzeitung.ch

2.20 Franken pro Tag zahlte die Gemeinde der Familie Portmann bis jetzt, damit sie ihre Tochter selbst zur Schule bringt. Dies, weil der 2,1 Kilometer lange Schulweg des sechsjährigen Mäd­chens einer Kantonsstrasse ohne Trottoir entlangführt und es noch keinen Veloweg gibt. Es ist deshalb kein zumutbarer Schulweg. Ein Schulbus wäre eine mögliche Lösung. Den gibt es aber nicht, obwohl sich auch die Gemeinde bewusst ist, dass der Schulweg nicht zumutbar ist. Die Gemeinde begründet das damit, dass es sich nur um ein Kind handelt und der Bus dafür einen grossen Umweg machen müsste, was für die anderen Kinder zu einem längeren Schulweg führen würde.

«Wir haben bereits vier Schulbusse und Extratransporte der Rottal Auto AG im Einsatz, um Kinder zur Schule zu bringen. Wegen der grossen Fläche der Gemeinde ist es aber unmöglich, jedes Kind abzuholen», erklärt Thomas Glanzmann, FDP-Gemeinderat von Ruswil, auf Anfrage unserer Zeitung. Die Familie besitze ein Auto, und für Mutter Ursula Portmann sei es laut der Gemeinde, die sich mit dem Kanton abgesprochen hatte, «zumutbar», das Kind selbst zu bringen.

Asylsuchende Familie sorgte für Entspannung

Für die Familie Portmann ist dieser Zustand problematisch: «Wir waren uns des Problems schon lange bewusst und haben bereits 2014, bevor unsere Tochter zur Schule musste, mit der Gemeinde Kontakt aufgenommen», erklärt Ursula Portmann. Für das erste Semester ab Herbst 2016 konnte eine Lösung gefunden werden: Da eine asylsuchende Familie mit drei Kindern neben ihnen einzog, musste ein Schulbus fahren. Denn im Auto von Ursula Portmann hätten nicht alle Kinder Platz gehabt. Da die Familie aber noch im selben Herbst wieder wegzog, organisierte die Gemeinde den Transport fürs laufende Semester noch weiter.

Danach mussten Portmanns den Transport ihrer Tochter selber organisieren. «Selbstverständlich gegen eine Entschädigung», die nach dem Ruswiler «Reglement für die Beiträge an die Kosten von privaten Schultransporten» von 2016 die besagten 2.20 Franken pro Tag und Kind betrug, wie die Gemeinde Ruswil schreibt. Doch mit dem Schuljahr 2017/18 wurde eine neue Praxis eingeführt: Es gilt eine Pauschale. Die Familie Portmann erhält nun 350 Franken im Jahr, was etwa 1.90 Franken pro Schultag entspricht – deutlich weniger als vorher. Die Familie bekommt jedoch, anders als beim alten Reglement, finanzielle Beiträge, bis ihre Tochter die Sek abgeschlossen hat. «Dieses Reglement hilft insgesamt mehr, auch wenn es für wenige in diesem Jahr eine Senkung bedeutet», rechtfertigt Glanzmann.

Für die Familie Portmann war der Entscheid der Gemeinde, die Tochter nicht zur Schule zu bringen, ernüchternd: «Wir fühlten uns unfair behandelt, weil es für die Familie von Asylsuchenden möglich war, aber für uns nicht.» Ausserdem sei die Entschädigung viel zu tief. Der Auftrag der Gemeinde ist für die Familie jedoch nicht nur unangenehm, sondern zum Teil auch schlicht nicht erfüllbar, da Ursula Portmann damals Teilzeit Schicht arbeitete und das Auto brauchte, um zur ­Arbeit zu kommen. Dies konnte aber immerhin gelöst werden: Die Schulpflege bot der Familie an, ihr die Daten zuzustellen, an denen es ihr nicht möglich war, das Kind zu Schule zu bringen. An diesen Tagen habe sie den Transport gewährleistet. «Dies war aber erst möglich, als wir mit dem Rechtsdienst in Kontakt waren», erklärt Portmann.

Im Frühling 2017 haben sich die Umstände verändert: Familie Portmann hat ihren Bauernhofbetrieb vergrössert, weshalb die Mutter ihre Stelle kündigte und seither auf dem Bauernhof mit anpackt. Da nun das Auto immer zur Verfügung steht, sieht die ­Gemeinde keinen Grund, für die Tochter, die nun in die erste Klasse geht, einen alternativen Transport anzubieten. Ursula Portmann arbeitete jedoch etwa gleich viel wie zuvor. «Es ist für uns eine grosse Belastung, unsere Tochter immer abzuholen und zu bringen und nebenbei einen Hof zu führen, wir fühlen uns ausgenutzt», erklärt sie.

Seit Beginn des Schuljahrs 2017/18 gäbe es noch die Möglichkeit, die Tochter bei den «schul- und familienergänzenden Tagesstrukturen» anzumelden. Das will die Familie aber nicht, weil sie die Zeit mit ihrer Tochter verbringen möchte. «Das wäre auch komisch, weil der Bus, der sie zum Mittagstisch bringt, fast bei uns vorbeifährt, während wir zu Hause sind», so die Mutter.

Gemeinde und Familie warten auf Kanton

Die Familie und die Gemeinde spielen sich den Ball weiterhin zu, ohne Kompromisse eingehen zu wollen. Eine Lösung des Konflikts ist nicht in Sicht. Und die Ursache, das fehlende Trottoir? Die Kantonsstrasse, die den Schulweg des Mädchens unzumutbar macht, sollte eigentlich schon seit längerer Zeit ausgebaut werden. Getan hat sich aber noch nichts, «und wir erwarten auch nicht, dass das Projekt wie geplant bis im Jahr 2018 ab­geschlossen wird», sagt Ursula Portmann. Auch Thomas Glanzmann ist die langsame Entwicklung des Projekts ein Dorn im Auge: «Wir wären froh, wenn das schneller vorangehen würde, ­machen können wir aber leider nichts, weil der Kanton zuständig ist.» Auf Anfrage sagt Beat Hoffstetter, Abteilungsleiter Planung Strassen bei der Dienststelle Verkehr und Infrastruktur, dazu: «Das Projekt wurde bereits öffentlich aufgelegt und steht somit im Bewilligungsverfahren. Als nächste Schritte wird der Regierungsrat das Projekt bewilligen und der Kantonsrat den Kredit beschliessen. Der Zeitpunkt für die Realisierung ist abhängig vom Bewilligungsverfahren.»

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