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RUSWIL: Hier wird ein ganzes Leben versteigert

Das Hab und Gut von Bauer Martin Budmiger kam unter den Hammer. Auf die Gant gab es einen regelrechten Ansturm. Aus der ganzen Schweiz kamen die Besucher – es waren längst nicht nur Bauern.
Andreas Bättig
Der Luzerner Gantrufer Bruno Furrer trieb die Preise in die Höhe. Rund 3000 Besucher kamen zur Versteigerung. (Bild: Pius Amrein (Ruswil, 25. März 2017))

Der Luzerner Gantrufer Bruno Furrer trieb die Preise in die Höhe. Rund 3000 Besucher kamen zur Versteigerung. (Bild: Pius Amrein (Ruswil, 25. März 2017))

Andreas Bättig

redaktion@zentralschweizamsonntag.ch

Man hätte meinen können, dass am Samstag in Ruswil ein Festival oder sonst eine Grossveranstaltung stattfand. Schon früh am Morgen war die Wiese vor dem Hof von Bauer Martin Budmiger mit Hunderten Autos gefüllt.

Die Nummernschilder zeigten, dass Besucher aus der ganzen Schweiz gekommen waren – gar aus dem Kanton Waadt. Sie alle wollten zur Gant, bei der an diesem Tag neben Alltags­ge­genständen für den Hof auch Landwirtschaftsmaschinen und Brown-Suisse-Zuchtkühe unter den Hammer kamen.

Dem Bauern wurde die Pacht gekündigt

Für die Versteigerung zuständig war der bekannte Luzerner Gant­rufer Bruno Furrer. Dieser eröffnete kurz nach 9 Uhr mit der Versteigerung von prächtigen Weideglocken, begleitet von markigen Sprüchen, die Gant. «Wenn d Frou nömme met der red, denn muesch nor en Stompe i de Stobe aazönde, de red si de sofort weder met der», scherzte Furrer und warf einige Rössli-Stumpen ins Publikum. Die Menge lachte.

60 bis 100 Franken wurden für die Glocken geboten, für die sich nicht nur Bauern interessierten. «Ich habe zu Hause einen schönen Kornspycher. Die passen perfekt als Dekoration», sagt etwa Kurt Bernhard (60), der für die Glocken extra von Winterthur nach Ruswil gereist war. «Das Schöne an den Schellen ist, dass sie gebraucht sind. So haben sie eben auch Charakter.»

Dass Bernhard und die anderen Gantbesucher überhaupt die Fahrhabe, die Maschinen und das Vieh ersteigern konnten, hat keinen schönen Grund. Martin Budmiger, einem jungen Bauern im Alter von 35 Jahren, wurde die Pacht gekündigt. Er war während 8 Jahren Pächter auf der Liegenschaft. «Das tut schon weh, wenn man aufhören muss. Besonders, wenn man sich mit dem Vieh eine schöne Zucht aufgebaut hat», sagt Budmiger. Gerne hätte er auf einem anderen Betrieb weiter als Bauer gewirtschaftet. «Ich bin mit Leib und Seele Bauer. Aber ich fand keinen Betrieb zum Weitermachen.» Denn oft falle es Bauern schwer, sich nach der Pensionierung vom Hof zu lösen. «Ich wäre wirklich gerne in der Landwirtschaft geblieben. Aber ich habe keine andere Wahl», sagt Budmiger weiter und fügt an, was er nun beruflich weiter mache, sei zurzeit noch offen.

«Das ist hier richtiges Landleben»

Wenigstens kann sich Budmiger auf einen schönen Batzen als Startkapital freuen. Denn Gant­rufer Bruno Furrer ratterte maschinengewehrartig die Preise in die Höhe: «85 esch botte! Chom 90, mache mer 90! Guet 90, he? 90 Franke zom Erschte, zom Zwöite ond zom Drette», dröhnte es aus den Boxen der Stereoanlage. Und immer wieder kam Furrer ein flotter Spruch über die Lippen – etwa dieser: «Met dene Chettene chasch de grad de Maa am Obe met hei schleipfe.»

Es herrschte eine lockere, ja festliche Atmosphäre auf der «Rusmeler Gant». In der Festwirtschaft gab es ein gutes Kafi Schnaps, hie und da wurde ein Schnupf in die Nase hochgezogen, Schweins- und Kalbsbratwürste stillten den Hunger.

Auch für Familien ist eine Gant etwas Besonderes. Cornelia Schnyder (36) aus Schenkon kam nach Ruswil, um ihren Kindern die Gant zu zeigen. «Ich war selber als Kind immer dabei. Das ist hier richtiges Landleben. Das wollte ich meinen Kindern nicht vorenthalten», sagt Schnyder, die selber auf einem Bauernhof lebt.

Eine schöne Genugtuung zum Abschluss

Gantrufer Furrer zog am Ende des Tages ein positives Fazit: «Das war eine schöne Versteigerung. Die Gebote waren sehr gut. Der Bauer kann zufrieden sein.» Besonders der Viehbestand sei interessant gewesen. «Es waren schöne und gesunde Tiere.» Furrer schätzt, dass zirka 3000 Besucher auf die Gant gekommen waren. «Die Festwirtschaft mit ihren 700 Plätzen war bumsvoll.» Auch Martin Budmiger ist zufrieden. «Ich bekam viele Komplimente für mein Vieh. Das wurde dann mit guten Preisen entsprechend honoriert», sagt er. Das sei zum Abschluss seiner – zumindest vorläufigen – Bauernkarriere eine schöne Genugtuung für ihn.

Hinweis

Am 8. April ab 10 Uhr findet eine Antiquitätensteigerung infolge Verkauf des Marbacherhofs in Nottwil statt.

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