RUSWIL: Jugendliche spielen «verrückt»

Jugendliche machen aus dem Wort «verrückt» Theater. Die Welt gerät dabei aus den Fugen mitsamt der Bühne.

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Gioia Schaller, Rahel Grüter und Michael Bucheli (von links) auf der Bühne in Ruswil. (Bild: Nadia Schärli)

Gioia Schaller, Rahel Grüter und Michael Bucheli (von links) auf der Bühne in Ruswil. (Bild: Nadia Schärli)

hbr. Der Zuschauer betritt als vermeintlicher Theaterbesucher den Ruswiler Kulturraum. An der Kasse wird das reservierte Ticket gereicht so weit, so normal. Doch was soll die Namens­etikette, die jeder Einzelne verpasst bekommt? Nun, der Besucher wird damit zum Member der «Association of Wortgewandte People». Diese Organisation hält eben ihren Jahreskongress ab – der Theater- wird zum Kongressabend. Dann wartet die nächste Überraschung: Bühne und Stuhlreihen haben die Plätze getauscht: Zuschauer bitte vorne – hinten ist die Bühne aufgebaut. «Verrückt», mag sich da manch einer denken. Und liegt dabei richtig: «Verrückt!» heisst auch das Stück, das die fünf Jugendlichen in der Folge auf die Bühne bringen. So manch Vertrautes soll in der nächsten Stunde entrückt oder verrückt werden.

Gioia Schaller, Melanie Tadeu, Rahel Grüter, Simone Keller und Michael Bucheli (von links) auf der Bühne in Ruswil. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
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Gioia Schaller, Rahel Grüter und Michael Bucheli (von links). (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Gioia Schaller, Rahel Grüter und Michael Bucheli (von links). (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Jugendtheater Ruswil im Tropfstei (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Jugendtheater Ruswil im Tropfstei (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Jugendtheater Ruswil im Tropfstei (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Jugendtheater Ruswil im Tropfstei (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Jugendtheater Ruswil im Tropfstei (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Jugendtheater Ruswil im Tropfstei (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Gioia Schaller, Melanie Tadeu, Rahel Grüter, Simone Keller und Michael Bucheli (von links) auf der Bühne in Ruswil. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)

Wie ein klebriges Bonbon

Nina Halpern hat dieses Jahr zum dritten Mal mit dem Jugendtheater Ruswil gearbeitet. «Ich habe ein Experiment gewagt. Zum ersten Mal in der 14-jährigen Geschichte des Jugendtheaters kommt alles aus der Feder und vor allem auch aus den Herzen der Darsteller.» Nur das Wort «verrückt» hat die junge Theaterpädagogin bei Projektbeginn im Gepäck mitgebracht. «Mit dem Wort haben wir gespielt, wir haben es auf der Zunge zergehen lassen wie ein klebriges Bonbon.» Keine zusammenhängende Geschichte, vielmehr eine szenische Collage ist entwickelt worden. «Nicht mit Geschichten, sondern vielmehr mit nachhaltigen Momenten soll der Theaterbesucher für einmal nach Hause gehen», sagt Halpern für die jugendlichen Darsteller war dieses Experiment die Probenzeit hindurch eine grosse Herausforderung: Wie nimmt das Publikum dies auf? Nach der erfolgreichen Premiere am Samstagabend folgte dann die Gewissheit: Die «verrückten Momente» wirken intensiv, sie kommen an. Sie geben nachzudenken und auch mal zu lachen.

Wortspielereien

Das Jugendtheater Ruswil wartet auch dieses Jahr mit einer überaus sorgfältigen Inszenierung auf. Tanz, Bewegung, gepaart mit raffinierten stilisierten Bildern; musikalische Akzente des Bassgitarristen und ein ausgefeiltes Lichtspiel umranken die «verrückten» Textkreationen. «Verrückt» ist ein sehr interessantes Wort daraus lassen sich unglaublich viele Wortspielereien ableiten», sagt etwa Simone Keller. Sie ist zum dritten Mal im Ensemble mit dabei. «Geschafft, aber auch ein wenig stolz» ist die junge Darstellerin nach dem Schlussapplaus. Die andern ebenso. Mit Recht. Sie haben Tolles geleistet.

Hinweis

Die weiteren Aufführungen im Kulturraum ...am Märtplatz in Ruswil: 24., 25. und 29. April sowie 1. und 2. Mai, jeweils um 20 Uhr. Vorverkauf und weitere Infos unter www.tropfstei.ch