RUSWIL: Jugendlicher Theaterflirt mit der Antike

Sechs Jugendliche bringen die Antike und ihre Welt zusammen und kreieren einen spannenden theatralischen Spagat. Heute Abend ist Premiere im Ruswiler Kulturraum mit «Antigone spielen?».

Hannes Bucher
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Das Jugendtheater Ruswil bei den Proben zu seinem Stück «Antigone spielen?»: Euridika Vocaj (rechts) bekleidet die Rolle der Ismene. Jessica Stalder mimt die Antigone. (Bild: Pius Amrein (Ruswil, 4. April 2018))

Das Jugendtheater Ruswil bei den Proben zu seinem Stück «Antigone spielen?»: Euridika Vocaj (rechts) bekleidet die Rolle der Ismene. Jessica Stalder mimt die Antigone. (Bild: Pius Amrein (Ruswil, 4. April 2018))

Hannes Bucher

kanton@luzernerzeitung.ch


«Antigone» spielen, mit Jugendlichen in die griechische Mythologie eintauchen? Da prangt vielleicht mit Recht ein Fragzeichen auf dem Plakat, welches die ­diesjährige Produktion des Jugendtheaters Ruswil ankündigt: «Antigone spielen?», steht da drauf – eben mit genanntem Fragezeichen. Und dazu ein Mädchengesicht mit einem verklebten Mund und fragenden Augen.

Nun, die sechs Jugendlichen, welche der heutigen Premiere im Ruswiler Kulturraum entgegenfiebern, beantworten mit Regisseur Thomy Truttman und dem ganzen Produktionsteam zusammen die Frage mit einem klaren Ja. Seit Monaten sind sie am Proben, haben das Drama rund um den Bruderkampf von Ödipus’ Söhnen und die heldenhafte Antigone erarbeitet.

«Antigones Konsequenz beeindruckt mich»

Diese will ihren Bruder Polyneikes entgegen dem Befehl des Onkels Kreon würdig begraben. So wie es das Gesetz der Götter vorschreibt. Die angedrohte Todesstrafe kann Antigone nicht abhalten, und sie nimmt auch Abschied von ihrem Verlobten Hämon. Die Tragödie um Liebe, Schicksal und Tod nimmt ihren Lauf. Ein Probenbesuch zeigt: Die Ruswiler Jugendlichen sind mit Herzblut dabei. Ihr Stück orientiert sich an der «Antigone»-Fassung von Jean Anouilh. Da ist aber noch eine zweite Ebene. Dabei reflektieren die Darsteller ihre Figuren, hinterfragen ihr Spiel: Antigone spielen? Auch Euridika Vocaj hat sich diese Frage gestellt. «Die Geschichte hat mich aber schnell gepackt», sagt die 14-jährige Ruswilerin. Sie bekleidet die Rolle der Ismene, der Schwester Antigones, und sie agiert auch als Erzählerin. «Antigones Mut und ihr konsequentes Handeln beeindrucken mich sehr.» Euridika hat auch an den Texten mitgeschrieben, mit denen die Jugendlichen das Stück in einen aktuellen Kontext setzen. Dabei fliesst gar ein Diskurs über das Rasieren der Körperhaare ins antike Stück ein. Euridika Vocaj switcht wie auch die anderen Darsteller flink zwischen Antike und dem Heute hin und her. Vom Theaterspiel ist sie begeistert. «Es ist eine tolle Erfahrung, in eine Rolle zu schlüpfen und diese auszugestalten.» Als Neuling auf der Bühne ist sie froh um die Unterstützung der anderen. Lampenfieber auf die heutige Premiere haben sie aber alle. «Das gehört dazu. Diesen Adrenalinschub braucht es wohl», sagt Euridika. Keine Frage: Statt des Fragezeichens auf dem Plakat darf wohl nach der Premiere ein überzeugtes Ausrufzeichen gesetzt werden. Antigone spielen? Ja!

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