RUSWIL: «Monumentalste spätbarocke Dorfkirche der Schweiz»

Weit, hell und reich ausgestattet präsentiert sich die Kirche St. Mauritius. Besonders augenfällig ist das Deckengemälde mit 3-D-Effekt.

Susanne Balli
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Pfarreiarchivar Rudolf Gut in der Kirche St. Mauritius in Ruswil. (Bild Dominik Wunderli)

Pfarreiarchivar Rudolf Gut in der Kirche St. Mauritius in Ruswil. (Bild Dominik Wunderli)

Schon von weitem ist die stattliche Pfarrkirche von Ruswil mit ihrem rot bekrönten Turm zu sehen. Dies dank der leicht erhöhten Lage im Zentrum des Dorfes und natürlich auch wegen ihrer imposanten Grösse. «Die Pfarrkirche St. Mauritius gilt laut dem schweizerischen Kunstführer als eine der monumentalsten spätbarocken Landkirchen der Schweiz und als die reifste Ausformung des Typus der spätbarocken Zentralschweizer Landkirchen», sagt Rudolf Gut. Der 76-jährige, pensionierte Kantonsschullehrer ist Archivar der Pfarrei Ruswil und hat sich intensiv mit der Kirche St. Mauritius auseinandergesetzt. Er macht auf Anfrage Führungen durch den beeindruckenden Sakralbau.

Während das Äussere der Kirche Richtung Klassizismus geht, dominiert im Innern der Spätbarock. Wer die Kirche betritt, staunt über die Helligkeit, die reiche Ausstattung und das verhältnismässig breite Kirchenschiff.

Bau detailliert dokumentiert

Die Grundsteinlegung der Ruswiler Pfarrkirche erfolgte 1782. Elf Jahre später, 1793, wurde sie eingeweiht. «Der Bau der Kirche ist dank dem Baubuch dokumentiert wie kaum bei einem anderen Kirchenbau. Das Original liegt heute im Pfarrarchiv», sagt Rudolf Gut. Die Baumeister der Kirche waren Niklaus Purtschert (Schiff und Chor) und Jakob Singer (Turm). «Die Baumeisterfamilie Purtschert war aus dem Vorarlbergischen eingewandert und hatte sich in der Nähe des baufreudigen Klosters St. Urban in Pfaffnau niedergelassen, denn in Österreich herrschten damals kirchenfeindliche, staatskirchliche Tendenzen», erklärt Gut. Die Familie Singer stammte aus Tirol. Beide Familien beherrschten den damaligen Kirchenbau in der Innerschweiz.

Wie war es möglich, in Ruswil, das damals zirka 2800 Einwohner zählte, eine derart stattliche und reich ausgeschmückte Kirche zu errichten? «Ruswil war eine sehr reiche Pfarrpfründe und ein Zentrum des ländlichen Gewerbes. Die Kirche galt als Prestigebau», erklärt Rudolf Gut. Reiche Bauern, Handwerker und wohlhabende Bruderschaften finanzierten die Innenausstattung der Kirche. «Der Bauer Heinrich Sidler stiftete allein für die Errichtung zweier Seitenaltäre eine Summe von 2400 Gulden. Was enorm viel war, wenn man die gesamten Baukosten der Kirche von 52 000 Gulden betrachtet», so Gut.

Im Kircheninnern kann man ausgiebig die vielen Dekorationen, die sich zu einem Gesamtkunstwerk zusammenfügen, bestaunen. Rudolf Gut ist besonders angetan von den Deckengemälden im Kirchenschiff des Malers Josef Anton Messmer aus Schwaben. Sie zeigen das Leben und Wirken Mariens bis zu Tod und Himmelfahrt. Glaubenswahrheiten wurden mit solchen Gemälden für all jene zugänglich gemacht, die nicht lesen konnten. «Das grösste Gemälde wirkt sehr luftig und illusionistisch. Maria entschwebt in den lichten Himmel, und der gesamte Erdkreis, verschiedene Stände, Rassen, Heilige und Päpste umgeben sie», so Gut. Wer besonders genau hinschaut, sieht, dass am Rande des Gemäldes Teile eines Teppichs und ein Arm einer Figur quasi in 3-D aus dem Gemälde ragen. «Dank dieser Holzattrappen wirkt das Bild noch illusionistischer.»

Szene wie auf einer Theaterbühne

Auch der Übergang vom Kirchenschiff zum Chor ist speziell. Gut erläutert: «Hier wird in typisch barocker Manier das Abendmal in einer bewegten Szenerie wie auf einer Theaterbühne dargestellt, daneben die Kreuzigung und Auferstehung Jesu.» Auch das Pfingstgeschehen im Chor hat eine starke Tiefenwirkung.

Die bereits erschienenen Artikel der Serie finden Sie unter www.luzernerzeitung.ch/serien