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RUSWIL: «Pferd ist ein Freund, kein Arbeitsgerät»

Eine Hommage ans Pferd, so kann der Festumzug des Kavallerie-Reitvereins zum 100-Jahr-Jubiläum gewertet werden. Daneben war Platz für jede Menge Nostalgie.
Stephan Santschi
Vielfalt am Festumzug des Ruswiler Kavallerie-Reitvereins: Die Feuerwehr sorgt für Abkühlung (grosses Bild), die Säumer (links) und das Heufuder erinnern an ehemalige Einsatzbereiche der Pferde. (Bild Corinne Glanzmann)

Vielfalt am Festumzug des Ruswiler Kavallerie-Reitvereins: Die Feuerwehr sorgt für Abkühlung (grosses Bild), die Säumer (links) und das Heufuder erinnern an ehemalige Einsatzbereiche der Pferde. (Bild Corinne Glanzmann)

Stephan Santschi

Nein, es herrschte kein Ferienstau am Montagnachmittag in Ruswil. Vielmehr waren es die Mitglieder des Kavallerie-Reitvereins, welche ihre Kühe, Pferde, Esel und Ponys zum Ausgangspunkt des Festumzugs führten und schon rund eine Stunde vor dem Beginn für stockenden Verkehr sorgten. 56 Nummern machten sich bereit, mehr als jeweils der lokale Fasnachtsumzug zu bieten hat. Über 5000 Zuschauer säumten die Strassen, die Schattenplätze in der Sommerhitze waren früh belegt, einige hatten Sitzgelegenheiten mitgebracht, andere versorgten sich schnell mit Sonnencreme. «Die Tiere können schreckhaft sein, halten Sie Abstand und haben Sie Respekt. Hunde sind dringendst an der Leine zu halten», bat der Speaker via Lautsprecher. Dann ging es los.

Erinnerungen an die Kindheit

In neun Kategorien hielten die Umzügler eine Hommage an die Vielfalt der Pferde. Am meisten Gewicht erhielt ihre Nutzung als Zugkraft. Bis zur Motorisierung der Landwirtschaft waren sie auf den Bauernhöfen zur Arbeit unentbehrlich. Pflug, Mähzetter, Sämaschine, Gabelwender, Schwaderrechen oder Heufuder – die landwirtschaftlichen Geräte waren so mannigfaltig wie die Rassen der rund 200 teilnehmenden Pferde. Das sorgte bei manch einem Zaungast für nostalgische Gefühle. «Alle», antwortete beispielsweise Alois Stierli auf die Frage, was er von früher kannte. «Ich wuchs auf einem Hof auf und war viel mit dem Ross unterwegs», erzählte der 59-jährige Schongauer. Daneben standen seine Lebenspartnerin Monika Meier (55) und Tochter Sandra (37). Beide lachten, als sie sagten: «Er hat uns jedes einzelne Gerät erklärt.»

Eindruck machte aber nicht nur der landwirtschaftliche Rückblick. Zu begutachten gab es auch die einen oder anderen besonderen Gefährte, wie etwa das Brautfuder. So hiess der Wagen, auf dem die Besitztümer der frisch vermählten Gattin auf den Hof ihres Angetrauten gefahren wurden.

Und dann hat das Pferd natürlich auch in der Armee Geschichte geschrieben. Bis zu 6600 Mann umfasste die Kavallerie des Schweizer Militärs, ehe sie im Jahr 1972 als letzte berittene Kampfeinheit Europas abgeschafft wurde. Männer in Uniform und hoch zu Ross vergegenwärtigten während des Umzugs diese Epoche. Einer zog eine Artilleriekanone hinter sich her, ein anderer führte ein Rak-Rohr auf einem Pferd mit. «Es ist schwierig, den Leuten diese Zeit in Erinnerung zu behalten. Ein solcher Geburtstag ist dafür aber optimal», sagte OK-Präsident Othmar Bucheli vom veranstaltenden Kavallerie-Reitverein Ruswil und Umgebung, der in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden ist.

Heute sind es nicht mehr das Militär und die Landwirtschaft, die der Hilfe von Pferden bedürfen. Nun dienen sie in Sport und Freizeit als Reittiere. «Das Pferd ist ein Freund, kein Arbeitsgerät mehr», betonte Bucheli. Die Hitze von oben und vom abstrahlenden Asphalt sei dabei kein Problem: «Pferde passen sich schnell an. Wir hatten Wassertränken aufgestellt und führten sie nach dem Umzug in den Schatten.»

Viel Freude und ein wenig Kritik

Neben vielen positiven Feedbacks zu diesem nicht alltäglichen Event gesellte sich auch das eine oder andere kritische Wort. Zu wenig Verpflegungsstände an der Strecke habe es gehabt. Zu wenig Action und Unterhaltung biete der Umzug. Bucheli erklärte dies so: «Pferde sind Fluchttiere. Die Sicherheit war unser oberstes Gebot.» Zudem hätten sich die vielen Ferienabsenzen bemerkbar gemacht. «Es war uns unmöglich, eine Reitermusik zu engagieren, alle hatten abgesagt.» Auch das Rekrutieren von Helfern gestaltete sich nicht einfach.

56 Nummern und ... (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
... 5000 Zuschauer: (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Der Kavallerie- und Reitverein präsentierte sich am 15. August auf den Strassen Ruswil. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
In neun Kategorien hielten die Umzügler eine Hommage an die Vielfalt der Pferde. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Am meisten Gewicht erhielt ihre Nutzung als Zugkraft. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Bis zur Motorisierung der Landwirtschaft waren sie auf den Bauernhöfen zur Arbeit unentbehrlich. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Pflug, Mähzetter, Sämaschine, Gabelwender, Schwaderrechen oder Heufuder – (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
die landwirtschaftlichen Geräte waren so mannigfaltig wie die Rassen der rund 200 teilnehmenden Pferde sowie diversen Tieren. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Eindruck machte aber nicht nur der landwirtschaftliche Rückblick. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Zu begutachten gab es auch die einen oder anderen besonderen Gefährte, wie etwa das Brautfuder. So hiess der Wagen, auf dem die Besitztümer der frisch vermählten Gattin auf den Hof ihres Angetrauten gefahren wurden. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Farbenfroher Umzug in Ruswil (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Farbenfroher Umzug in Ruswil (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Farbenfroher Umzug in Ruswil (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Farbenfroher Umzug in Ruswil (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Farbenfroher Umzug in Ruswil (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
15 Bilder

Umzug Kavallerieverein in Ruswil

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