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Ruswil: Rottal-Metzg
stellt Betrieb definitiv ein

Jetzt also doch: Die Rottal-Metzg AG im Ruswiler Dorfteil Rüediswil wird geschlossen. Jahrelang hatte die Metzgerei mit schwindenden Umsätzen zu kämpfen. Für das Gros der Mitarbeiter wurde eine Lösung gefunden - mit der aber nicht alle zufrieden sind.
Kilian Küttel
Die Rottal-Metzg in Ruswil schliesst Ende Monat aus wirtschaftlichen Gründen. (Bild: Pius Amrein, 11. April 2018)

Die Rottal-Metzg in Ruswil schliesst Ende Monat aus wirtschaftlichen Gründen. (Bild: Pius Amrein, 11. April 2018)

Die Gerüchte machten schon lange die Runde: Auf den Strassen Ruswils erzählte man sich, um die Rottal-Metzg stehe es schlecht. Von angespannter Stimmung, falscher Führung und drohendem Konkurs war die Rede. Noch Mitte April hatte Geschäftsführer Fabian Zihlmann die Spekulation vehement bestritten. Lediglich das Verkaufslokal in Ruswil werde per Ende Mai geschlossen, vier Personen hätten deshalb die Kündigung erhalten. Der Rest der Metzgerei bleibe bestehen. Das sagte er damals.

Wie sich jetzt zeigt, stimmt das nicht: Am Dienstagabend informierte die Unternehmensführung die Angestellten, dass der Betrieb eingestellt wird, die Rottal-Metzg ihre Tore schliesst, die Mitarbeiter ihren Arbeitsplatz verlieren. Die gleichen Informationen sind in einer Publireportage zu finden, die am Donnerstag im «Anzeiger vom Rottal» erscheint, allerdings bereits am Mittwoch auf der Firmenwebsite aufgeschaltet wurde. Darin heisst es: «Am Freitag, 25. Mai 2018, wird das letzte Mal in Rüediswil geschlachtet. Die Produktion wird in den darauffolgenden Tagen bis zum Donnerstag, 31. Mai, sukzessive nach Wohlen überführt.» Das Geschäftsgebäude in Rüediswil werde spätestens ab Juli nicht mehr operativ genutzt. Gespräche für eine kurz- und mittelfristige Umnutzung laufen, schreibt die Rottal-Metzg.

Mitarbeiter müssen nach Wohlen oder Winikon

Weshalb diese Verschiebung nach Wohlen? Dort hat die O. Braunwalder AG ihren Sitz. Der Aargauer Fleischverarbeiter übernimmt einen Grossteil der Rottal-Kunden sowie neun der insgesamt 43 Mitarbeiter, welche bei der Ruswiler Metzgerei angestellt sind. 23 weitere werden bei der Firma Top Akkord H. Heinen AG in Winikon weiterbeschäftigt. Ein Mitarbeiter geht in Pension, ein weiterer kann als Hauswart weiterarbeiten. Bleiben noch neun Personen. Wie Metzg-Inhaber Fabian Zihlmann auf Anfrage erklärt, hatten diese in den letzten Monaten entweder von sich aus gekündigt, oder aber: Sie wurden entlassen – wie die vier Ladenangestellten, welche die Kündigung Ende März erhalten hatten.

Aus dem Umfeld der Mitarbeiter ist zu hören, dass die Weiterbeschäftigung in Wohlen nicht alle befriedigt. Zu weit sei der Arbeitsweg. Zudem beharren sie auf die Kündigungsfrist von drei Monaten. Dazu sagt Zihlmann: «Mitarbeitern, die sich entschieden haben, das Unternehmen zu verlassen, werden wir eine gute Lösung anbieten können. Jeder Mitarbeiter kann seine Bedürfnisse nun kundtun und wir suchen aktiv nach Lösungen.» Trotzdem fügt er an, dass die Information vom Dienstagabend für einzelne Personen «ein Schock gewesen sein wird».

Offen ist indes die Frage, weshalb der Betrieb überhaupt eingestellt wird. Entgegen den Gerüchten gehe das Unternehmen nicht in Konkurs, wie es im Communiqué heisst: «Die Lieferantenforderungen sind soweit gesichert.» Allerdings sind tatsächlich wirtschaftliche Gründe ausschlaggebend für das Ende der Traditionsmetzgerei, die seit 1974 eine Aktiengesellschaft, und seit 2014 in den Händen von Fabian Zihlmann ist. Dieser lässt sich in der Mitteilung folgendermassen zitieren: «Seit ein paar Monaten beliefen sich die Verluste pro Monat auf rund 100 000 Franken. Irgendwann sind auch bei einer guten Unternehmung alle Reserven aufgebraucht.»

Verlorene Kunden, schwierige Marktlage

Wie die Metzgerei weiter mitteilt, hat sie seit 2008 jährlich im Durchschnitt zwischen 500 000 und 700 000 Franken an Umsatz verloren. Grund: Wichtige Kunden waren abgesprungen. Beispielsweise habe die Metzgerei die «Mövenpick»-Autobahnraststätten nicht mehr beliefern können. Weiter sei das Bestehen im Fleischmarkt schwierig geworden, grosse Betriebe würden immer grösser und «mächtiger», während mittlere Betreibe langsam aussterben. In diesem hart umkämpften Markt sei die Rottal-Metzg zu klein, um mit den Grossen mithalten zu können. Auf der anderen Seite aber sei der Betrieb zu gross, um eine Nische bedienen zu können, so die Argumentation der Metzg-Verantwortlichen.

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