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Sachlich diskutieren statt taktieren

Hugo Bischof über Chancen und Risiken eines neuen Luzerner Theatergebäudes
Nun beginnt auch die wichtige Diskussion über die Inhalte der Salle Modulable. (Bild: Visualierung PD)

Nun beginnt auch die wichtige Diskussion über die Inhalte der Salle Modulable. (Bild: Visualierung PD)

Salle Modulable. Welch klangvolles Wort! Und welch inhaltliches Versprechen: räumlich flexibel, weltweit einzigartig. Ein Theatergebäude mit veränderbaren Wänden, absenkbaren, wandelbaren Zuschauerrampen. Eine Plattform für traditionelle ebenso wie experimentelle Aufführungen. Ein zweiter kultureller Leuchtturm für die Stadt Luzern, als Ergänzung zum KKL, das weltweit ausstrahlt. Wer könnte Nein sagen zu solch einem Wunderding. Vor allem, da es noch mit einer millionenschweren Geldschenkung verbunden ist.

Dennoch: Kritische Stimmen gibt es auffällig viele. Zu gross, zu teuer sei die Salle; sie verschandle das Inseli. Zudem solle man endlich über Inhalte, nicht nur die Hülle reden. Dass diskutiert wird, ist nötig. Nur – mit Verlaub –, dabei geht etwas Wichtiges vergessen: Die Salle Modulable ist nicht wie einst das KKL ein Projekt, bei dem die öffentliche Hand federführend ist und Politiker und Volk beliebig mitbestimmen können. Da gibts nun mal – obs einem passt oder nicht – den Geldgeber, den Trust, der den Takt vorgibt.

80 Millionen Franken sind von der Schenkung Engelhorn nach erbittertem juristischem Ringen übrig geblieben. Einst waren es 120 Millionen. Dass ein erklecklicher zweistelliger Millionenbetrag als Erfolgsprämie für ihre Unterstützung der Luzerner Stiftung Salle Modulable an eine auf solch komplexe Gerichtsfälle spezialisierte Anwaltsfirma in London floss, mag man bedauern. Fakt ist, dass ohne deren Hilfe die 80 Engelhorn-Millionen für Luzern heute verloren wären. Und 80 Millionen sind immer noch sehr viel Geld. Auch wenn es für den Bau bei weitem nicht ausreichen wird, wie man inzwischen weiss. Doch auch diese 80 Millionen werden nur fliessen, wenn die Bedingungen erfüllt werden, die zwischen Trust, Stiftung und Vertretern der Luzerner Stadt- und Kantonsregierung im Lauf der vergangenen Monate hinter verschlossenen Türen ausgehandelt wurden.

Eine Bedingung lautet: Die Salle Modulable muss im Bereich Inseli gebaut werden. Daran gibts nichts mehr zu rütteln. Die Regierungsverantwortlichen von Stadt und Kanton Luzern haben dies längst akzeptiert. Die Alternative wäre: Übung abbrechen, zurück auf Punkt null. Das müssen auch jene einsehen, die nun – wie etwa die SP – auf «Dialog» und ein «mehrheitsfähiges Projekt» pochen, am Alpenquai, weg vom grünen Inseli. Langes Taktieren bringt nichts mehr. Die Zeit drängt: Bis Ende 2018 – das ist eine weitere unmissverständliche Vorgabe – müssen alle politischen Entscheide gefällt und die Finanzierung gesichert sein. Auch die räumlichen Vorgaben sind klar: Davon abzurücken, würde ebenfalls bedeuten: Adieu Engelhorn-Millionen.

Der in Meggen wohnhafte Multimillionär und Kulturförderer Christof Engelhorn starb 2010. Er blieb als Donator stets im Hintergrund und unterstützte im Stillen über Jahre hinweg Stiftungen und kulturelle Projekte in Luzern. Mit der Salle Modulable wollte er Luzern ein letztes, gewaltiges Geschenk machen. Seine Witwe Ursula ist vor wenigen Tagen gestorben. Auch sie mied die Öffentlichkeit. Wie gross der Einfluss ihrer Erben auf das in einem Trust in Bermuda angelegte Geld ist, darüber kann nur spekuliert werden. Offiziell gilt: Der Gründer definiert den Trust-Zweck. Danach geht das Bestimmungsrecht über die Verwendung der Gelder aber an die vom Gründer eingesetzten Trust-Verwalter über, also Anwälte, Juristen. Der Gründer selber und seine Familie können dann höchstens noch reklamieren, wenn etwas aus ihrer Sicht völlig falsch läuft.

Take it or leave it: So lautet schlicht die Losung, wenn es heute um die 80 Engelhorn-Millionen geht. Das Weggli und den Fünfer gibts auch hier nicht. Ein erstes Mal abstimmen darüber kann die Stadtbevölkerung am 27. November 2016, wenn es um die Abgabe des Inseli-Grundstücks im Baurecht geht. Gibts dann ein Nein, dann ist klar: Die Salle kommt nicht. Man kann gegen die Salle Modulable sein. Man kann sie aber auch als Riesenchance für die Kulturstadt Luzern sehen. Jetzt ist der Zeitpunkt, Vor- und Nachteile gegeneinander abzuwägen – unaufgeregt, sachlich, ohne ideologische Scheuklappen, aber auch ohne falsche Illusionen.

Zu beachten ist, dass das heutige Luzerner Theater dringend sanierungsbedürftig und veraltetet ist. 45 bis 80 Millionen Franken würde eine Sanierung kosten, grob geschätzt. Dafür stünden die Engelhorn-Millionen nicht zur Verfügung. Der Bau der Salle Modulable hingegen soll 161,2 Millionen Franken kosten. Man rechne: Inklusive der 80 Engelhorn-Millionen und allenfalls weiterer privater Gelder – die Stiftung Salle Modulable hält 35 Millionen zusätzliche Spendengelder für «realistisch» – könnte eine Sanierung des bestehenden Theaters die öffentliche Hand sogar günstiger zu stehen kommen als eine komplett neue Salle.

Allerdings: Gemäss den Plänen von Stadt und Kanton kommen weitere indirekte Kosten dazu, etwa 14,8 Millionen Franken für die bauliche Aufwertung des Inselis (inklusive Rückbau des Carparkplatzes). Dazu je 5 Millionen für zusätzliche Räume im Südpol und den Ausbau der Theaterwerkstatt. Hinzugerechnet werden auch 20 Millionen Baurechtswert für das Grundstück Inseli-Süd; dieses Geld wird faktisch aber nie fliessen, da das Areal der Stadt gehört. Alles zusammengerechnet, kommt man beim Gesamtprojekt Salle Modulable schliesslich auf Gesamtkosten von 208 Millionen. Eine Summe, die anfänglich viele schockierte. Wieso die Projektverantwortlichen sie so direkt in den Raum stellten, darüber kann man nur spekulieren. Hat der Trust Druck gemacht? Hoffen die Anwälte aus den USA und Bermuda darauf, dass den Luzernerinnen und Luzernern das Ganze zu teuer wird und sie das Geschenk ablehnen? Honni soit qui mal y pense!

Was ist mit dem Grünraum Inseli? Dass dieser vielen Luzernerinnen und Luzernern ans Herz gewachsen ist und es eine grössere bauliche Veränderung schwer haben wird, ist klar. Fakt ist aber: Die Grünfläche des Inselis würde durch den Bau der Salle nur um etwa 6 Prozent, rund 350 Quadratmeter kleiner. Hingegen würde der unansehnliche Carparkplatz verschwinden, ebenso die unattraktive WC-Anlage. Die städtebauliche Aufwertung des Inseliquais – seit Jahrzehnten ein grosses Anliegen der Stadtplaner – könnte dank dem Bau der Salle somit endlich Realität werden. Dem Carparkplatz würden wohl nur wenige eine Träne nachweinen. Und die Luzerner Herbstmesse? Ihre Exponenten gehören zu den vehementesten Gegnern eines neuen Kulturgebäudes auf dem Inseli. Doch Hand aufs Herz: Für die beliebte Lozärner Määs liesse sich nahe der Innenstadt ein geeigneter Alternativstandort finden. Wieso zum Beispiel nicht beim Lido?

Die grösste Knacknuss bei der Planung des neuen Theatergebäudes bleiben die Betriebskosten. Das heutige Luzerner Theater kostet Kanton und Stadt Luzern jährlich 24 Millionen Franken (inklusive Rücklage in den Erneuerungsfonds). Bei der Salle Modulable sollen es jährlich 31 Millionen Franken sein. Das ist klar zu viel. Hier gilt es, mit vereinten Kräften eine Korrektur nach unten anzubringen. Das muss möglich sein – etwa mit einer schlanken Betriebsführung, einer klugen Programmierung sowie der Nutzung von Synergien mit dem KKL.

Nicht zu unterschätzen gilt es auf der anderen Seite die zusätzliche Wertschöpfung, welche ein neuer kultureller Vorzeigebau der Region Luzern bringen würde. Beim KKL, um das uns Städte wie Zürich beneiden, beträgt die Wertschöpfung gemäss einer Studie jährlich rund 75 Millionen Franken. Die Salle Modulable könnte einen ähnlichen Schub auslösen.

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