SÄULIRENNEN: Und plötzlich ist die Sau los

Das Wettlaufen der Luga-Säuli ist das Messespektakel schlechthin. Doch das Leben ist leider kein Säuli- beziehungsweise Ponyhof.

Anja Glover
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Angefeuert vom Publikum, rennen die Luga-Schweinchen jeden Tag um die Wette, als wäre es ihr letzter. (Bild Manuela Jans)

Angefeuert vom Publikum, rennen die Luga-Schweinchen jeden Tag um die Wette, als wäre es ihr letzter. (Bild Manuela Jans)

Zum Stück «Entrée des Gladiateurs», ein Lied, das meistens im Zusammenhang mit tollpatschigen Clowns gespielt wird, watscheln die sechs Schweinchen Richtung Start und werden in ihre Boxen geschubst. Es handelt sich hier aber weder um Gladiatoren noch um Clowns, sondern um Entlebucher Schweinchen, die in den letzten drei Wochen von Besitzer Bruno Emmenegger trainiert wurden und nun jeden Tag an der Luga um die Wette rennen, als wäre es ihr letzter. «Ich glaube, die Schweinchen machen das gerne», meint Bruno Emmenegger gelassen. Immerhin hätten diese Tiere einen sehr ausgeprägten Spieltrieb, und der kann so genutzt werden. Irgendwie nervös stehen die Tiere in ihren Startboxen, strecken ihre Ringelschwänzchen in die Höhe und geben Quietschtöne von sich. «Sie spüren, dass was geht, sie wollen rennen», erklärt Emmenegger später. Klassisch konditioniert auf das Zirkuslied rennen die Säuli zielstrebig Richtung Fressnapf, über dem gross geschrieben «Ziel» steht.

Tägliches Säulirennen an der Luga. (Bild: Manuela Jans)
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Tägliches Säulirennen an der Luga. (Bild: Manuela Jans)
Tägliches Säulirennen an der Luga. (Bild: Manuela Jans)
Franz Stadelmanns Seniorennachmittage sind legendär. (Bild: Eveline Beerkircher / Beerkicher)
Der Donnerstagnachmittag gehört den Luga-Besuchern im besten Alter. Dann ruft der bekannte Entlebucher Musiker Franz Stadelmann jeweils in die «Buurestube» in Halle 7 zum beliebten Seniorennachmittag. (Bild: Eveline Beerkircher / Beerkicher)
Sie kamen trotz Sonnenschein auch diesmal in Scharen. (Bild: Eveline Beerkircher / Beerkicher)
Hans und Käthi Schwertfeger am Seniorennachmittag. (Bild: Eveline Beerkircher / Beerkicher)
«Ob gross, ob chlii, alli Lüüt sellid willkomme sii!» (Bild: Eveline Beerkircher / Beerkicher)
Carmen Boog stickt mit ihrer Nähmaschine am Stand Design Schenken. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Misha (7) balanciert auf dem Seil am Kindertag. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Mutter Franziska Lussi mit den Zwillingen Vanessa und Sarah (3) am Luga-Kindertag. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Backen am Luga-Kindertag mit Linda (3) und Anja (5). (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Die Leser Adolf Lustenberger (links) und Walter Albisser (rechts) im Gespräch mit Jérôme Martinu, stv. Chefredaktor. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)
Kinder spielen bei der Kügeli-Bahn in Zürchers Garten (Bild: Beatrice Vogel / Neue LZ)
Senioren am Tanznachmittag der Pro Senectute (Bild: Beatrice Vogel / Neue LZ)
Messeverkäuferin Cindy Kullack demonstriert ihr Wundermittel am Bein einer 
Kundin: den Haarentfernungshandschuh. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
Gabriele Pedrazzetti, Präsident von Pro Ticino Lucerna, geniesst im Grotto Ticinesi an der Luga einen Boccalino. (Bild: Eveline Beerkircher / Neue LZ)
«Säuli-Quiz» an der Luga mit den Regierungsratskandidaten Paul Winiker (SVP, neu), Marcel Schwerzmann (parteilos, bisher) und   Felicitas Zopfi (SP, neu) (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Moderation des Comedy-Duos Lapsus auf der Eventbühne (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Gut besuchte Luga am ersten Messesonntag. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Die Besucher schauen auf die knapp einen Meter grosse Dahomey-Kuh Fara, den Stier Imini und das Kalb Malawi hinunter. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Sara, Laura, Alessio und Dario streicheln ein Geissli im Streichelzoo. (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Lian Michel auf dem Polizeimotorrad an der Luga. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Töffli der «Teffli-Rally» aus Stans vor dem Blutspendemobil (Bild: Manuela Jans / Neue LZ)
Die Kletterwand vor Halle 1 (Bild: Beatrice Vogel / Neue LZ)
Rettungshunde vom Roten Kreuz suchen nach Personen (Demonstration der Hunde-Schulung) (Bild: Beatrice Vogel / Neue LZ)
Bike-Polizisten Wermelinger und Sarri präsentieren ihre neue Ausrüstung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Schausteller Hans Steinhauser von der Firma Ronic. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Jordan testet Kanus an der Luga zusammen mit den Eltern Manuela und Tony Fuchs. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Jean-Jacques Frei, Schausteller von der Firma Aquaclean, reinigt Fensterscheiben. (Bild: Nadia Schärli (Neue LZ))
Blick auf den Gastkanton Zürich während der Eröffnung. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Die Zürcher Regierungspräsidentin  Regine Aeppli und Luzerns Regierungspräsident Reto Wyss bei der Eröffnung am Freitag. (Bild: Nadia Schärli / Neue LZ)
Riesenrad (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Lunapark (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Der Schweizer Tierschutz ist mit dem Streichelzoo zufriedener als noch vor einem Jahr. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
So sagt Martina Schybli: «Es hat deutliche Verbesserungen gegeben.» (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Die Rückzugsmöglichkeiten seien besser. «Nun können die Tiere selber entscheiden, wann sie gestreichelt werden wollen», sagt Schybli. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Dennoch sei noch nicht alles tierfreundlich: «Das Gehege könnte noch grösser gestaltet werden», sagt Schybli. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
«Zudem könnte die Einrichtung der Gehege noch optimiert werden.» So seien mehr Klettermöglichkeiten für die Geissen von Vorteil, sagt Tierschützerin Martina Schybli. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Stand der Neuen Luzerner Zeitung in der Halle 4, 410. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Kleine Luga-Besucher toben sich auf einer Luftmatratze aus. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Auf einen Schwatz in der Degustationshalle. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Blick in eine Luga-Halle. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
«Urban Gardening» ist das neudeutsche Wort für eine meist kleinräumige, gärtnerische Nutzung städtischer Flächen innerhalb von Siedlungsflächen. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Blick in die Degustationshalle. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Der Kanton Zürich präsentiert sich als Gastkanton. Auf dem Bild sind die Namen einiger Zürcher Ortschaften zu sehen. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Strampeln, um einen Preis zu gewinnen. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Im Restaurant Leue präsentiert der Kanton Zürich einige Leckereien. (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Viel Andrang an der Luga-Sonderschau «Jugend - die beste Generation». (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)
Proben für die SRF-Sendung «Zoge-n-am Boge» (Bild: Ramona Geiger / Neue LZ)

Tägliches Säulirennen an der Luga. (Bild: Manuela Jans)

Die Tiere – unter ihnen übrigens das Schweinchen namens Babe – torkeln über das Hindernis und sind deutlich schneller, als man das von Schweinen denken würde. Sie sind alle weiblicher Natur, «weil die Weibchen ehrgeiziger und zielstrebiger sind», so Emmenegger. Für eine kurze Zeit erzeugen die Musik, die Menschenmenge, der Speaker und die Schweinchen selbst Spannung und Nervenkitzel unter dem Zirkusdach: In der Arena ist während dieser paar Sekunden tatsächlich die Sau los.

Nicht grundlos kommt es zu dieser angespannten Stimmung: Die Zuschauer können auf ihr Favoritensäuli setzen und feuern die Tierchen dann jeweils entsprechend heftig an. Sie klatschen zu Beginn unter Anweisung des Speakers und hoffen darauf, dass jenes Säuli gewinnt, auf welches sie gesetzt haben. Zu gewinnen gibt es jeweils 65 Prozent des Gesamteinsatzes, verteilt unter allen, die auf die selbe Sau gesetzt haben. Der Preis liegt dann jeweils zwischen 10 und 33 Franken.

Nicht wie bei Babe

Doch leider haben diese Säuli nicht so viel Glück wie Babe im Film. Siegerin Mia wird wie alle ihre Gegnerinnen nicht vor dem Schlachthof verschont bleiben: «Das ist ihr besiegeltes Schicksal, so ist das Leben», erklärt Organisator Marcel Roth. Trainer Emmenegger, welcher eher nachdenklich danebensteht, meint mit leiser Stimme: «Mit diesen Schweinchen gehen wir zuvor wenigstens noch an die Luga.»

Seit über elf Jahren zieht die Familie Emmenegger die Schweinchen gross und trainiert sie für die anschliessenden Rennen an der Messe. «Zweimal täglich gehen wir auf die Bahn und üben», erklärt Emmenegger, gerade so, als ob er es ihnen selbst vorzeigen würde. Als Laie kann man sich darunter nicht sehr viel vorstellen, man ist nur immer wieder aufs Neue überrascht, wie schnell die Tiere über die Rennbahn flitzen.

Bildergalerie: Mehr Bilder vom Säulirennen finden Sie auf www.luzernerzeitung.ch/bilder