SAFRAN-ZUNFT: Fritschivater hatte nach Ernennung Filmriss

Andreas Moser ist Architekt, Politiker – und diese Fasnacht Fritschivater. Er sagt: Sein Amt ist zugleich Würde und Bürde.

Christian Hodel
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Freuen sich auf den Fasnachtsstart: Andreas Moser mit seiner Frau Andreas Moser Burkart. (Bild Nadia Schärli)

Freuen sich auf den Fasnachtsstart: Andreas Moser mit seiner Frau Andreas Moser Burkart. (Bild Nadia Schärli)

Die Lippen hat er rot geschminkt und zum Kussmund geformt. Im aufreizenden Cocktailkleid, geschmückt mit einer Federboa, tanzt Andreas Moser (53), Zunftmeister und Fritschivater, am Herrenabend des Luzerner Fasnachtskomitees über die Bühne. «Bezüglich Verkleidungen gibt es keine Verbote», sagt Moser. Der Kreativität seien an der Fasnacht keine Grenzen gesetzt – sofern «man damit niemanden verletzt».

Auf der Skipiste statt an Fasnacht

Es sind Worte eines Mannes, der sich nicht «gerade als oberster Fasnächtler» bezeichnet. «Ich war in den vergangenen Jahren nicht mehr so oft an der Fasnacht», sagt er. Statt durch die Gassen zog es ihn eher auf die Skipisten. 12 Jahre lebte Moser, FDP-Kantonsrat und Architekt, in Zürich. Dann verliere man schon mal den Anschluss an die Luzerner Fasnacht, sagt er. «Dafür geniesse ich es dieses Jahr umso mehr.»

Über 200 Anlässe wird Moser während seiner Amtszeit besuchen. Der Höhepunkt wird der Schmutzige Donnerstag sein, der Tag der Zunft zu Safran und des Fritschivaters, der mit dem Urknall um 5 Uhr und der Fritschitagwache beginnt. Sein Amt sei aber zugleich Würde und Bürde, sagt Moser. «Es hat mich kurz gefröstelt, als ich am Bärteliessen zum Zunftmeister erkoren wurde. Aber dann überwog schnell die Freude.» Mehr kann Moser vom Abend nicht erzählen. «Ich war so perplex, dass ich einen Filmriss habe.»

Familientradition: Politik und Zunft

Andreas Moser, verheiratet, Vater von drei Kindern im Alter von 17, 19 und 21 Jahren, ist seit fast zwanzig Jahren Mitbesitzer eines Architekturbüros in Luzern und beinahe ebenso lange in der Zunft und der Politik. Unter anderem sass er acht Jahre für die FDP im Grossen Stadtrat, seit drei Jahren ist er Kantonsrat. Bereits sein Vater und Grossvater politisierten und waren Zünftler. Moser ist ein Mann, der die Traditionen schätzt. Er sei überzeugt, dass lokale Traditionen wie die Fasnacht künftig noch wichtiger werden. «Dies als Gegenpart zur Welt von Social Media wie Facebook und Twitter.» Die Fasnacht sei trotz ihres Ausbruchs aus dem Alltag etwas Reales und Greifbares. «Dazu müssen wir Sorge tragen.» Es ist der Politiker Moser, der in diesen Worten durchdringt. Der Architekt Moser hingegen sagt: «Die Fasnacht muss stetig in Bewegung bleiben, darf trotz aller Tradition nicht stur und statisch sein.»

Aber wie passen Politik, Architektur, und Fasnacht überhaupt zusammen? «Gar nicht. Und das müssen sie auch nicht», sagt Moser. Es seien drei getrennte Welten, die dennoch ineinander spielen würden. «Die Sicherheit spielt an der Fasnacht zum Beispiel eine grosse Rolle, hier mischt die Politik mit, zumindest im Hintergrund.» In den Vordergrund dürfe sich die Politik aber nicht drängen. «Ich unterstehe mich, an der Fasnacht zu politisieren.»

Und was sagt der Politiker etwa zum Verbot von Spielzeugwaffen bei Schülerfasnachten? «Der Umgang mit Gewalt ist schwieriger geworden. Man muss das differenziert sehen. Auch ich bin im Kindesalter als Cowboy mit Kapselpistolen rumgelaufen. Man darf das nicht so eng sehen.»

Entspannung beim Gemüse-Rüsten

Cowboy Moser, der wild um sich schiesst – das ist lange her. Als «harmonisch, ausgeglichen und als Brückenbauer» würden ihn Freunde und Politiker-Kollegen bezeichnen. Zu Mosers Hobbys zählen «die Tischkultur und Kochen». Er sei jemand, für den «das Zwiebel-Rüsten eine Art meditative Entspannung» darstelle. Ein Genussmensch, mit Affinität zu Musik, Tanz und Kunst: Auch das ist Moser. Als Kind bastelte er seine Grinde für die Fasnacht selbst. Seine Kinder schauten früher nur mit selbst genähten Kostümen die Umzüge. Seine Frau, eine Kindergärtnerin, kreierte jeweils ein Sujet für die ganze Familie. «Mal waren wir als Engel unterwegs», sagt Moser. «Mal war die ganze Familie als Blume oder Marienkäfer verkleidet.»

Doch ein Stück des Cowboys ist trotz Engel- und Blumenkostüm geblieben: «Ich reise oft.» Es eröffne ihm einen Blick fürs Weite. Städte mit einem schnelleren Tempo wie Luzern, würden ihn faszinieren, vor allem Berlin und New York. «Wenn ich in Grossstädten bin, ist dies ein Ausbrechen aus dem Gewohnten. Das Leben bekommt eine andere Intensität.» Je unübersichtlicher, je wilder die Stadt, umso besser für Moser. Diese Eigenschaften schätze er auch an der Fasnacht. «Archaisch und wild soll sie sein», sagt der Architekt. Und der Politiker fügt an: «Jeder soll so Fasnacht machen, wie er möchte. Es hat Platz für alles.»