SAISON: Rot, süss und unwiderstehlich: Jetzt ist Erdbeerzeit

Sie ist reif, die mit Abstand beliebteste Beere der Schweiz. Seit Jahren nimmt die Erntemenge zu – doch die Lust der Schweizer auf Erdbeeren ist noch grösser. Ein Augenschein in Gunzwil.

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Erdbeerbauer Patrick Galliker auf seinem Hof in Gunzwil. (Bild: Eveline Beerkircher (24. Mai 2017))

Erdbeerbauer Patrick Galliker auf seinem Hof in Gunzwil. (Bild: Eveline Beerkircher (24. Mai 2017))

Patrick Galliker (26) steht in einem breiten Folientunnel, links und rechts Reihen von kleinen Sträuchern. Zwischen den grünen Blättern leuchten tiefrot erntereife Erdbeeren. «Langsam geht es los. Nächste Woche beginnt die Hauptsaison.» Für ihn ist die Erdbeere nicht einfach eine süsse Nascherei. Sie ist ein Teil seines Berufs. Galliker ist Präsident der Vereinigung der Luzerner Beerenpflanzer. Gemeinsam mit seinen Eltern Jakob und Monika bewirtschaftet Patrick Galliker in der Huebe in Gunzwil 25 Hektaren Land, wo neben Tabak, Getreide, Kürbis und Obst diverse Beerensorten angebaut werden.

Pro Jahr ernten sie rund 30 Tonnen. Über die Hälfte des Ertrags macht der Schweizer liebste Beere aus: die Erdbeere. Gallikers wichtigste Abnehmerin ist die Migros. Die Familie produziert für das Label «Aus der Region. Für die Region». Patrick Galliker sagt: «Einen kleinen Teil verkaufen wir direkt ab Hof. Aber gut 90 Prozent der Ernte gehen in den Detailhandel. Das ist bei den grösseren Produzenten die Regel.» Und selbst damit lässt sich die Nachfrage nicht decken. Glacé, Frappé, Torten, Mousse, mit Joghurt oder Rahm oder auch einfach am Stück als Häppchen zwischendurch – Erdbeeren lassen sich in manche süsse Versuchung verwandeln. Entsprechend gross ist die Nachfrage – und zwar ganzjährig.

Der Anbau in den gewächshausähnlichen Plastiktunnels verfrüht den Reifeprozess und erlaubt eine Ernte bereits ab Anfang Mai. Durch den parallelen Anbau von Freilanderdbeeren und die Kombination verschiedener Sorten ist es möglich, bis in den Herbst lokale Erdbeeren zu ernten. Derweil steigt die Anbaufläche in der Schweiz stetig. 2016 wurden 7350 Tonnen Erdbeeren produziert, 35 Prozent mehr als vor zehn Jahren. Der grösste Teil der Früchte wird aber in den nächsten sechs Wochen reif sein. In dieser Zeit können die Schweizer Produzenten die Nachfrage decken. Über das ganze Jahr hinweg stammen jedoch zwei Drittel der hierzulande verkauften Erdbeeren aus dem Ausland.

Kleine, aber feine Unterschiede

Patrick Galliker ist überzeugt: Schweizer Erdbeeren sind zwar etwas teurer als die vor allem meist südeuropäische Importware, bieten aber einen Mehrwert. Denn Beeren sind nicht für Lagerung und mehrtätige Transporte geeignet. Werden sie gekühlt oder gar eingefroren, leidet das Aroma. Einheimischen Beeren kommen innert 24 Stunden vom Hof in die Läden. Und sie hätten noch einen weiteren Vorteil: «Für den Transport sind nur Sorten mit festem Fruchtfleisch geeignet, weil sie sonst zerdrückt werden. Je weicher aber die Beere ist, desto intensiver ist der Geschmack.»

Schweizweit wachsen auf 500 Hektaren Erdbeeren. Mit seinen 29 Hektaren Erdbeeren ist Luzern also kein Beerenkanton. Bei Familie Galliker hat der Beerenanbau jedoch Tradition. 1977 legte Jakob Galliker eine erste Johannisbeeren-Kultur an. In den folgenden Jahrzehnten vergrösserte er stetig die Anbaufläche, laufend kamen neue Sorten dazu. Im Jahr 2000 gab er die Tierhaltung auf und konzentrierte sich fortan ganz auf Obst, Getreide, Tabak und Beeren. Seit sein Sohn Patrick auf dem Hof eingestiegen ist, wurde der Beerenanbau intensiviert. Die Anbaufläche beträgt heute 3 Hektaren, auf der Hälfte davon wachsen Erdbeeren.

Zwar hätten Frost und Schnee nach Ostern den empfindlichen Beeren zugesetzt, doch Patrick Galliker beurteilt die Situation nicht dramatisch. «Die Ernte wird wohl etwa im Durchschnitt liegen.» Das Dessert ist also bereit, abgelesen zu werden. Eine gute Nachricht für alle Schleckmäuler.

 

Manuel Burkhard

kanton@luzernerzeitung.ch