SAISONFRÜCHTE: Jetzt werden Kirschen gepflückt

Auf den ersten Höfen hat die Chriesi-Ernte begonnen. Der Ertrag des Steinobstes ist trotz des immensen Regens besser als erwartet. Dank eines Tricks.

Gabriela Jordan
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Bei Konrad Stocker und seiner Familie ist die Kirschenernte in vollem Gang. Der Eschenbacher Obstbauer erwartet einen Ertrag von rund 10 Tonnen. (Bild Pius Amrein)

Bei Konrad Stocker und seiner Familie ist die Kirschenernte in vollem Gang. Der Eschenbacher Obstbauer erwartet einen Ertrag von rund 10 Tonnen. (Bild Pius Amrein)

Gabriela Jordan

Bald gibt es die knackigen Sommerfrüchte zu kaufen. Mancherorts baumeln die Kirschen schon dicht und in tiefroter Farbe an den Bäumen, und bei einigen Sorten hat die Ernte bereits angefangen. Bis die Früchte aus Schweizer Produktion in den Geschäften zu finden sind, dauert es also nicht mehr lange. Überraschend ist: Nachdem Früchte wie Erdbeeren stark unter dem nassen Frühling gelitten haben, sieht es bei den Kirschen gar nicht schlecht aus. Mit ungefähr 300 Tonnen wird es im Kanton Luzern insgesamt ein durchschnittlicher Ertrag, wie Christian Steiger, Obstbauer aus Büron und Produzentenvertreter vom Schweizer Obstverband, sagt. Dennoch sei dies im Vergleich zu einem sehr guten Jahr etwa ein Drittel weniger. In der ganzen Schweiz werden Steiger zufolge ungefähr 2000 Tonnen Kirschen erwartet.

Pflücker aus Polen

Ein Hof, auf dem das Pflücken bereits in vollem Gang ist, liegt in Eschenbach. Seit letztem Freitag ist Familie Stocker jeden Tag auf dem Feld und erntet die frühe Kirschensorte Burlat. Neun weitere Sorten reifen etwas später heran und werden in den nächsten sieben Wochen von den Bäumen geholt. Unter den rund zehn Pflückern sind auch zwei Saisonniers aus Polen. Familienvater Xaver Stocker gibt sich mit dem Ertrag zufrieden. «Bei allen Sorten haben wir einen guten Behang», sagt er und erklärt: «Die Früchte hängen nicht zu dicht und haben schön Platz. So können sie genug süss werden.»

Stocker rechnet bis Ende Sommer mit etwa zehn Tonnen Kirschen. Das sei eine leicht bessere Ernte als im Vorjahr. «Letzten Sommer war es zu heiss, die Früchte wurden deshalb nicht sehr gross.» Jetzt seien sie trotz des schlechten Wetters im Frühling schön gross gewachsen. Haben die Kirschen unter dem vielen Regen somit gar nicht gelitten? Letztlich nicht sehr, meint Stocker. Im Frühling hätte man aber schon «zu kämpfen» gehabt und musste die Blüten mit Feuer warm halten.

Das Wetter hat indes einen anderen Nachteil: Weil die Ernte deshalb erst über eine Woche später als üblich begonnen hat, kommen die Kirschen auch später in die Ladenregale. Stocker: «Es ist schade, dass die Kirschenzeit jetzt in die Sommerferien fällt, wenn viele weg sind. Wir hoffen aber, dass die Leute, die zu Hause bleiben, viele Kirschen kaufen.»

20 Tonnen von einem Hof

In drei weiteren angefragten Betrieben sind die Kirschen noch nicht ganz reif – erst nächste Woche geht es ans Pflücken. Auf dem Hof von Christian Steiger aus Büron werden von da an fünf Wochen lang bis zu 20 Helfer am Werk sein. Steiger ist einer der grösseren Kirschenproduzenten in der Region. Er rechnet mit gut 20 Tonnen Kirschen in diesem Jahr. «Es wird nicht eine Top-Ernte wie vor zwei Jahren, aber die Qualität wird sicher stimmen», sagt er.

Dank der Folienabdeckung konnte der Regen seinen Kirschen nicht viel anhaben. Nur eine einzelne Sorte, die anfällig aufs Aufplatzen sei, habe durch die andauernde Feuchtigkeit Schäden davongetragen. «Ein grösseres Problem ist in der Schweiz aber die Kirschessigfliege, die ihre Eier in die Früchte legt.» Dagegen würden die meisten Bauern aber ein Insektennetz verwenden, sagt Steiger. Man hofft deshalb, dass keine grossen Schäden auftreten.

Damit das Steinobst knackig bleibt, beginnt die Ernte jeweils früh am Morgen und sollte nur bis zum Mittag dauern, wie Steiger erklärt. «Weil es danach zu heiss ist, würden die Kirschen deshalb an Frische verlieren.» Nach dem Pflücken werden sie gleich gekühlt – nachreifen müssen sie nicht mehr.

Schnapsbrennerei ist gewappnet

Auch auf den Höfen von Dominik Thürig in Eich und Reto Diener in Kulmerau wird über eine Woche später gepflückt als üblich. Thürig rechnet dieses Jahr mit einem Ertrag von rund fünf Tonnen. «Es wird erst in etwa zwei Wochen Schweizer Kirschen in den Läden geben», sagt er. Bei Reto Diener, dessen Bauernhof an der Grenze zum Aargau liegt, beginnt dann sogar erst die Ernte – weil seine Kirschbäume höher liegen und länger reifen.

Die jährlichen Schwankungen im Ertrag betreffen nicht nur die Obstbauern selber: So sind zum Beispiel Schnapsbrennereien von ihren Lieferanten abhängig. Die Diwisa Distillerie Willisau erhält ihre Früchte von Obstbauern aus der ganzen Schweiz und somit auch aus der Region. Dem Geschäftsführer Adrian Affentranger zufolge gab es zuletzt vor ein paar Jahren einen Engpass. Damals folgten gleich zwei bescheidene Ernten aufeinander. Dies sei nun aber nicht der Fall. «Wir haben im Moment genügend fertigen Schnaps auf Lager.» Laut Affentranger kauft die Brennerei in ertragreichen Jahren deshalb mehr Obst von ihren Lieferanten ein. So kann der Schnaps auch länger reifen.

Hinweis

Am Sonntag, 26. Juni, findet auf dem Bauernhof Chapf in Büron das 20. Zentralschweizer Chriesifäscht statt. Dort kann man unter anderem Kirschensorten degustieren. Auch in Zug ist dem Steinobst ein Anlass gewidmet: der Zuger «Chriesisturm» am Montag, 27. Juni.