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SALLE MODULABLE: «Bitte gebt uns diese Chance!»

Das Theaterprojekt hat diese Woche einen Rückschlag erlitten. Jetzt sagen die Verantwortlichen vom Luzerner Theater und dem Lucerne Festival, wie sie das Ruder rumreissen wollen.
Interview Lena Berger und Dominik Buholzer
Wollen gemeinsam die Vision einer Salle Modulable weiterentwickeln: Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival, und Birgit Aufterbeck, Stiftungsrätin Luzerner Theater. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Wollen gemeinsam die Vision einer Salle Modulable weiterentwickeln: Michael Haefliger, Intendant des Lucerne Festival, und Birgit Aufterbeck, Stiftungsrätin Luzerner Theater. (Bild: Jakob Ineichen / Neue LZ)

Interview Lena Berger und Dominik Buholzer

Birgit Aufterbeck Sieber, Michael Haef­liger, die vorberatende Kommission des Kantonsrates lehnt den Planungskredit von 7 Millionen Franken für die Salle Modulable ab. Hat Sie der Entscheid auf dem linken Fuss erwischt?

Birgit Aufterbeck: Auf jeden Fall. Wir haben uns in den letzten Wochen ins Zeug gelegt, eifrig miteinander diskutiert. Jetzt, wo der gordische Knoten gelöst ist, wo wir uns ganz klar zur Salle Modulable bekennen, wo dermassen viel ins Rollen gekommen ist, schmerzt dieser Entscheid enorm. Ich bin froh, dass das Geschäft zumindest nicht sistiert worden ist.

Michael Haefliger: Am Dienstag ist meine Mutter verstorben, deshalb war ich innerlich gar nicht richtig da, als der Entscheid fiel. Aber ich muss sagen, ich bin geschockt. Das kann es nicht sein, dass wir eine solche Chance für Luzern vergeben. Man bedenke, was wir hier für die Kultur, aber auch für das Gewerbe, den Tourismus und vor allem für das Publikum verpassen würden.

Ein Schuss vor den Bug also?

Haefliger: Als solchen empfinde ich den Entscheid der Kommission. Unsere Aufgabe wird es sein, in der verbleibenden Zeit möglichst viel in Bewegung zu setzen. Es sind viele Fragen offen, auf die auch wir noch keine abschliessende Antwort haben. Das ist bei diesem Projekt auch nicht möglich. Nur wenn uns Stadt und Kanton den Projektkredit bewilligen, können wir gemeinsam die Details klären und letztendlich die Bevölkerung entscheiden lassen.

Aufterbeck: Das Projekt spaltet sämtliche Parteien. Es gibt querbeet Befürworter und Gegner, was auf weiteren Informationsbedarf schliessen lässt. Ich hoffe, wir können heute Nachmittag bereits einen Beitrag dazu leisten und beim Hearing der städtischen Sonderkommission mit einigen Ungereimtheiten aufräumen (das Gespräch fand am Freitagmittag statt; Anm. d. Red.).

Bislang machte aber auch die Kulturszene keinen homogenen Eindruck.

Aufterbeck: In den vergangenen Wochen haben wir die Studie für einen ganzjährigen Betrieb für alle Partner nutzbar gemacht. Nun wird es ein Theater nach Luzerner Massstäben. Daher spricht sich auch die freie Szene für die Salle Modulable aus. Jetzt sind wir fünf zentrale Kulturpartner, die an einem Strick ziehen. Das gab es noch nie! Diesen kulturellen Aufbruch möchten wir fortsetzen.

Haefliger: Luzern hat die einmalige Chance, dass erstmals alle Kulturträger gemeinsam ein Projekt für die Zukunft entwickeln. Wir alle zusammen sind geniale Partner für ein solches Haus. Das wird ein Quantensprung für die Kulturszene Luzern.

Ihr Ziel ist es jetzt also, dass Sie von Stadt und Kanton Luzern das Geld zur Weiterentwicklung erhalten, damit es dann in zwei Jahren zu einer Volksabstimmung über die Salle Modulable kommt?

Haefliger: Wir wollen die Gunst der Stunde nutzen. Luzern hat bereits mit dem KKL bewiesen, dass es nach vorne blicken kann. Mit der Salle Modulable können wir den Weg weitergehen, ja vielleicht sogar den Geist des KKL entscheidend weiterentwickeln.

Aber Sie stossen damit auf Widerstand. Deuten Sie diesen als Trotzreaktion, weil durch das Geld der Zeitplan vorgegeben ist?

Aufterbeck: Natürlich hätten wir uns dies anders gewünscht. Der Zeitplan ist gedrängt, aber er ist nun einmal so. Wenn wir auf die 80 Millionen Franken von Mäzen Christof Engelhorn zurückgreifen wollen, müssen wir bis Ende 2018 ein baureifes Projekt vorlegen. So ist dies mit dem Trust ausgehandelt worden.

Haefliger: Ich habe Herrn Engelhorn sehr gut gekannt. Das Projekt, so wie es sich uns heute darstellt, ist genau das, was er sich für Luzern gewünscht hatte. Wir hoffen deshalb auf den Mut des Kantonsrats und des Grossen Stadtrats. Unsere Botschaft an die Politiker ist: Bitte gebt Luzern und uns diese Chance!

Aufterbeck: Der Zeitdruck hatte auch Vorteile. Er zwang uns, Lösungen zu finden und Farbe zu bekennen. Eine solche Geschlossenheit, wie wir sie jetzt haben, hätte es sonst wohl kaum gegeben.

Was verliert Luzern denn, wenn die Salle Modulable scheitert?

Haefliger: Ein Scheitern wäre eine Katastrophe, dann ginge sehr viel verloren. Wir arbeiten an Infrastrukturen für die Zukunft, an einem Saal für moderne Ansprüche. Die Salle Modulable wird offen, vielseitig veränderbar und insbesondere auch für ein junges Publikum attraktiv sein. Das ist in dieser Form weltweit einzigartig. Da wird sehr viel passieren. Luzern würde eine Vorreiterrolle übernehmen.

Aus der Bevölkerung hört man, wer an Theater nicht interessiert sei, gewinne nichts mit der Salle Modulable, der Kanton verliere aber weiteren finanziellen Spielraum und das Inseli seinen Charakter.

Aufterbeck: Die Frage, was verloren geht, finde ich legitim. Spannender ist aber die Frage, was wir gewinnen können. Das Haus wird attraktiv für alle. Wir sind überzeugt: Das neue Theater Luzern wird den positiven Effekt, den das KKL auf die Luzerner Gesellschaft und Wirtschaft hat, weiter ausbauen und den Standort Luzern stärken. Eine Stadt wie Luzern braucht Theater, wie sie auch den Fussball braucht.

Haefliger: Ich bin sicher: Luzern kann und wird ganz viel gewinnen. Es geht bei diesem Projekt nicht einfach um ein neues Gebäude. Es geht um eine gemeinsame Vision der ganzen Kulturszene. Die Räume werden so flexibel, dass sie unterschiedlichsten Veranstaltungen Platz bieten. Es können auch mal alle Stühle rausgeräumt werden, um eine Electro Night zu veranstalten. Das ist heute nicht möglich. Auch das Inseli und seine Umgebung werden weiterhin für alle attraktiv bleiben.

Der Luzerner Anwalt und Befürworter der Salle Modulable, Jost Schumacher, hat diese Woche gegenüber «Zentralplus» angekündigt, er habe einen Sponsoren, der 10 Millionen an die Betriebskosten leisten würde. Ändert das die Ausgangslage?

Haefliger: Ich kann dazu nichts sagen. Was ich aber weiss: Die Salle Modulable stösst auf ein grosses Echo. Wir haben die privaten Mittel für die Projektierung so gut wie sichergestellt. Es werden mehr als zwei Millionen Franken sein, so viel steht schon mal fest. Und dann läuft das Fundraising noch. Wenn der Planungskredit jetzt gesprochen wird, können wir noch viel mehr auslösen.

War der Entscheid der vorberatenden Kantonsratskommission ein Weckruf für Sie?

Haefliger: Er ist sicher ein Zeichen dafür, dass der Dialog nicht geglückt ist. Wir müssen nun Missverständnisse aus dem Weg räumen und über die hohen Erwartungen der Politik sprechen.

Aufterbeck: Es gibt bereits eine sehr detaillierte Machbarkeitsstudie – und gleichzeitig sind viele Fragen noch offen. In diesem Spannungsfeld brauchen wir einen Vertrauensvorschuss. Wir haben die Sorgen seitens der Politik gehört und verstanden. Wir brauchen nun den Projektierungskredit, um all die Details auszuarbeiten, welche die Bevölkerung zu Recht verlangt. Erst dann ist das Projekt tatsächlich entscheidungsreif.

Warum braucht es die Salle Modulable, wenn wir schon das KKL haben?

Haefliger: Das hier ist nicht das Gleiche wie das KKL. Damals war das Misstrauen von Seiten der freien Szene in ein solches Haus gross, es musste um einen Kulturkompromiss gerungen werden. Jetzt haben sich alle fünf Kulturinstitutionen zusammengeschlossen und haben eine gemeinsame Vision, um die leidenschaftlich gekämpft wird. Darin steckt enormes kreatives Potenzial. Das neue Gebäude soll etwas ganz anderes werden als das KKL. Wie gesagt ein neues, einzigartiges Theater.

Wie würde es mit dem Lucerne Festival weitergehen, wenn diese Vision von der Salle Modulable zusammenbricht? Gibt es einen Plan B?

Haefliger: Dann gibt es eine Kultur-demonstration (lacht). Nein, im Ernst: Es gibt keinen Plan B. Wir wollen das Musiktheater, die Oper, in den nächsten zehn Jahren ins Festival integrieren. Das müssen wir machen, wenn wir weiterhin eine führende Rolle unter den internationalen Festivals spielen wollen. Mit der bestehenden Infrastruktur des Luzerner Theaters wird das nicht gehen. Die Räumlichkeiten genügen unseren Ansprüchen in keinster Art und Weise. Ich kann kein grosses Orchester in den Orchestergraben zwängen.

Aufterbeck: Die Infrastruktur des Luzerner Theaters entspricht den modernen Ansprüchen schon lange nicht mehr. In spätestens sieben bis zehn Jahren müsste man mehrere Millionen Franken investieren, länger lässt sich die Investition nicht verschieben. Wir wollen, dass mit diesem Geld etwas Neues entsteht – und kein Flickwerk.

Von politischer Seite wird immer wieder gefordert, dass die Unterhalts- und Betriebskosten gesenkt werden müssen. Wie viel liegt drin?

Aufterbeck: Um diese Frage detailliert beantworten zu können, braucht es den Projektierungskredit. Wir könnten jetzt schon irgendeine Zahl nennen, doch das wäre nicht seriös.

Haefliger: Man darf sich aber nichts vormachen. Die Unterhalts- und Betriebskosten werden auf jeden Fall höher sein als heute – unabhängig, ob wir jetzt eine Salle Modulable haben werden oder nur das bestehende Theater sanieren. Aber wenn die Salle Modulable gebaut wird, soll auch für diese Kosten ein Fonds geäufnet werden, mit dem Private die öffentliche Hand wesentlich entlasten.

Wird von privater Seite her diskutiert, die Projektierungskosten zu übernehmen, wenn Kantons- und Stadtrat den Projektierungskredit tatsächlich ablehnen?

Haefliger: Darüber kann man nachdenken, aber psychologisch wäre dies ganz schlecht. Es ist an der Politik, bei diesem Projekt den Lead zu übernehmen, etwas anderes ist in unserer direkten Demokratie auch nicht denkbar. Die private Seite hat bei diesem Projekt seit 2007 schon sehr viel in Projektierung und Vorarbeiten investiert.

Aufterbeck: Der jetzt anstehende Entscheid ist die Nagelprobe. Wenn der Projektierungskredit abgelehnt wird, dann hat man auch kein Interesse an dem Projekt.

Haefliger: Das wäre ein Rückschritt, der uns um Jahrzehnte zurückwirft. Ich mag mir dies gar nicht vorstellen. Dann würde jahrelang nichts mehr gehen.

Aus Trotz?

Haefliger: Nein, aber aufgrund der finanziellen Lage der öffentlichen Hand ist der Spielraum sehr eng. Die 80 Millionen Franken von Engelhorn stehen uns dann nicht mehr zur Verfügung.

Aufterbeck: Deshalb ist es so wichtig, dass wir die jetzige Chance nutzen. Wir hören immer öfter, dass Private uns unterstützen wollen, ob finanziell oder ganz praktisch. Es erwächst gerade eine grosse Unterstützung. Aber dafür braucht es jetzt ein Bekenntnis aus der Politik.

Haefliger: Es ist ja auch denkbar, dass die Parteien den Entscheid an gewisse Wünsche knüpfen. Wir können auch mit einem «Ja, aber ...» leben – in einem gewissen Rahmen. Aber wir können die Rahmenbedingungen, die uns durch die Vereinbarung mit dem Trust gegeben sind, nicht ändern.

Aufterbeck: Ich glaube, da gibt es einige Punkte, die heute noch unter der Oberfläche gären, mit denen wir aber gemeinsam umgehen können. Wir sind offen für jedes Gespräch. Wir können auch mit neuen Bedingungen leben. Dieses Recht hat die Politik. Aber diese Forderungen müssen schon realistisch sein.

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