SALLE MODULABLE: «Der Kampf hat sich gelohnt»

In Luzern herrscht Freude über das Urteil aus Bermuda. Noch gibt es aber offene Fragen – und die Gegenseite prüft einen Rekurs.

Hugo Bischof
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Freuen sich über das Urteil (v. l.): Regierungsrat Marcel Schwerzmann, Stadtpräsident Stefan Roth, Stiftungspräsident Hubert Achermann und Regierungsrat Reto Wyss. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Freuen sich über das Urteil (v. l.): Regierungsrat Marcel Schwerzmann, Stadtpräsident Stefan Roth, Stiftungspräsident Hubert Achermann und Regierungsrat Reto Wyss. (Bild: Pius Amrein / Neue LZ)

Gestern kurz nach 16 Uhr Schweizer Zeit lag es vor – das lang erwartete Urteil aus Bermuda im Prozess der Stiftung Salle Modulable gegen den Butterfield Trust. 121 Seiten dick ist das Dokument, auf Englisch und in nicht immer leicht verständlicher Juristensprache geschrieben. Das Fazit aber ist klar und unmissverständlich: Der Rückzug der grosszügigen Spende von 120 Millionen Franken für den Bau eines flexiblen Musiktheatergebäudes in Luzern ist 2010 zu Unrecht erfolgt.

Entsprechend erfreut zeigten sich die Projektverantwortlichen gestern an einer Medienkonferenz, zu der sie kurz nach der Verkündigung des Urteils in die Bahnhofrestauration Luzern luden. «Wir haben drei Jahre lang hart für dieses Urteil gekämpft», sagte Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable. «Der Kampf und die viele Zeit, die wir investiert haben, haben sich gelohnt.» Achermann betonte: «Das ist eine grossartige Chance für die Kultur- und Festivalstadt Luzern, hier etwas Einzigartiges zu schaffen.»

«Grosse Genugtuung»

An der Medienkonferenz anwesend waren auch gleich zwei Luzerner Regierungsräte. Bildungs- und Kulturdirektor Reto Wyss erklärte: «Das Urteil erfüllt uns mit grosser Genugtuung.» Es bedeute einen «richtigen und wichtigen Schub» für das Projekt Neue Theater-Infrastruktur (NTI), mit dem Kanton und Stadt Luzern das Theater in Luzern erneuern wollen. «Es war stets klar, dass wir dabei auf private Gelder angewiesen sind», so Wyss. Die Stiftung Salle Modu­lable sei ein wichtiger Partner.

Gemäss Finanzdirektor Marcel Schwerzmann ist das Projekt NTI das Nachfolgeprojekt der Salle Modulable: «Wir haben den Glauben daran in den letzten drei Jahren nie verloren.» Auch der Luzerner Stadtpräsident Stefan Roth zeigte sich erfreut über die «sehr positive Nachricht aus Bermuda».

Schweizer Recht gab Ausschlag

Ganz anders tönte es gestern von der Gegenseite, dem Butterfield Trust. Dessen Sprecher Sacha Wigdorovits sagte auf Anfrage unserer Zeitung: «Wir prüfen, ob wir das Urteil weiterziehen wollen.» Nach Bermuda-Recht wäre der Rückzug der Gelder zulässig gewesen, betont Wigdorovits. Das habe auch der oberste Richter von Bermuda anerkannt. Sein Urteil habe er dann aber aufgrund von schweizerischem Recht gefällt, gemäss dem der Rückzug zu früh erfolgt sei. «Wir prüfen nun, ob der Richter anstatt des schweizerischen nicht das Bermuda-Recht hätte anwenden müssen», erklärt der Trust-Sprecher.

Definitiv ist das Urteil aus Bermuda ohnehin noch nicht. Richter Ian Kawaley hat angeordnet, dass die Stiftung nun eine «den neuen Umständen angepasste Machbarkeitsstudie für flexibel gestaltetes Musiktheater vorlegen muss». Erst wenn eine solche vorliege, müssten die Gelder ausbezahlt werden. Auch hier setzt der Trust allerdings ein Fragezeichen. «Ob der Richter ermächtigt war, der Stiftung noch mehr Zeit einzuräumen, um die Realisierbarkeit des Projekts zu beweisen – auch das prüfen wir nun», so Wigdorovits.

Wer beurteilt die neue Studie?

Dass es noch offene Fragen gibt, bestätigt Stiftungspräsident Hubert Achermann. Die Frage der Machbarkeitsstudie sei eine davon. Unklar sei auch, wer diese Studie dereinst beurteilen werde. «Wohl eher nicht die bisherigen Trust-Verwalter», meinte Achermann. «Am besten jemand, der mit den Verhältnissen in der Schweiz vertraut ist.»

Um die offenen Fragen zu klären, wird Richter Kawaley in Bermuda eine Nachverhandlung einberufen (siehe Kasten). Was den weiteren Verlauf betrifft, ist Stiftungspräsident Achermann optimistisch. «Als Erstes erwarten wir nun von der Gegenseite, dass sie dieses Urteil akzeptiert und auf weitere zeitraubende und kostenintensive rechtliche Verfahren verzichtet.» Dann gehe es darum, zusammen mit Kanton und Stadt Luzern eine «aktualisierte, tragfähige Machbarkeitsstudie» zu erstellen. Dabei könne man auf der bereits 2010 vorliegenden Studie aufbauen.