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SALLE MODULABLE: Engelhorn glaubte «bis zum letzten Tag» an sein Projekt

Beim Millionenprozess in Bermuda gehts Schlag auf Schlag: Nun nahm man den Lucerne-Festival-Chef ins Kreuzverhör.
Rebecca Zuill* und Hugo Bischof
Michael Haefliger vor dem Supreme Court in Hamilton, der Hauptstadt des Inselstaats Bermuda. (Bild: Mark Tatem)

Michael Haefliger vor dem Supreme Court in Hamilton, der Hauptstadt des Inselstaats Bermuda. (Bild: Mark Tatem)

Noch bis zum 17. Dezember dauert der Prozess in der bermudischen Hauptstadt Hamilton, bei dem die Luzerner Stiftung Salle Modulable die Rückgabe von 120 Millionen Franken fordert. Das Geld wurde von Christof Engelhorn für den Bau eines flexiblen Theaterbaus in Luzern in Aussicht gestellt und war auf einem stiftungsähnlichen Anlagegefäss (Trust) in Bermuda deponiert. Dessen Verwalter (Trustees) zogen das Geld nach dem Tod des Gönners 2010 zurück.

Befragung auf Englisch

Nachdem im seit dem 12. November Dezember laufenden Prozess schon Stiftungspräsident Hubert Achermann und der Luzerner Finanzdirektor Marcel Schwerzmann befragt worden waren (Ausgaben vom 14., 16., 19., 23. November), wurde nun Michael Haefliger, Stiftungsdelegierter und Leiter des Lucerne Festival, ins Kreuzverhör genommen. Nachfolgend einen Ausschnitt der Aussagen Haefligers und der Fragen von Mark Cran, einem Anwalt der Gegenseite, des Butterfield Trust. Die Befragung fand auf Englisch statt, wir haben die Aussagen ins Deutsche übersetzt.

Michael Haefliger:Die Salle Modulable ist ein sehr Inhalt-bestimmtes Projekt. Entscheidend ist, was im Raum drinnen passiert und auch die ganze Vision eines Raums, der selber zur Bühne wird, in dem es keine Trennung mehr gibt zwischen Bühne und Zuschauer – wo vielmehr beide zusammenkommen in einem neuen Format. Die Salle Modulable hätte man nicht mit dem – lassen Sie mich das sagen – gleichen Luxus designen müssen wie das KKL Luzern, bei dem man ja auch einen der weltbesten Architekten, Jean Nouvel, verpflichtete. Nebenbei gesagt – und dies spricht für die Luzerner Bevölkerung –, konnte das KKL innerhalb des Kostendachs und innerhalb der Zeitvorgabe fertiggestellt werden.

Mark Cran: Das KKL? Da gab es doch eine Budgetüberschreitung von mehr als 10 Prozent.

Haefliger: Das war minimal – verglichen mit dem, was man bei dieser Art von Gebäuden üblicherweise erlebt. (...) Mr. Engelhorn war die hauptsächliche Kraft hinter dem Projekt Salle Modulable. (...) Er war nicht jemand, der hin und her überlegte. Er war ein Mann der Entscheidungen. Er hörte zu; dann sagte er, «das funktioniert nicht, findet eine neue Lösung». Das taten wir dann auch. ... Er glaubte bis zu seinem letzten Tag an dieses Projekt und daran, dass es Realität würde. Was Sie verstehen müssen, ist, dass es diesen Stiftungsrat Salle Modulable gab. Wir, und speziell ich als dessen Delegierter, betrachteten den Stiftungsrat als Gremium, das die tägliche Arbeit leistete – indem er das Projekt entwickelte, bei der Erarbeitung der Machbarkeitsstudie assistierte, den politischen Entscheidungsprozess aufbaute und eine Public-Private-Partnerschaft einging. Deshalb war ich sehr fokussiert, und auch alle anderen waren konzentriert auf die Arbeit im Stiftungsrat.
Später kam die Rede auf Karl Reichmuth, den Luzerner Privatbankier, der als Verbindung zwischen dem Butterfield Trust in Bermuda und der Salle Modulable Stiftung in Luzern fungierte.

Haefliger: Mr. Reichmuth war nicht stark involviert in die Tätigkeit der Salle Modulable Stiftung – aus Gründen der Unternehmensführung und weil ihn Mr. Engelhorn selber nicht im Stiftungsrat haben wollte, da er am Schluss einen unabhängigen Entscheid fällen sollte, ob das Projekt machbar ist oder nicht. Das ist wichtig zu verstehen.

Cran: Wer hat Ihnen gesagt, dass Mr. Reichmuth die Aufgabe übertragen wurde, unabhängig zu entscheiden, ob das am Schluss vorliegende Dokument ausreichend sein würde?

Haefliger: Das war Mr. Engelhorn selber. Denn zu einem gewissen Zeitpunkt wollte ich persönlich, dass Mr. Reichmuth im Stiftungsrat Einsitz haben sollte. Die Diskussionen, wer in den Stiftungsrat gehörte und wer nicht, wurden direkt mit Mr. Engelhorn geführt. Er hatte allein das Sagen, und er bestimmte klar, «Reichmuth geht nicht in den Stiftungsrat, er muss draussen bleiben». Damals habe ich das nicht verstanden, aber so war es.

Cran: Aha. Wann kam die Idee einer Machbarkeitsstudie («feasibility study») zuerst auf?

Haefliger: Ich bin froh, dass Sie diesen Ausdruck endlich erwähnen. Denn «feasibility» (Machbarkeit) ist das Wort, das Christof Engelhorn, der das Projekt mit seiner Donation von 120 Millionen Franken startete, selber verwendete. Und seien wir ehrlich: Alle meine Anstrengungen zuvor, mit Ideen, einem Konzept undsoweiter, wären ohne diese Donation wertlos gewesen. Sorry, ich habe den Faden verloren. Wo waren wir?

Cran: Ich fragte Sie, wann die Idee einer «feasibility study« zuerst aufkam.

Haefliger: «Feasibility» ist eine Art Übersetzung des Worts «Machbarkeitsstudie», das Christof Engelhorn gebrauchte, als er sagte: «Ich gebe euch 120 Millionen für dieses Projekt, aber ich will, dass es eine Machbarkeitsstudie gibt, und ich will, dass die Betriebskosten durch jemand anderen bezahlt werden – etwa die Stadt Luzern oder andere Sponsoren.

Cran: Was bedeutet das Wort genau?

Haefliger: Machbarkeit – dass das Projekt realisierbar ist. Dass es stattfinden kann. Dass es – sehr wichtig – ein solides Budget hat. Dass es – und das ist sehr, sehr wichtig – von Stadt und Kanton und deren Parlamenten genehmigt wird und somit zur Abstimmung vors Volk gehen kann. (...) Mr. Reichmuth ist ein hochangesehener, erfahrener Bankier. Er hat schon viele Projekte begleitet. Er hat viele Dokument abgesegnet und wichtige Entscheide gefällt. Ich bin vollkommen überzeugt, er hätte einen sehr fundierten professionellen Entscheid gefällt etwa bezüglich Machbarkeit, Budget usw.

Cran: Ist es das, was er im Dezember 2010 tat – machte er da eine fundierte und ausgeklügelte Beurteilung? (am 20. Dezember stellte die Stiftung Salle Modulable die Machbarkeitsstudie vor, d. Red.)
Hafliger: Ja. Das ist meine tiefste Überzeugung. (...)

Cran: In den Notizen wird in Bezug auf die Trust-Verwalter mehrmals die Bezeichnung «die Gönner» («the donors») verwendet. Aber die einzige Verkörperung, die einzige Trust-Persönlichkeit in Bezug auf die Stiftung (Salle Modulable, d. Red.) war Mr. Reichmuth.

Haefliger: Ja. Der Trust existierte zu jenem Zeitpunkt für uns nicht.

Cran: Sie wussten...

Haefliger: ...wir wussten, es gab einen Trust. Aber wir wussten nicht, wer die Trust-Verwalter waren. Diese erschienen zuerst – ich meine, meine erste Begegnung mit dem Protektor (Überwachungsorgan des Trusts, d. Red.), mit Mr. Weinhold war in Wirklichkeit im Oktober 2009. Es war ein sehr angenehmes Treffen.

Cran: Gut.

Haefliger: Wir hatten ein Mittagessen, und da hörte ich von einem bevorstehenden Treffen im Januar 2010.

Cran: Ja.

Haefliger: Also bevor dem...

Cran: Zu diesem Zeitpunkt war die einzige Verkörperung des Trusts Mr. Reichmuth?

Haefliger: Korrekt. Als ein «back-to-back» («Rücken an Rücken», gemeint ist wohl der nach aussen sichtbare Vertreter einer im Hintergrund bleibenden Person oder Institution, d. Red.) (...) Nun, das einzige, was ich mit Sicherheit sagen kann, ist, dass wir damals mit dem Trust weder sprachen noch ihn kannten. Es war nicht Teil unserer Konversation.

Cran: Sie kannten die Identität des Trusts nicht; aber Sie wussten, dass der Trust der Partner war, der das Geld liefern würde, und dass Mr. Reichmuth die einzige Verkörperung des Trusts in der Schweiz war, nicht wahr?

Haefliger: Er war ihr «back-to-back» («Rücken an Rücken»).

Cran: Ob es «back-to-back» war oder nicht...

Haefliger: Ich glaube, da gibts einen kleinen Unterschied, obwohl ich kein Jurist bin und kein Profi in solchen Dingen – ich nehme an, es ist ein grösserer Unterschied zwischen «back-to-back» und Verkörperung eines Gönners.

Cran: Ich fürchte, ich verstehe nicht, was «back-to-back» bedeutet.

Haefliger: Nun, ich denke, dass Sie als Rechtsanwalt mir das erklären müssten.

Cran: Ich verstehe es nicht. Ich bin mit diesem Ausdruck nicht vertraut.

Haefliger: So war es aber...

Cran: Der Ausdruck wurde auch von Mr. Reichmuth häufig verwendet, aber ich verstehe ihn nicht.

Haefliger: Ja, und auch Mr. Engelhorn verwendete ihn. Die Situation war so, dass wir seinen Namen nicht benutzen durften. Daran hielten wir uns. Wir wollten unter allen Umständen verhindern, dass sein Name öffentlich wurde und der Gönner oder die Gönner so bekannt wurden. Aber wir dachten damals, ehrlich gsagt, nicht an den Trust. Und wir dachten auch nicht daran, den Trust bei Treffen oder Entscheiden einzubeziehen. Erstens hatte der Trust sich oder seine Mitglieder uns nie vorgestellt; so konnten wir von ihm nicht wissen. Zweitens, wissen Sie, waren wir der Meinung, dass wir als die Körperschaft («body»), als Salle Modulable, ermächtigt waren, Entscheide zu treffen und vorwärts zu machen. ... Mr. Cran, ich muss Ihnen ehrlich sagen, dass Mr. Engelhorn ein sehr Respekt einflössender («authoritative») Mann war. Er war ein Visionär. Er war ein Mann, der die Künste liebte, der künstlerische Projekte liebte. Aber er war ebenfalls ein Mann, der es sehr, sehr klar machte, wie die Dinge laufen oder in Gang gebracht werden mussten. Das wissen wir auch von anderen Zeugenaussagen, nicht nur von meiner. Wissen Sie, so charmant und unterstützend er mir gegenüber sein konnte – er konnte auch sehr streng und bestimmend sein, wenn er etwas in eine andere Richtung wollte.
Cran: Ich wiederhole mein Frage. Realisierten Sie, dass die Trust-Verwalter Personen waren, die eine Entscheidung zu fällen hatten und für die Mr. Reichmuth als vorgeschobene Person dienen würde («acting as a front»)?

Haefliger: Ja. Aber so, wie es kam – die Wirklichkeit war, dass Mr. Engelhorn den Laden schmiss («he was running the show»). ... Ich muss Sie hier enttäuschen. Ich weiss, worauf Sie hinauswollen, aber es ist wirklich nicht wahr. Es ist eine Tatsache...

Cran: Ich akzeptiere das nicht.

Haefliger: ... dass Mr. Engelhorn die Entscheidungen traf. Wenn Sie das nicht akzeptieren, kann ich nichts anderes sagen, als dass wir uns im Kreis drehen – immer und immer wieder. Weil, so war es.

*Rebecca Zuill ist Wirtschaftsredaktorin der «Royal Gazette» in Hamilton/Bermuda und berichtet für unsere Zeitung über den Prozess.

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