SALLE MODULABLE: Erhält der Alpenquai nun Auftrieb?

Die Standort-Debatte wird immer komplexer. Beide favorisierten Standorte werden durch Volksinitiativen torpediert. Das könnte den Planungen eine neue Wendung geben.

Hugo Bischof
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Alpenquai, Theaterplatz und Inseli (v. l.) – diese Standorte sind noch im Rennen. (Bilder Archiv Neue LZ)

Alpenquai, Theaterplatz und Inseli (v. l.) – diese Standorte sind noch im Rennen. (Bilder Archiv Neue LZ)

Hugo Bischof

Drei Standorte sind offiziell noch im Rennen für die Salle Modulable, das in Luzern geplante flexible Theatergebäude: der heutige Theaterplatz, der Inseli-Parkplatz sowie der Schotterplatz Alpenquai beim Motorboothafen. Der Standortentscheid hätte eigentlich per Ende 2015 fallen sollen. Doch Stadt und Kanton Luzern befinden sich noch immer in der Evaluationsphase. Immerhin liegen die Machbarkeits- und Standortstudien inzwischen vor. Die Schlussfolgerungen daraus sollen dem Stadtparlament Anfang April vorgelegt werden. Darin enthalten sein soll auch eine konkrete Standortempfehlung der Stadtregierung. Dies erklärt die zuständige Stadträtin und Kulturdirektorin Ursula Stämmer-Horst (SP) auf Anfrage.

Gleichzeitig soll auch die Öffentlichkeit über die Ergebnisse der Studien informiert werden. Direkt mitreden sollte die Bevölkerung gemäss den Plänen von Stadt und Kanton allerdings nicht – die Stimmberechtigten der Stadt hätten erst beim konkreten Baurechtsvertrag erstmals Stellung nehmen sollen.

Jahrelange Unsicherheit

Doch nun zeichnet sich ab, dass das Volk auch in Sachen Standort aktiv mitentscheiden wird. Verantwortlich dafür sind zwei Initiativen, die auf die Standorte Inseli und Theaterplatz zielen. Die Initiative der Jungsozialisten «Lebendiges Inseli statt Blechlawine» verlangt, die Inseli-Carparkplätze aufzuheben und die Grünfläche zu erweitern. Bei einer Annahme wäre ein neues Theater beim Inseli wohl nicht mehr möglich. Das ist insofern pikant, als das Inseli bisher als Favorit-Standort galt. Wann die Juso-Initiative vors Volk kommt, steht noch nicht fest – spätestens aber Ende 2017. Das bedeutet, dass der Salle-Modulable-Standort Inseli schlimmstenfalls bis dann blockiert bleibt. Dabei läuft der Stadt die Zeit davon: Bis Ende 2018 muss ein baureifes Projekt für ein neues Theater vorliegen. Das ist die Bedingung der Geldgeber.

Abriss verhindern

Zusätzlich Öl ins Feuer giesst nun ein privates Komitee durch eine weitere Volksinitiative mit dem Titel «Luzerner Theater: Ein Haus für alle» (Ausgabe von gestern). Sie hat drei Forderungen:

 

  • Das Gebäude des Luzerner Theaters wird erhalten und bleibt bestehen.
  • Die Stadt Luzern stellt das Haus des ehemaligen Luzerner Theaters der Öffentlichkeit zur Verfügung als Kultur-Haus für alle mit einer breiten öffentlichen Nutzung.
  • Auch bei einer Planung der Salle Modulable auf dem Theaterplatz darf das Haus des Luzerner Theaters nicht tangiert oder sogar abgerissen werden.

 

Genau dieser dritte Punkt ist das Killerargument für den Salle-Modulable-Standort Nummer zwei. Eine Salle Modulable am Theaterplatz ohne Abriss des bestehenden Theaters wäre aus Platzgründen kaum realisierbar.

Theater als Volkshaus

Die Initianten haben nun bis 6. April Zeit, die notwendigen 800 Unterschriften von Stadtluzerner Stimmberechtigten zu sammeln. «Wir sind zuversichtlich, dieses Ziel zu erreichen», sagt Ariel Kolly, Sprecher des Initiativkomitees. Ihm geht es in erster Linie um die künftige Nutzung des heutigen Theatergebäudes an der Reuss. «Luzern kann ein zusätzliches öffentliches Gebäude gebrauchen – für Kleinkunst, Konzerte, die freie Theaterszene, als kulturelles Stadt-Kaffeehaus, für Ausstellungen, Vorträge, Lesungen, Tagungen und so weiter», sagt Kolly. Der Stadtluzerner ist ausgebildeter Architekt, war in den vergangenen Jahren auch als Maler und Künstler tätig – und sorgte vor allem mit seinen Steinskulpturen an Fluss- und Seeufern für Aufsehen. Neben Kolly gehören dem Initiativkomitee auch die frühere SP-Grossstadträtin Luzia Stofer und Hans-Ruedi Brunner an. «Unsere Initiative ist aber nicht politisch geprägt», betont Kolly, «wir sind überzeugt, dass ein solches Kulturhaus eine Bereicherung für alle ist.»

Den Vorwurf der «Verhinderungsinitiative» weist Kolly zurück: «Wir wollen keineswegs die Salle Modulable verhindern. Im Gegenteil, wir freuen uns auch auf dieses Haus.» Solange das Raumprogramm für das neue Theater noch nicht klar definiert sei, ist für Kolly «auch eine Salle Modulable auf dem noch freien Theaterplatz möglich». Eine Salle Modulable ohne Abriss des Theaters wurde von den Verantwortlichen bisher aber immer als unrealistisch bezeichnet.

Verfällt 80-Millionen-Schenkung?

Somit schwebt nun über den Standorten Inseli und Theaterplatz das Damoklesschwert von zwei Initiativen. Die Unsicherheit beim Inseli könnte wie erwähnt bis Ende 2017 dauern – beim Theaterplatz sogar noch länger. Sollte die Theater-Initiative zu Stande kommen, müsste die Abstimmung spätestens Ende 2018 stattfinden – viel zu spät für den engen Salle-Modulable-Zeitplan. Denn wenn bis Ende 2018 die Finanzierung, der Standort und die politische Zustimmung nicht gesichert sind, verfällt wohl die private 80-Millionen-Schenkung des 2010 verstorbenen Christof Engelhorn, die das Haus zum Grossteil finanzieren soll.

Stadträtin Stämmer lässt sich dadurch nicht verunsichern: «Bei allem Respekt vor den Initianten – wir gehen unseren Weg konsequent weiter. Unser Auftrag ist es, der Bevölkerung ein seriöses, gut abgestütztes Projekt zu präsentieren. Diesen Auftrag wollen wir ausführen.»

Möglicherweise werden die beiden Initiativen die weiteren Planungen aber durchaus beeinflussen. Der dritte, bisher am wenigsten favorisierte Standort Alpenquai könnte nämlich überraschend Aufwind erhalten. Dieser ist zwar etwas abgelegener als die anderen; aber hier hat sich bisher kein offener Widerstand formiert. Weiter in den Fokus rücken könnte der Standort Alpenquai zudem durch einen Vorstoss im Stadtparlament, der gemäss Recherchen unserer Zeitung in Planung ist. Offiziell äussern will sich dazu momentan aber niemand.

Möglicher Standort des Salle Modulable: Das Inseli (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Möglicher Standort des Salle Modulable: Das Inseli (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Möglicher Standort der Salle Modulable: Zwischen Luzerner Theater und Jesuitenkirche. Eine Initiativkomitee will nun scher stellen, dass das Gebäude des Luzerner Theaters nicht abgerissen wird. (Bild: Pius Amrein  (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))

Möglicher Standort der Salle Modulable: Zwischen Luzerner Theater und Jesuitenkirche. Eine Initiativkomitee will nun scher stellen, dass das Gebäude des Luzerner Theaters nicht abgerissen wird. (Bild: Pius Amrein (Neue LZ) (Neue Luzerner Zeitung))