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SALLE MODULABLE: Millionenversprechen soll Salle Modulable retten

Kann sich Luzern ein Projekt wie die Salle Modulable wirklich leisten? Hubert Achermann sagt, weshalb dies sehr wohl möglich ist.
Interview Dominik Buholzer
Der Präsident der Stiftung Salle Modulable, Hubert Achermann, auf dem Deck des Dampfschiffs Gallia. Im Hintergrund das Inseli, wo einst das Neue Theater Luzern gebaut werden soll. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Der Präsident der Stiftung Salle Modulable, Hubert Achermann, auf dem Deck des Dampfschiffs Gallia. Im Hintergrund das Inseli, wo einst das Neue Theater Luzern gebaut werden soll. (Bild: Dominik Wunderli / Neue LZ)

Interview Dominik Buholzer

Es wird knapp, ganz knapp. Eine Zitterpartie ist angesagt. Am Montag beginnt im Luzerner Kantonsrat die Debatte über den Projektierungskredit von 7 Milllionen für die Salle Modulable. Bei den Parteien herrscht grosse Uneinigkeit. GLP und CVP sind dafür, FDP auch, aber nur knapp. SP, Grüne und SVP lehnen den Kredit ab.

Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable, stellt sich noch einmal den Fragen. Seit Jahren kämpft er für die Salle Modulable, das multifunktionale Theatergebäude, das auf dem Luzerner Inseli geplant ist. Er knüpfte das Gespräch an eine einzige Bedingung. Er will nicht über das Gerichtsverfahren auf den Bermudas sprechen, wo die Stiftung Salle Modulable mit dem Butterfield Trust (Bermuda) Limited um die heute in Aussicht gestellte Schenkung von 80 Millionen stritten. «Es ist mit dem Trust vereinbart, dass wir dazu nichts mehr sagen. Wir wollen alle gemeinsam nach vorne schauen», betont er. Das bedeute aber nicht, dass das Verhältnis zwischen den beiden Parteien angespannt sei, schiebt er nach. «Wir haben vor Gericht gestritten. Heute pflegen wir ein sehr gutes Einvernehmen.» Vertreter des Trusts sitzen im Stiftungsrat der Stiftung Salle Modulable und sind laut Achermann heute vom Projekt überzeugt. Aber sie knüpfen das Engagement an die Bedingungen, dass bis Ende 2018 ein baureifes Projekt und eine gesicherte Finanzierung der Bau- und Betriebskosten vorliegen müssen, sonst entfallen die 80 Millionen.

Herr Achermann, seit Jahren diskutiert Luzern über die Salle Modulable. Nun steht die entscheidende Phase an und es droht bereits der Projektierungskredit im Kantonsrat durchzufallen. Ein GAU. Was lief schief?

Hubert Achermann: Wir diskutieren nun bereits seit bald 10 Jahren über das Projekt. Es gab dabei Phasen, in denen es still wurde. Vielleicht war es zu lange zu ruhig. Solche Phasen bieten ja immer wieder Raum für Spekulationen. Und mittlerweile haben sich wohl auch falsche Sachen in den Köpfen festgesetzt.

Zum Beispiel?

Achermann: Dass es jetzt für oder gegen den Bau der Salle Modulable geht. Das ist falsch. Das Parlament hat einzig über den Projektierungskredit zu entscheiden. Stadt, Kanton und wir wollen gemeinsam mit den Nutzern das Projekt weiter planen und die noch offenen Fragen beantworten. 2019 kann dann die Bevölkerung in Kenntnis aller Fakten demokratisch darüber entscheiden.

Luzern hat bereits mit dem KKL ein Gebäude von internationalem Ruhm.

Achermann: Das KKL zeigt, wie wichtig die Kultur für den Standort Luzern, für die Wirtschaft und den Tourismus ist. Das strahlt weit über die Stadt hinaus aus, es profitiert die ganze Region, der ganze Kanton Luzern davon. Wir dürfen aber nicht auf dem KKL sitzen bleiben. Wir müssen das Erfolgreiche weiterentwickeln. Uns fehlt der zweite Teil. Die Salle Modulable ist die logische Weiterentwicklung und eine ganz wichtige Ergänzung. Hier kommen Musik und Theater zusammen. Die Salle soll ja die neue Heimat des Luzerner Theaters werden und auch der freien Theater- und Tanzszene neue Perspektiven bieten. Das alles ist im KKL nicht möglich.

Das ist unbestritten «Nice to have». Aber wird sich das je rechnen?

Achermann: Das ist nicht «nice to have». Das Luzerner Theater ist dringend sanierungsbedürftig. Im heutigen Gebäude hat das Theater keine Zukunft mehr. Und ich bin fest davon überzeugt, dass sich die Salle Modulable auch finanziell rechnet, wenn man sie mit einer Renovation des bestehenden Theaters vergleicht. Denn sowohl bei der Projektierung wie auch beim Bau und beim Betrieb werden sich Private beteiligen. Die 2 Millionen Franken von privater Seite für die Finanzierung des Planungskredits haben wir bereits zusammen. Wir werden auch die 35 Millionen für den Bau auftreiben. Und auch für eine Beteiligung am späteren Betrieb wurden bereits private Gelder in Aussicht gestellt, um die Kosten für Stadt und Kanton tief zu halten.

Schön und gut. Aber aufgrund der Fraktionssitzungen zeichnet sich eine Zitterpartie ab. Der Projektierungskredit ist in keinster Weise im Trockenen.

Achermann: Ich hatte in den letzten Tagen intensive Gespräche mit fast allen Fraktionen des Kantonsrats. Wir haben gespürt, dass viele unsere Begeisterung für das Projekt teilen, sich aber grosse Sorgen um die Finanzen des Kantons machen. Wir haben deshalb am Freitag beschlossen, zur Entlastung des Kantons – von sieben auf fünf Millionen Franken – bei der Projektierung weitere zwei Millionen Franken zuzusichern und bei Dritten zu sammeln. Das ist auch für uns nicht einfach. Aber es soll ein klares Zeichen sein, dass wir überzeugt davon sind, dass der Kanton Luzern diese Chance packen muss.

Aber dann steht noch immer die Aufgabe bevor, die Mittel für die Betriebsbeteiligung sicherzustellen. Was macht Sie sicher, dass die Rechnung aufgeht?

Achermann: Es sind die Rückmeldungen, die ich derzeit erhalte. Sehen Sie, vor zwei Wochen konnten wir den Freunden des Lucerne Festivals das Projekt vorstellen. Kurz nach der Präsentation kam eine Person auf mich zu und sagte: «Herr Achermann, ich möchte das Projekt gerne unterstützen. Wäre 1 Million Franken in Ihrem Sinn?». Das ist kein Einzelfall. Ich bekam in der letzten Woche mehrere Angebote. Insbesondere bei Unterstützern aus dem Ausland geniesst das Projekt sehr viel Goodwill. Wir werden ja – wie gesagt – auch noch einen Fonds zur Mitfinanzierung des Unterhalts äufnen. Dieser wird die öffentliche Hand in den ersten Jahren deutlich entlasten. Danach wird das Gebäude auch zusätzliche Erträge abwerfen.

Von wie viel reden wir da?

Achermann: Von 10 bis 15 Millionen Franken.

Stimmt das Gerücht, dass eine Privatperson 10 Millionen spenden will?

Achermann: Das ist kein Gerücht, dem ist so. Aber es ist längst nicht die einzige Person, die sich mit einer grossen Summe an dem Projekt beteiligen will.

Trotzdem: Käme es nicht kostengünstiger, Luzern würde einfach ein neues Theater bauen?

Achermann: Nein. Der Bau eines neuen, grösseren Theaters würde Stadt und Kanton schnell einmal 80 bis 90 Millionen Franken kosten. Doch in diesem Fall können sie nicht auf die 80 Millionen von Mäzen Christof Engelhorn zurückgreifen und auch nicht auf die zusätzlichen 35 Millionen von anderen privaten Spendern. Insgesamt käme der Bau die öffentliche Hand also teurer zu stehen. Und das Publikum und die Kulturszene hätten auch kaum einen Mehrwert davon.

Was bringt denn die Salle Modulable den Luzernern?

Achermann: Kulturell bringt die Salle Modulable sehr viel. Sie hebt Luzern auf ein neues Niveau. Die Konkurrenten des Lucerne Festivals im Ausland verfolgen die Debatte in Luzern sehr genau. Und auch für das Theaterschaffen gibt es neue, sehr attraktive Möglichkeiten, um die man Luzern beneiden wird.

Aber wie sieht der Nutzen auf der finanziellen Seite aus?

Achermann: Die Antworten dazu soll eine Wertschöpfungsstudie der Hochschule St. Gallen, der HSG, geben, die derzeit unter Hochdruck erarbeitet wird. Wir hoffen, dass wir erste Resultate im Oktober präsentieren und dann auch Angaben zum volkswirtschaftlichen Nutzen machen können. Darüber hinaus werden wir in der Projektierungsphase die Synergien zwischen den Nutzern und mit dem KKL ausschöpfen und auch die Ertragsseite des neuen Hauses detailliert berechnen. Ich bin überzeugt, dass mit dem neuen Haus auch für das Theater deutliche Mehreinnahmen möglich sind.

Michael Haefliger, der Intendant des Lucerne Festivals, sagte, es gebe keinen Plan B. Wirklich nicht?

Achermann: Es gibt wirklich keinen Plan B. Das würde auch keinen Sinn machen, denn wir würden uns so nur verzetteln. Wir konzentrieren uns jetzt auf das Neue Theater Luzern, die Salle Modulable. Wir finden, die Luzerner Bevölkerung muss die Möglichkeit erhalten, abschliessend über das Projekt an der Urne befinden zu können. Es wäre mutlos und falsch von der Politik, jetzt schon Nein zu sagen. Dafür ist die Salle Modulable zu wichtig.

Weshalb setzen Sie sich so sehr für die Salle Modulable ein?

Achermann: Weil dieses Projekt eine Chance für Luzern, für die Jungen, für unsere Zukunft ist. Luzern ist kein Industriestandort. Luzern lebt vom Tourismus und von der Kultur. Nicht nur die Stadt. Unsere Region und der ganze Kanton profitieren von dieser Branche und ihrem nationalen und internationalen Ruf. Gerade letzte Woche war ein ausführlicher Artikel zum Kulturstandort Luzern, zum Lucerne Festival und zur Salle Modulable in der «New York Times».

Hubert Achermann

Zur Personred. Hubert Achermann (65) studierte Rechtswissenschaften und erwarb 1979 das Anwaltspatent des Kantons Luzern. Über 20 Jahre lang arbeitete er für das Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmen KPMG, wo er von 1994 bis 2004 die Bereiche Tax (Steuerberatung) und Legal (Rechtsberatung) leitete und dem er ab 2004 als CEO vorstand. Heute bekleidet Achermann verschiedene Verwaltungsratsmandate. Er lebt mit seiner Familie in Luzern. Seit 2009 ist er Präsident der Stiftung Lucerne Festival und der Freunde des Lucerne Festival.

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