SALLE MODULABLE: Nach dem Jubel fängt die Arbeit an

Luzern soll ein Opernhaus mit internationaler Ausstrahlung erhalten. Geld steht bereit. Doch nun müssen Stadt und Kanton Luzern beweisen, wie ernst es ihnen mit dem Projekt ist.

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Stossen auf gutes Gelingen an (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Hubert Achermann, Vertreter der Stiftung Salle Modulable, Ernst F. Schmid, Vertreter Butterfield Trust, und Stadträtin Ursula Stämmer. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Stossen auf gutes Gelingen an (von links): Regierungsrat Reto Wyss, Hubert Achermann, Vertreter der Stiftung Salle Modulable, Ernst F. Schmid, Vertreter Butterfield Trust, und Stadträtin Ursula Stämmer. (Bild: Boris Bürgisser / Neue LZ)

Nun ist es schwarz auf weiss: Luzern erhält rund 114 Millionen Franken für die Realisierung eines neuen Musiktheaters. Darauf haben sich die Stiftung Salle Modulable und der Butterfield Trust aus Bermuda geeinigt. Der Rechtsstreit ist also beigelegt (siehe Kasten unten). Doch bis das Geld tatsächlich fliesst, sind noch zahlreiche Hürden zu umschiffen. Und da sind jetzt in erster Linie Stadt und Kanton Luzern gefragt. Sie müssen insbesondere beweisen, dass es ihnen ernst ist mit dem Bau des Musiktheaters und dass das Projekt machbar ist. Bis spätestens 31. Dezember 2018 muss ein baureifes Projekt vorliegen – politisch abgestützt und mit gesicherter Finanzierung.

Studie beginnt von vorne

Schon in den nächsten Tagen soll deshalb eine Machbarkeitsstudie in Angriff genommen werden. Dies war übrigens auch eine der Hauptforderungen des Gerichts auf Bermuda: Es gab der Luzerner Stiftung Anfang Jahr zwar grundsätzlich Recht, verpflichtete sie aber zur Ausarbeitung einer fundierten Machbarkeitsstudie für das Projekt Salle Modulable.

Zwar wurde bereits zu Beginn der Salle-Modulable-Diskussionen 2007 eine Machbarkeitsstudie begonnen, die allerdings in einem Desaster endete. Als der Bermuda-Trust 2010 die Gelder zurückzog, war die Studie noch nicht einmal fertiggestellt. Und auch das Gericht in Bermuda taxierte die Studie Anfang 2014 als ungenügend. Kein Wunder wollen die Verantwortlichen nun nochmals ganz von vorne beginnen. Für die Machbarkeitsstudie haben sie die Firma Arup USA Inc. engagiert. Diese war auch an der Realisierung des KKL beteiligt, zudem stehen internationale Grossprojekte wie das Opernhaus Sydney und die Öresund-Brücke auf ihrer Referenzliste. Für die Salle Modulable stehen nun folgende Punkte im Fokus.

Der Standort: Zur Auswahl stehen nach wie vor drei Optionen: Der bisherige Standort des heutigen Luzerner Theaters, der Schotterplatz vor der Ufschötti und der Carparkplatz Inseli hinter dem KKL. Letzterer ist wohl der heisseste Kandidat bei der Standortwahl. Die Luzerner Stadträtin Ursula Stämmer betont in diesem Zusammenhang, dass die Grünfläche beim Inseli in jedem Fall frei bleiben werde. Überbaut würde lediglich der Carparkplatz. Stämmer betont aber, dass alle drei Standort-Optionen ihre Vor- und Nachteile hätten. Für die Standortevaluation wird die Firma Ernst Basler + Partner engagiert, welche die Frage aus städtebaulicher Sicht untersuchen wird. Ziel sei, schon im Laufe des nächsten Jahres einen Standort auszuwählen, mit dem man in die weitere Planung gehen kann, sagt Ursula Stämmer. Das tönt wesentlich optimistischer als noch vor einigen Monaten, als ein Standortentscheid vor Ende 2015 als wenig realistisch erschien.

Finanzierung:Klar ist lediglich, dass nach Abzug von Projektierungs- und Gerichtskosten noch etwa 80 Millionen Franken für den Bau der Salle Modulable bleiben. Es ist davon auszugehen, dass dieses Geld für die ambitionierten Pläne eines flexiblen Musiktheaters nicht reicht. Ursula Stämmer sagt denn auch: «Ich rechne damit, dass wir einen Beitrag an die Baukosten leisten müssen.» Klar ist zudem, dass Stadt und Kanton für die Betriebskosten aufkommen müssen, wenn das Haus einmal steht. Der Luzerner Regierungsrat Reto Wyss bekräftigte gestern das Ziel, dass man nicht mehr Geld dafür aufwenden wolle, als heute fürs Luzerner Theater zur Verfügung steht, also rund 21 Millionen Franken pro Jahr. Ob sich die ehrgeizigen Pläne für die Salle Modulable mit diesem Budget realisieren lassen, wird sich allerdings noch weisen müssen.

Betriebskonzept: Die Salle Modulable soll das heutige 175-jährige Luzerner Theater ersetzen. Und dies ist mehr als eine blosse bauliche Massnahme. Denn der gesamte Luzerner Theater- und Musikbetrieb soll in den nächsten Jahren völlig neu organisiert und auf die Salle Modulable ausgerichtet werden. Dabei soll auch die freie Theaterszene eine zentralere Rolle spielen als bisher. Was das für das Luzerner Theater mit seinen 300 Vollzeitstellen und für das Luzerner Sinfonieorchester (LSO) bedeutet, ist unklar. Ursula Stämmer sagt einerseits, dass es hier «keine Tabus» geben dürfe. Gleichzeitig betont sie, dass die Neuausrichtung in enger Zusammenarbeit mit den beiden Institutionen erfolge. «Am Schluss müssen alle dahinterstehen», sagt Stämmer.

Baubeginn frühestens 2019

Wann wird man in der Salle Modulable die erste Oper geniessen können? Die Verantwortlichen hüten sich, einen Eröffnungstermin zu nennen. Liegt das fertige Projekt wie gefordert bis Ende 2018 vor, könnte wohl im besten Fall 2019 mit dem Bau begonnen werden. Bis dahin muss die Stadt auch einen Architekturwettbewerb ausschreiben, zudem wird sich das Volk möglicherweise sogar mehrmals zur Salle Modulable äussern können. So etwa bei Umzonungen – das Inseli liegt heute in der Grünzone, der Theaterplatz ist bereits als Zone für öffentliche Zwecke ausgeschieden. Gut möglich, dass sich das Volk auch zu finanziellen Fragen äussern kann: Sollten Stadt und Kanton wie erwartet einen Beitrag an die Baukosten leisten oder den Anteil an die Betriebskosten erhöhen wollen, müsste dies ebenfalls an der Urne entschieden werden.

Robert Knobel

Beide Seiten zeigten sich gestern erfreut und erleichtert

Einigung Fast vier Jahre lang tobte ein erbitterter Rechtsstreit zwischen der Luzerner Stiftung Salle Modulable und dem Butterfield Trust aus Bermuda. Streitpunkt: Die 120 Millionen Franken, die Christof Engelhorn 2007 für den Bau eines flexiblen Musiktheatergebäudes (Salle Modulable) in Luzern zugesagt hatte. Gestern nun gaben die Stiftung und der Trust an einer gemeinsamen Medienkonferenz im KKL Luzern bekannt, dass sie sich in Sachen Salle Modulable geeinigt haben. «Beide Seiten glauben daran, dass in Luzern ein den Vorstellungen des verstorbenen Christof Engelhorn entsprechendes Opernhaus mit flexiblem Aufführungsraum gebaut und betrieben werden kann», lautete ein Kernsatz der gemeinsamen Ausführungen.

«Passt bestens zu Luzern»

«Endlich ist es so weit», sagte ein sichtlich erleichterter Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable. «Ich habe nie aufgehört, an die Vision Salle Modulable zu glauben. Nun wollen wir dieses faszinierende Bauwerk gemeinsam realisieren.» Es handle sich um ein Projekt, das «bestens zur Musikstadt Luzern passt». Sein Bau sei «eine einmalige Chance für Luzern, die Region und sogar die Schweiz». Der Neustart erfolge unter «sehr erfreulichen Voraussetzungen». Denn die Bedingungen, die für eine Realisierung des Projekts erfüllt werden müssen, seien nun einvernehmlich und klar definiert.

Als Vertreter des Butterfield Trust war der Anwalt Ernst F. Schmid an der Medienkonferenz. «Der Trust freut sich ausserordentlich», erklärte er. Schmid nimmt als Trust-Vertreter nun auch im Stiftungsrat Salle Modulable Einsitz. So sei gewährleistet, dass sich auch der Trust aktiv an der weiteren Entwicklung des Projekts beteiligen könne.

Die Projektverantwortlichen hätten nun bis Ende 2018 Zeit, den Nachweis für die Machbarkeit des «modulablen flexiblen Opernhauses» zu erbringen, sagte Schmid. Er betonte, auch die Angehörigen des verstorbenen Christof Engelhorn stünden hinter dem Projekt Salle Modulable: «Sie haben weiterhin eine enge, herzliche Beziehung zu Luzern.» Was alles in der Salle Modulable möglich sein wird, ist noch nicht umfassend geklärt. Auf die Frage, ob dort neben Musik- auch Sprechtheater möglich sein werde, gab Schmid eine klare Antwort: «Ja.» «Innerhalb der äusseren Hülle wird man praktisch alles bewegen können», sagte Hubert Achermann zum Raumkonzept. «Es wird ein revolutionäres, einmaliges Projekt sein. In Kombination mit dem bereits bestehenden KKL wird es auch eine Verführung sein, Neues auszuprobieren.» Neben künstlerischen Akzenten werde die Salle Modulable auch wirtschaftliche Impulse setzen, zeigte sich Achermann überzeugt.

5,75 Millionen bereits ausbezahlt

Die Finanzierung des Projekts entspreche der ursprünglichen Absicht von 2007, wurde gestern betont. Von den ursprünglich zugesagten 120 Millionen Franken seien bis Ende 2010 bereits 5,75 Millionen für die ursprüngliche Planung und Projektführung ausbezahlt worden. Somit sind jetzt total vom Trust noch 114,25 Millionen Franken verfügbar. Diese sind verfügbar, sofern die in der Übereinkunft vereinbarten Bedingungen erfüllt werden. Die Gelder werden für die ganze Projektdauer durch eine Schweizer Bank abgesichert sein.

Für den Bau selber werden rund 80 Millionen Franken zur Verfügung stehen. Die restlichen 34,25 Millionen Franken werden benötigt «für die Machbarkeitsstudie sowie um die Kosten für Projektierung, Rechtliches, Buchhaltung und Administration zu decken». Darin inbegriffen sind also etwa die Kosten für die Machbarkeitsstudie der Firma Arup USA Inc. sowie die Standortevaluation der Firma Ernst Basler + Partner (siehe Text oben).

Erfolgsprämie nach London

Ebenfalls in den 34,5 Millionen Franken enthalten ist die Summe, welche die Stiftung Salle Modulable der Firma Harbour Litigation Funding in London überweisen muss. Diese auf schwierige Fälle spezialisierte Anwaltsfirma hat die Prozessfinanzierung für die Stiftung übernommen und hätte im Falle einer Niederlage auch das Risiko getragen. Wie viel als Erfolgsprämie nach London fliesst, wollte Achermann nicht sagen: «Das ist Privatsache.» Mit rund 20 Prozent der Streitsumme dürfte man nicht ganz falsch liegen. Das wären gut 20 Millionen Franken.

Hugo Bischof