Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

SALLE MODULABLE: Theater sucht neue Bühne

Luzern soll ein neues Wahrzeichen erhalten. Wo das Musiktheater-Gebäude zu stehen kommt, ist aber unklar. Noch sind drei Standorte im Rennen.
Standort 1: Car-Parkplatz Inseli (Bild: Boris Bürgisser)

Standort 1: Car-Parkplatz Inseli (Bild: Boris Bürgisser)

Luzern soll ein zukunftsträchtiges neues Theatergebäude erhalten. Davon spricht man seit langem. Wie stehts um den Traum von der Salle Modulable, dem multifunktionalen Theater mit flexiblen Räumen? Nach dem Tod von Mäzen Christof Engelhorn 2010 schien er ausgeträumt. Nun aber, da es Ende 2014 nach hartem Gerichtskampf zur Einigung betreffend Verteilung der Gelder kam und mindestens 80 der einst zugesagten 120 Millionen Franken in den Bau fliessen, scheint der Traum wieder intakt.

Nur: Wo soll die «Salle» – Luzerns Kulturpolitik hat ihr inzwischen den hässlichen Namen Neue Theater- Infrastruktur (NTI) verpasst – dereinst stehen? Drei Standorte sind noch im Rennen: Inseli-Carparkplatz, Theaterplatz und Schotterplatz Motorboothafen/Alpenquai. Alle sind mehr oder weniger «in Fussdistanz zum KKL», wie es Mäzen Engelhorn wünschte.

Entscheid bis Dezember

Bis Ende 2015 klärt die Firma Arup USA Inc. die Machbarkeit des Projekts in Bezug auf Bau und Betrieb ab. Gleichzeitig evaluiert die Firma Ernst Basler und Partner mit Hauptsitz in Zürich die Standortfrage. Deren Fazit soll im Oktober vorliegen, und im Dezember wollen Stadt und Kanton dann den definitiven Standort kommunizieren. Das Stadtparlament muss danach die Frage des Baurechts klären, zudem wird vermutlich auch das Volk ein Wort mitzureden haben – die Salle Modulable wird wohl an die Urne kommen. Das alles soll gemäss Rosie Bitterli, Chefin Kultur bei der Stadt Luzern, bis Mitte 2016 über die Bühne gehen. Bis 2018 sollen alle finanziellen und politischen Bedingungen für das Projekt erfüllt sein, um mit dem Bau zu beginnen.

FDP und SVP für Theaterplatz

Dass Luzerns Stadtrat in der Standortfrage nicht offensiver den Lead übernimmt, stösst einigen Politikern sauer auf. FDP-Grossstadträtin Sandra Felder-Estermann lancierte Ende 2014 ein Postulat, in dem sie den Stadtrat aufforderte, den Standort Theaterplatz zu favorisieren. Den Standort Inseli solle man vergessen, da er aus landschaftsschützerischen Gründen bei der Bevölkerung auf zu grossen Widerstand stossen werde. Die Juso hat denn auch bereits die Initiative «Für ein lebendiges Inseli statt Blechlawine» eingereicht. Darin fordert die Jungpartei die Aufhebung des Carparkplatzes zu Gunsten einer Grünfläche. Was die Standortfrage für die Salle Modulable betrifft, will sich die Mehrheit des Stadtparlaments aber vorläufig alle Optionen offenlassen. Bei der Parlamentsdebatte Anfang März sprach sich neben der FDP nur die SVP für den Standort Theaterplatz aus. Die anderen Parteien teilten die Meinung des Stadtrats, zum jetzigen Zeitpunkt sei es noch zu früh für den definitiven Standortentscheid.

Hugo Bischof

Das sind die drei Standorte

Car-Parkplatz Inseli - Favorit mit Tücken

Die Stiftung Salle Modulable hat nach dem positiven Gerichtsausgang in Bermuda noch keine offizielle Standortempfehlung abgegeben. «Die unmittelbare Nähe zum KKL brächte Vorteile», erklärte Stiftungspräsident Hubert Achermann aber kurz vor der Urteilsverkündung an einer öffentlichen Podiumsveranstaltung in Luzern. Dass er damit den Inseli-Carparkplatz meinte, war unüberhörbar.
Klar ist: Die Bevölkerung wird hier ein gewichtiges Wort mitreden. Vor wenigen Tagen reichte die Juso Luzern die Initiative «Für ein lebendiges Inseli statt Blechlawine» ein. Sie ist zwar nicht explizit gegen den Bau der Salle Modulable beim Inseli gerichtet. Sie verlangt aber die Aufhebung des Car-Parkplatzes Inseli und dessen Begrünung. Bei einem Volks-Ja wäre ein neues Theatergebäude hier definitiv nicht mehr möglich. Der Abstimmungstermin steht noch nicht fest.

Vorteile

Der Standort Inseli-Carparkplatz ist am nächsten beim KKL Luzern, erfüllt die Vorgabe «in Gehdistanz zum KKL» des verstorbenen Geldgebers Christof Engelhorn also am besten.
Eine Salle Modulable beim Inseli würde auch von unmittelbaren räumlichen, technischen und personellen Synergien mit dem KKL profitieren.

Nachteile

Bauen in der Nähe des Sees ist aus landschaftsschützerischen und ökologischen Gründen problematisch.
Das Inseli ist eine beliebte Grünfläche. Zwar ist für die Salle Modulable nicht die Grünzone am See vorgesehen, sondern der heutige asphaltierte Carparkplatz. Allein: Die Nähe zum dortigen Erholungsraum ruft in Teilen der Bevölkerung und auch bei grünen und linken Politikern schon heute heftige Abwehrreaktionen hervor.

Offene Fragen

Der Inseli-Carparkplatz ist auch Standort der Luzerner Herbstmesse Määs. Was passiert mit der Määs, sollte hier dereinst ein neues Theaterhaus stehen? Könnte sie dennoch weiter hier stattfinden?
Was passiert mit den Cars – gibt es Alternativ-Parkplätze?

Historisches

Interessant im Zusammenhang mit der nun eingereichten Juso-Initiative ist, dass schon 1990, also vor einem Vierteljahrhundert, eine ähnliche Inseli-Initiative gegen den damals geplanten Bau des KKL Luzern lanciert worden war. Die damalige Unabhängige Frauenliste und das Grüne Bündnis verlangten damit, dass auf dem Europaplatz und dem dahinterliegenden Inseli ein öffentlicher Park entsteht, wodurch zusätzliche Bauten verunmöglicht geworden wären.
Die Luzerner Stimmberechtigten schickten die Inseli-Initiative am 20. Oktober 1991 mit 65 Prozent Nein-Stimmen bachab. Dem städtischen Baubeitrag von 83 Millionen Franken für das KKL stimmte das Stadtparlament im November 1993 schliesslich einstimmig zu. Anfang 1995 wurde mit dem Bau des KKL begonnen.

Theaterplatz - Muss das legendäre Theater weichen?

Dieser Standort wurde 2007 vom Luzerner Anwalt und Kulturförderer Michael Gnekow in die Diskussion gebracht – nur kurze Zeit nach Bekanntgabe der Vision Salle Modulable. Auf diesem Platz befindet sich heute das 1838/39 erbaute Luzerner Theater. Dazu gehören aber auch der Grünraum vor der Ostfassade der Jesuitenkirche plus Teile der Bahnhofstrasse und der nördliche Abschluss des Hirschengrabens. Die Stiftung Salle Modulable lehnte diesen Standort 2007 ab. Der Platz sei mit seinen insgesamt rund 3700 Quadratmetern viel zu klein; für die Salle Modulable brauche man 10 000 Quadratmeter Grundfläche. Heute ist von zu wenig Grundfläche nicht mehr die Rede. Einer der Gründe dafür: Der Neubau der Hochschule Musik Luzern, der einst neben der Salle Modulable auch noch Platz haben sollte, ist nun beim Südpol/Kriens geplant.

Vorteile

Das Publikum ist diesen Standort gewohnt; das heutige Theater steht schon seit 176 Jahren dort.
Der Standort ist nur 250 Meter vom KKL entfernt; die geforderte «Gehdistanz zum KKL» ist somit gewährleistet.
Der Bau könnte mit dem Ausbau der Bahnhofstrasse zu einer noch attraktiveren Begegnungszone, von der schon lange die Rede ist, koordiniert werden.

Nachteile

Das heutige Theaterhaus hat für viele Luzerner einen hohen emotionalen Wert. Ein Abriss würde auf Widerstand stossen. Das Gebäude steht zwar nicht unter Denkmalschutz. Es ist aber im provisorischen Bauinventar der Stadt Luzern als erhaltenswert eingestuft und steht in der Ortsbildschutzzone A. Für bauliche Veränderungen oder einen Abriss bräuchte es eine Stellungnahme der kantonalen Denkmalpflege.

Offene Fragen

Was passiert mit dem heutigen Theatergebäude, falls die Salle Modulable doch nicht hier errichtet würde? Würde man es erhalten und neu nutzen? 2010, zwei Jahre nach der Schliessung des alternativen Kulturhauses Boa am Geissensteinring, schlug die IKU Boa vor, das heutige Luzerner Theatergebäude zu erhalten und als Volkshaus für alternative Kunst- und Kulturformen zu nutzen. Diese Idee wird heute wieder diskutiert.

Historisches

Der Theaterplatz war früher schon einmal überbaut. Neben der Jesuitenkirche stand einst der Freienhof, eine aus dem 16. Jahrhundert stammende Stadtvilla, die auch als Sitz des spanischen Gesandten diente. Das Gebäude wurde 1949 abgerissen. Der Kanton wollte hier die Zentralbibliothek bauen, machte die Rechnung aber ohne das Volk: Als die Stadtluzerner nach dem Freienhof-Abriss nämlich erstmals die Ostfassade der Jesuitenkirche sahen, waren sie davon so begeistert, dass sie einen Neubau hier strikt ablehnten. Zum Theatergebäude selber: Als dieses 1924 bei einem Grossbrand stark beschädigt wurde, verlangte eine Initiative dessen Abriss «aus verkehrstechnischen und finanziellen Gründen». Auch das lehnten die Stimmbürger klar ab.

Parkplatz Alpenquai Städtebaulicher Impuls für Schotterplatz

Der Schotterplatz direkt vor dem Motorboothafen beim Alpenquai dient heute als Autoabstellplatz. Er wird sporadisch auch als Zirkusplatz genutzt. Früher war es auch Aufführungsstätte der Comedy-Veranstaltungsreihe «Das Zelt».
Dieser Standort stand bisher in der Salle-Modulable-Diskussion am wenigsten im Zentrum.
Interessant ist: Im Jahr 2009 führte unsere Zeitung mit dem bekannten Luzerner Architekturtheoretiker und Städtebauexperten Stanislaus von Moos eine Begehung der neun damals meistdiskutierten Standorte für die Salle Modulable durch. Der Standort Schotterplatz/Motorboothafen Alpenquai – inklusive dem angrenzenden Arzneipflanzengarten vor der Ufschötti – kam bei von Moos bei weitem am besten an. «Unbedingt prüfenswert», bilanzierte er. «Das ist ein unglaublich schöner Ort, der geradezu danach ruft, dass hier etwas Grosses entsteht, das Aufmerksamkeit erweckt.» Die Salle Modulable könnte der Stadtentwicklung hier «neue Impulse geben», so der Experte.
Vorteile
Der Standort liegt in unmittelbarer Nähe des rasant wachsenden, bei der Bevölkerung beliebten Quartiers Tribschenstadt.
Ein zukunftweisendes neues Kulturgebäude könnte hier ein architektonisch faszinierendes neues Wahrzeichen setzen. Denn die Gestaltungsmöglichkeiten auf dem freien Gelände wären wohl wesentlich vielfältiger als auf dem Inseli oder Theaterplatz, wo sich das Gebäude stark in die Umgebung einfügen muss.

Nachteile

Auch hier wie beim Standort Inseli-Carparkplatz gäbe es wegen der Nähe zum See landschaftsschützerische und ökologische Bedenken.
Dieser Standort ist rund 500 Meter vom KKL entfernt. Von «Gehdistanz» zum KKL kann hier also nur noch sehr begrenzt die Rede sein.
Das Gebiet mit der angrenzenden Ufschötti, mit Badewiese, Bootshafen und Ruderclub ist heute stark als Erholungs- und Freizeitraum geprägt. Ein schickes Kulturhaus an dieser Stelle wäre schon fast ein Exot.

Offene Fragen

Was passiert mit dem Motorboothafen, falls hier dereinst die Salle Modulable entstehen sollte? Könnte der Betrieb aufrechterhalten werden? Gäbe es grosse Einschränkungen?
Wie gelangen die Besucher des neuen Musiktheaters hierhin? Bräuchte es eine grosse Anzahl neuer Parkplätze? Oder müsste ein Shuttle-Dienst vom Bahnhof eingerichtet werden? Oder könnten die Besucher gar per Schiff anreisen?
Wie würden die Geldgeber auf einen Standort Alpenquai reagieren? Der Rückzug der Salle-Modulable-Gelder erfolgte 2010 unter anderem mit dem Argument, die Luzerner hätten zu periphere Standorte vorgeschlagen – etwa das Lido.

Standort 2: Theaterplatz (Bild: Boris Bürgisser)

Standort 2: Theaterplatz (Bild: Boris Bürgisser)

Standort 3: Parkplatz Alpenquai (Bild: Boris Bürgisser)

Standort 3: Parkplatz Alpenquai (Bild: Boris Bürgisser)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.