Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

SALLE MODULABLE: «Wir werden nichts unversucht lassen»

Das Konzept des neuen Theaterhauses entspricht nicht den Bedürfnissen des Luzerner Theaters. Dessen Präsidentin will dies nun ändern.
Interview Guy Studer
Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater, auf dem Inseli. Daneben soll die Salle Modulable gebaut werden. (Bild Boris Bürgisser)

Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater, auf dem Inseli. Daneben soll die Salle Modulable gebaut werden. (Bild Boris Bürgisser)

Interview Guy Studer

Die Kritik drang erst spät an die Öffentlichkeit: An einer Medienorientierung am Montag taxierte Birgit Aufterbeck Sieber, Präsidentin der Stiftung Luzerner Theater, die Pläne der Salle Modulable als für das Theater ungeeignet (Ausgabe von gestern). So, wie sich das geplante Theaterhaus in der Studie der US-Firma Arup präsentiere, sei es «eher auf einen Gastspielbetrieb ausgerichtet» als auf die Bedürfnisse eines produzierenden Theaters. Das kommt doch eher überraschend, vor allem zu diesem Zeitpunkt. So stehen bereits im September die Debatten im städtischen und im kantonalen Parlament an. Und am 27. November befindet das städtische Stimmvolk an der Urne über den Baurechtsvertrag.

Frau Aufterbeck Sieber, warum äussern Sie Ihre Vorbehalte gegenüber der Salle Modulable erst jetzt? Die Arup-Studie liegt seit Ende 2015 vor.
Birgit Aufterbeck Sieber:
Wir haben bereits im März projektintern ausführlich Stellung bezogen. In einem derart komplexen Projekt können andere Themen zunächst im Vordergrund stehen. Wichtig ist, dass Probleme benannt und behandelt werden.

Sie sagen, für ein produzierendes Theater wie das Luzerner Theater würden wesentliche Quadratmeter Nutzfläche fehlen, sowohl auf der Bühne als auch bei den Lagerflächen. Können Sie das genauer ausführen?
Aufterbeck Sieber:
In erster Linie geht es darum, nützliche Bedingungen zu schaffen, damit die Betriebskosten möglichst tief gehalten werden können. Ein produzierendes Theater besteht aus einem sensiblen «Ökosystem» aus Bühne, Probebühnen, Werkstätten und den Strecken dazwischen. Wenn ein Bereich im Verhältnis grösser ist als ein anderer, muss man andernorts wiederum anpassen. Diese Verhältnisse stimmen für uns im geplanten Bau noch nicht. Das führt sonst zu höheren Betriebskosten, weil man zum Beispiel etwas auslagern muss und sich gewisse Abläufe verkomplizieren.

Bei Gastspielhäusern ist das anders?
Aufterbeck Sieber:
Bei einem Gastspielhaus kann man sich das, vereinfacht gesagt, so vorstellen: Ein grosser Lastwagen fährt ans Gebäude und lädt das Material für die Produktion aus, die Bühne wird aufgebaut. Die Künstler kommen bereits vorbereitet zu den Aufführungen. Bei einem produzierenden Theater wird im Haus geprobt, gebaut, genäht. Dazu müssen verschiedene Produktionen nebeneinander herlaufen können, was komplexe Abläufe und eine andere Infrastruktur erfordert. Und wenn wir ein neues Theaterhaus bauen, dann soll dieses doch auch noch in 50 oder 150 Jahren Gastspiel und produzierendes Theater nebeneinander ermöglichen.

Wo sind bauliche Anpassungen aus Ihrer Sicht notwendig?
Aufterbeck Sieber:
Das ist eine sehr heikle Frage. Vieles ist durch den Vertrag mit dem Trust definiert, beim Saal oder bei den Nebenräumen besteht kein Spielraum. Man könnte aber zum Beispiel die breiten Flure verkleinern. Projektleiter Tateo Nakajima von der Firma Arup sieht zudem Nutzungsmöglichkeiten, die wir verändern können. Es gibt etwa Studios, die man variabel nutzen kann. Auch im grossen Saal gäbe es die Möglichkeit, die Nutzung der Bühnenfläche zu reduzieren, was unseren Abläufen entgegenkommen und die Kosten reduzieren könnte. Ich möchte aber betonen, dass dies Möglichkeiten sind, eine Lösung ist noch nicht greifbar. Klar ist nur, dass wir nun jeden Stein umdrehen werden auf der Suche nach Lösungen.

Dabei läuft Ihnen die Zeit davon ...
Aufterbeck Sieber:
Zeitlich spitzt sich die Lage zu, es wird nicht einfach jetzt über die Sommermonate. Doch beim von uns durchgeführten Workshop letzte Woche haben die Firma Arup und die Stiftung Salle Modulable klar verstanden, was wir dringend benötigen. Die Bereitschaft ist von allen Seiten da, die unterschiedlichen Ansprüche unter einen Hut zu bringen. Wir sind konstruktiv dran und lassen nichts unversucht.

Warum aber sind Ihre Bedürfnisse bei der Planung derart untergegangen? Haben sich schlicht die Interessen des Lucerne Festival durchgesetzt, dem ein Gastspielhaus entgegenkommt?
Aufterbeck Sieber:
Ich glaube nicht, dass man von Anfang an das produzierende Theater beiseitegelassen oder bewusst ausgegrenzt hat. Eher sind unsere Bedürfnisse wohl unter dem Druck einer Kostenreduktion aus der Planung geflogen (siehe dazu Box links unten, Anm. d. Red.).

Wäre der Standort Motorboothafen passender, um Ihren Bedürfnissen gerecht zu werden?
Aufterbeck Sieber:
Der Motorboothafen ist für uns definitiv zu weit weg. Das Theater soll auch im Alltag in einer Stadt sichtbar sein. Zudem unterstützt auch der Trust den Motorboothafen nicht, damit ist diese Frage für uns obsolet. Würde das Projekt Salle Modulable aber scheitern, stünde für uns wiederum der Theaterplatz im Vordergrund. Er ist nach wie vor für uns optimal und wäre auch mehrheitsfähig. Für die «Salle» kommt er aber nicht in Frage, wegen des vom Trust vorgegebenen Gebäudevolumens.

Im neuen Haus müssten das Theaterensemble und das Sinfonieorchester aufgestockt werden. Gleichzeitig soll auch die freie Szene in der Salle Modulable einen Platz finden. Befürchten Sie einen Konkurrenzkampf um die Mittel? Schliesslich sollen die veranschlagten Betriebskosten gleichzeitig auch noch gesenkt werden.
Aufterbeck Sieber:
Alle Kulturschaffenden sollen hier zusammenfinden: das Festival, die freie Szene und wir. Damit ist es uns wirklich ernst. Dazu braucht es einen innovativen Prozess, und ich möchte betonen, dass das Luzerner Theater äusserst flexibel ist. Wir sind bereit, uns stark zu wandeln, was Betriebsstruktur und Organisationsstruktur betrifft. Was das heisst, ist leider noch nicht spruchreif. Aber für uns ist «Hägli- und Gärtlidenken» ganz klar vorbei. Wir müssen dafür schauen, dass die Kulturschaffenden zusammenwachsen und sich nicht gegenseitig ausspielen. Gleichzeitig ist es so, dass wir ein Haus in der Grössenordnung der Oper Zürich bauen wollen, derzeit aber über die Mittel für einen künstlerischen Betrieb in der Grössenordnung etwa eines Theaters Biel verfügen. Die Ansprüche, auch des Publikums, an ein grosses Haus sind eben andere als an ein kleines.

Kostendach als Problem

Stiftung gus. Schon früh war klar, dass das Luzerner Theater Hauptmieterin der Salle Modulable sein würde. Der Bau sollte daher zu einem grossen Teil als Spielstätte für das produzierende Theater dienen. Dies bestätigt auch Hubert Achermann, Präsident der Stiftung Salle Modulable: «Das Luzerner Theater wurde von Beginn weg in das Projekt einbezogen und hat auch während der Arbeiten an der Machbarkeitsstudie der Firma Arup seine Anliegen eingebracht.»

Warum sind die Ansprüche des Luzerner Theaters aber dennoch nicht stärker in die Planung der Salle Modulable eingeflossen? Achermann: «Dass nicht alle berücksichtigt werden konnten, lag am Kostendach von 150 Millionen Franken, welches Stadt und Kanton ursprünglich für den Bau postuliert hatten.»

«Ich bin sehr zuversichtlich»
Jetzt müsse im Detail erarbeitet werden, wie die zur Verfügung stehende Fläche optimal für die Bedürfnisse eines produzierenden Theaters genutzt werden könne. «Diese Detailarbeit geschieht gemeinsam mit dem Theater», so Hubert Achermann. Er fügt an: «Der erste Workshop war viel versprechend – ich bin sehr zuversichtlich, dass wir zu einem guten Ergebnis kommen.»

Unterstützung von Bürgerlichen – Linke skeptisch

Meinungen hb. Bei den Haltungen der Parteien zur Salle Modulable ist ein Links-rechts-Graben erkennbar. Die Bürgerlichen stehen ihr eher positiv, die Linken skeptisch gegenüber:

  • FDP: «Eine Kulturstadt wie Luzern braucht ein Theater, das sich (...) den Erfordernissen der Zeit anpassen und mit den Ansprüchen an die Musikstadt Luzern Schritt halten kann», schreibt die FDP Stadt Luzern. Sie stehe deshalb «nach wie vor hinter dem Projekt Salle Modulable», auch wenn dieses «mit Risiken verbunden ist und noch etliche Fragen offen sind». Die Investitions- und Betriebskosten müssten gesenkt werden. Zudem brauche es eine Alternative für die Luzerner Herbstmesse (Määs). Dass die Inseli-Carparkplätze wegfallen sollen, bedeute für dieses Areal am See andererseits «eine willkommene Aufwertung».
  • CVP: Die CVP Stadt Luzern sieht im Projekt für ein neues Theater und eine Salle Modulable «eine Chance» und geht «offen in den Prozess». Sie erwarte aber, dass der Trust als Geldgeber «auf Wünsche der Politik und der Öffentlichkeit eingeht, damit das Geschäft mehr Rückenwind erhält».
  • SVP: Die Salle Modulable könne «eine grosse Chance sein, das Luzerner Theater weiterzuentwickeln und eine überregionale Ausstrahlung mit mehr Wertschöpfung zu erreichen», teilte die SVP mit. Aber auch für sie ist klar: «Vor allem die Betriebskosten müssen nach unten gesenkt werden.»
  • SP: Die SP ist grundsätzlich für eine Erneuerung der Theaterinfrastruktur, steht dem Projekt Salle Modulable aber kritisch bis ablehnend gegenüber. Das zeigte sich kürzlich bei einem SP-Forum (Ausgabe vom 30. Juni).
  • Grüne: Die Partei ist klar gegen eine Salle Modulable am Inseli. Gleichzeitig fordert sie mit einer Motion, dass die Debatte um die Erneuerung der Theaterinfrastruktur intensiv weitergeführt wird.
  • GLP: Noch unentschieden – eine Parteiversammlung nach den Sommerferien soll mehr Klarheit bringen.
  • BDP: Die Partei lehnt das Projekt Salle Modulable klar ab.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.