SAMMELTOUREN: Karton wird zum Politikum

Die Grünen fordern, dass Papiersäcke und lose Schachteln weiterhin mitgenommen werden. Die anderen Parteien applaudieren – zweifeln aber am Vorgehen.

Robert Knobel
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Neu darf man den Karton für die Sammlung nur noch gebündelt (rechts im Bild) bereit stellen. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)

Neu darf man den Karton für die Sammlung nur noch gebündelt (rechts im Bild) bereit stellen. (Bild: Manuela Jans/Neue LZ)

Die Wogen gingen hoch, als Ende März Hunderte Papiertaschen und Kartonschachteln auf den Trottoirs der Region Luzern liegen blieben – alle versehen mit einem gelben Zettelchen und dem Hinweis «falsche Bereitstellung». Seit neustem setzt der Entsorgungsverband Real die Vorschriften konsequent durch: Papier und Karton werden nur noch gebündelt mitgenommen. Papiertaschen und lose Schachteln bleiben liegen.

Landet Karton wieder im Abfall?

Nachdem das Thema bereits in den Leserbriefspalten viel Staub aufgewirbelt hat, wird jetzt auch auf politischer Ebene mobil gemacht gegen die neue Sammelpraxis. Die Grünen haben im Grossen Stadtrat ein Dringliches Postulat eingereicht. Stefanie Wyss und Noëlle Bucher fordern darin, der Stadtrat solle sich dafür einsetzen, dass die bisherige Praxis beibehalten wird. Sprich: Karton soll in Papiersäcken und in Schachteln entsorgt werden können. Andernfalls, so fürchten die Grünen, könnte dies die Bestrebungen zur Abfalltrennung hintertreiben und dazu führen, dass wieder vermehrt Karton im Kehricht landet.

Diese Befürchtung hegt auch Luzia Mumenthaler-Stofer (SP). «Es besteht die Gefahr, dass man das eigentliche Ziel aus den Augen verliert – nämlich die Abfalltrennung.» Aus diesem Grund unterstütze sie den Vorstoss der Grünen voll und ganz. Dieser geniesst selbst auf der anderen Seite des politischen Spektrums Sympathien. SVP-Fraktionschef Marcel Lingg glaubt, dass das Postulat grosse Chancen hat. Das Thema Kartonsammlung sei zwar nicht zuoberst auf der SVP-Prioritätenliste. «Aber das Vorgehen von Real ist schon ziemlich kleinlich.» Vor allem das Argument, mit der neuen Praxis liesse sich das illegale Entsorgen von Abfall verhindern, sei nicht logisch – schliesslich könne man auch in gebündeltem Karton Abfälle verstecken.

Auch Sonja Döbeli Stirnemann, FDP-Fraktionspräsidentin, findet das Vorgehen von Real «ziemlich arrogant und wenig kundenorientiert». Markus Mächler (CVP) fügt hinzu: «Gerade für ältere Leute ist das Kartonbündeln kaum praktikabel.» Allerdings habe er auch ein gewisses Verständnis für Real, da die illegale Abfallentsorgung tatsächlich ein Problem darstelle.

«Ein bisschen Schaumschlägerei»

Offiziell thematisiert wurde das Thema noch in keiner Partei. Zudem wird da und dort ein Fragezeichen gesetzt, ob der Vorstoss der Grünen in die richtige Richtung zielt. «Er ist wohl leicht übertrieben», sagt Laura Kopp (GLP). Sie verstehe zwar die Bedenken der Grünen, zweifle aber daran, dass der Stadtrat hier viel bewirken kann. Diesbezüglich macht sich auch Markus Mächler (CVP) wenig Hoffnung und bezeichnet den Vorstoss als «ein bisschen Schaumschlägerei». Anders sieht dies Marcel Lingg (SVP): «Als mit Abstand grösste Gemeinde im Real-Gebiet kann die Stadt Luzern sicher etwas Einfluss nehmen.»

Kriens will Ausnahmeregelung

Bündel-Pflicht? rk.Auch in Kriens ärgert man sich über die neue Praxis beim Kartonsammeln. Gemeinderat Cyrill Wiget sagt: «Für Gewerbebetriebe ist die jetzige Lösung schlicht nicht praktikabel.» Denn übergrosse Verpackungskartons würden weder in Container passen, noch könnten sie mit vernünftigem Aufwand gebündelt werden – «oder sollte der Stift vielleicht den ganzen Tag damit verbringen, Karton zu schneiden?», fragt Wiget, der als Kleinunternehmer selber betroffen ist.

Zwei zusätzliche Karton-Touren

Als Real-Delegierter für die Gemeinde Kriens ist Cyrill Wiget letzte Woche bei der Real-Geschäftsleitung vorstellig geworden. Resultat der «sehr konstruktiven Sitzung», wie Wiget sagt: Kriens soll zwei zusätzliche Sammeltouren pro Monat erhalten, speziell für Karton-Grossverbraucher. Diese sollen dann von der Bündel-Pflicht entbunden werden. Wiget denkt dabei zwar vor allem an Gewerbebetriebe, theoretisch könnten aber auch andere Grossverbraucher, beispielsweise Wohnsiedlungen, von den Zusatztouren profitieren. Bedingung wäre aber eine vorgängige Anmeldung.

«Höchstens geringer Aufpreis»

Wie viel das Zusatzangebot die Gemeinde Kriens oder die Nutzer kosten würde, ist noch unklar – zurzeit wartet man auf eine Offerte von Real. Für Cyrill Wiget ist aber klar, dass es sich höchstens um einen geringen Aufpreis handeln darf, weil sich das Gewerbe bereits heute in stärkerem Ausmass als die Hausbesitzer an den Abfallgebühren beteilige.