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SAMMLER: Autogramm-Jäger: «Ich habe auch den Tour-Sieger, der sich erhängte»

Karl «Kari» Steiner (61) aus Ibach sammelt Unterschriften. Im Interview erzählt er, welches Autogramm er unbedingt noch möchte – es ist nicht jenes von Roger Federer.
Interview Turi Bucher
Karl «Kari» Steiner (61) besitzt zwischen 5000 und 7000 Autogramme. (Bild: Nadia Schärli (Ibach, 26. Juni 2017))

Karl «Kari» Steiner (61) besitzt zwischen 5000 und 7000 Autogramme. (Bild: Nadia Schärli (Ibach, 26. Juni 2017))

Kari Steiner, wie sind Sie zum Autogramm-Sammler geworden?

Ich wurde als 21-jähriger Pöstler vor die Wahl gestellt, in Basel, Genf oder Zürich zu arbeiten. Ich entschied mich für die Sihl-Post in Zürich. Also habe ich mir, der im beschaulichen Rickenbach aufgewachsen war, gesagt: Ich will in den Strassen einer Stadt, in der ich mich nicht auskenne, nicht in den Sumpf geraten. Ich brauche ein sinnvolles Hobby. Exakt am 25. Januar 1977 habe ich mich entschieden, Autogrammkarten von Sportlern zu sammeln.

Und wie haben Sie das angepackt?

In einem Ski-alpin-Magazin entdeckte ich Adressen, bei welchen man Autogramme von Ski-Stars bestellen konnte. Das allererste Autogramm meiner Sammlung stammt von Bernhard Russi. Er hatte damals zweimal die Mythen-Abfahrt gewonnen. Zufällig sah ich dann auch noch, dass Russi am selben Tag Geburtstag hat wie ich.

Seither sind Sie einer der ganz grossen Autogrammjäger der Welt.

Ich weiss die genaue Zahl nicht, ich besitze zwischen 5000 und 7000 Autogramme von berühmten Persönlichkeiten. 2387 davon sind Skirennfahrer. Vom Schweden Ingemar Stenmark allein habe ich 12. In der Sammlung sind auch 300 Radsportler und 60 Formel-1-Rennfahrer. Im Bereich des Skisports besitze ich weltweit die drittgrösste Sammlung.

Ihr liebstes Autogramm?

Sie sind mir alle lieb. Der Markt ist inzwischen ziemlich ausgebrannt. Stolz bin ich beispielsweise auf das Autogramm von René Pottier, dem Tour-de-France-Sieger von 1906. Ein Jahr später erhängte sich Pottier in der Fahrradfabrik, weil ihn seine Frau betrogen hatte.

In Ihrer Sammlung taucht ab und zu auch ein Autogramm auf, das nicht von einem Sportler stammt.

Ja, zum Beispiel jenes von Mutter Teresa. Ihr Autogramm, begleitet von einem ihrer Gebete, rahmte ich ein, als sie selig gesprochen wurde.

Was ist Ihre Sammlung in Franken wert?

Schwierig zu sagen. Es ist sicher ein sechsstelliger Betrag. Alleine die Autogramme von Formel-1-Autorennfahrern sind zirka 40000 Franken wert.

Ist es nicht riskant, diese Sammlung daheim aufzubewahren?

Ein grosser Teil meiner Sammlung ist beim Kantonalen Amt für Kulturpflege im Kollegium Schwyz gelagert. Dies auch aus Sicherheitsgründen. Im Amt für Kulturpflege mache ich auch ab und zu Führungen für Interessierte.

Wie kommen Sie zu Ihren Autogrammen?

Es ist nicht so, dass ich den Stars ständig hinterherreise. Das Meiste suche ich per Briefpost, indem ich beispielsweise Sportverbände anschreibe. Und natürlich gibt es auch Sammlertreffen. Im Oktober findet eines im deutschen Sonthofen statt, dort bin ich selbstverständlich auch dabei. Übrigens: Zu meinem 60. Geburtstag habe ich mir sozusagen selber meine eigene Autogrammkarte geschenkt.

In den Internetbörsen lassen sich sicher auch Spezialitäten finden, oder?

Ich habe keinen Computer, kein Internet, kein Handy. Wenn ich etwas via Internet suchen muss, kann ich am Mittwoch zu meiner Schwägerin oder am Samstag zu meinem Schwager.

Wie bitte? Kein Handy, kein Internet?

Jawohl. Ich habe einmal einen Computerkurs besucht, das hat mir nicht zugesagt. Ich bin halt einer, der in den Bergen aufgewachsen ist. Ganz abgesehen von den ungesunden Strahlen, die diese Geräte aussenden, will ich mein Leben nicht vom Internet bestimmen lassen.

Ich könnte Ihnen noch eine Autogrammkarte von Roger Federer anbieten.

Ach was. Roger Federer habe ich natürlich längst in der Sammlung. Martina Hingis, Patty Schnyder, Belinda Bencic, Andy Hug, Pelé, Fritz Walter, Timo Konietzka, Sergej Bubka, Dario Cologna, das Cabaret Rotstift – die habe ich alle in einem Spezial-Album. Was ich wirklich noch suche, ist die Unterschrift des Slowaken Matej Falat, der 2017 in St. Moritz an der Ski-WM Silber im Teamwettbewerb holte. Das ist ein Autogramm, das mir noch fehlt.

Interview Turi Bucher

arthur.bucher@luzernerzeitung.ch

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