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SAMMLUNG: Museum Root zeigt Kanonenkugeln und Luxus-Ravioli

Die Filmemacher Erich Langjahr und Silvia Haselbeck haben eine spezielle Leidenschaft: Sie sammeln Gegenstände aus früheren Zeiten. Daraus ist ein spannendes Museum entstanden.
Hugo Bischof
Silvia Haselbeck und Erich Langjahr vor den alten Schumacher-Utensilien in ihrem Museum. (Bild: Roger Grütter (Root, 24. Oktober 2017))

Silvia Haselbeck und Erich Langjahr vor den alten Schumacher-Utensilien in ihrem Museum. (Bild: Roger Grütter (Root, 24. Oktober 2017))

An der Luzernerstrasse 16 nahe dem Dorfzentrum in Root steht ein zweistöckiges altes Holzgebäude mit markanten grünen Fensterläden. Viele sind daran wohl schon achtlos vorbeigefahren. Dabei verbirgt sich im Inneren eine Fülle an Gegenständen, von denen jeder eine spannende Geschichte erzählt. Seit 2002 ist hier das Rooter Museum einquartiert. Es ist nur einmal pro Monat geöffnet – jeweils am ersten Sonn­tag von 14 bis 17 Uhr. Übermorgen ist es also wieder so weit.

Schon das Gebäude, ein Bohlenständerbau aus Tannenholz aus dem 17./18. Jahrhundert, ist ein Stück Historie. Wegen seines relativ flachen Dachs, ursprünglich mit Holzschindeln gedeckt und mit Steinen beschwert, heisst es auch Tätschhaus. Es hatte keinen Schornstein, weshalb das Innere ständig vom Rauch des offenen Herdfeuers erfüllt war. Rauchgeschwärzte Bohlen zeugen noch heute davon. Ein «Rauchhaus» eben – heute undenkbar.

Der Störschuhmacher fuhr per Velo zu den Kunden

Speziell ist auch, dass das Museum vom bekannten Filmemacher Erich Langjahr geführt wird – gemeinsam mit seiner Partnerin Silvia Haselbeck, ebenfalls Filmemacherin. Der aus Zug stammende Langjahr kaufte die Liegenschaft 1980 und zügelte sein ganzes Film-Equipment hierher. Während über 35 Jahren, bis vor kurzem, wohnte er auch im Gebäude.

Ein ehemaliger Bewohner des Hauses war Josef Stücheli (1892–1967), letzter Störschuhmacher von Root. «Er fuhr mit dem Velo zu den Leuten und reparierte vor Ort Schuhe, Taschen, Gürtel», erzählt Langjahr. «Hinten auf dem Velo hatte er eine Holzkiste mit Werkzeug.» Er erhielt auch Aufträge der Armee für die Reparatur von Nagelschuhen: «Das hat ihn, seine Frau und ihre elf Kinder in wirtschaftlich schweren Zeiten über Wasser gehalten.» Am Tag, als Langjahr 1981 ins Haus einzog, stand draussen eine grosse Mulde mit Material zum Entsorgen bereit: «Nägel, Hämmer, Schrauben, Leisten, Maschinen, aber auch die Geschäfts- und Haushalts­bücher, die Stücheli in feiner Bleistiftschrift pingelig genau führte, lagen da drin», sagt Langjahr. «Da hat’s mich gepackt. Als Zeitzeuge interessiert mich das, was uns alle geprägt hat.»

Die ganze Gerätschaft des Schuhmachers ist heute liebevoll auf Kommoden oder am Boden im Haus ausgestellt. Besichtigt werden kann auch der winzig kleine, fensterlose Kellerraum, in dem Stücheli seine Werkstatt hatte. Der Stücheli-Nachlass war erst der Anfang. Langjahr und Haselbeck fanden in den Estrichen und Kellern anderer historischer Gebäude, die vor dem Abbruch standen, weitere Gegenstände. Langjahr: «Besonders spannend wurde es, wenn ein Gebäude abgerissen wurde. Da mussten wir jeweils rasch vor Ort sein, und wir waren teilweise überrascht über die Funde.»

Matratzen aus Rosshaar hergestellt

So ist die Ausstellung stetig gewachsen. Wissen Sie, was eine Kardeuse ist? Nein? So eine finden Sie im Museum Root. Albert Herzog (1916–2002) zupfte damit in der 2015 abgerissenen früheren Dorfheimscheune das Rosshaar, das er als Sattler zur Herstellung von Matratzen verwendete. Speziell sind auch zwei alte Coiffeursessel. Ihre Sitzflächen lassen sich um ihre eigene Achse drehen, sodass jeder Kunde neu «einsitzen» konnte. Man fand sie im Estrich des 2013 abgerissenen «Friedheims», auch Haus «Schnyderlilonzi» genannt – nach Leonz Arnet (Lonzi von Leonz), der es 1855 erbaute. Arnet war Schneidermeister, sein Sohn Leonz Arnet-Petermann (1859–1932) ebenfalls, zusätzlich aber noch Coiffeur und Gemeindepräsident, Gemeindeammann und Friedensrichter.

Ein Prachtexponat sind zwei Kanonenkugeln, 7-pfündig und 9-pfündig – also 3 beziehungs­weise 5 Kilo schwer. «Am 23. November 1847 fand in Gisikon die entscheidende Schlacht des Sonderbundkrieges statt», erzählt Langjahr. «Die beiden Kanonenkugeln sind Zeugen aus dieser Zeit.» Würde man in der Gegend graben, fände man wohl noch mehr davon. Im Museum befindet sich auch ein Verzeichnis der beim Einzug der eidgenössischen Truppen entwendeten Kleidungsstücke, Effekten und Küchen­geschirr der armen Dienst- und Lehrschwestern aus der Schulhauswohnung in Root. Auch viele auf den ersten Blick unscheinbare Gegenstände sind zu bestaunen, etwa eine 1-kg-Büchse Rocco Ravioli – damals ein Luxusgut. Sie kostete gemäss einem beiliegenden Inserat der Zeitschrift «Der Sonntag» von 1950 damals Fr. 2.50. «Heute kostet das Kilo Ravioli Prix Garantie in der Büchse im Coop Fr. 2.12», sagt Langjahr. So ermögliche das Museum Root auch «einen Blick in den Alltag des 19. Jahrhunderts».

Hugo Bischof

hugo.bischof@luzernerzeitung.ch;

Hinweis

Museum Root, Luzernerstrasse 16. Geöffnet jeden ersten Sonntag im Monat von 14 bis 17 Uhr. Eintritt frei, Kollekte. Nach Vereinbarung gibt es auch Gruppenführungen. www.museum-root.ch

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