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Interview

Sasa Rasic: «Ich wurde wohl dank meiner Hartnäckigkeit eingestellt»

Sasa Rasic (33) ist seit dem 1. Juli Leiter der «Zentralschweiz am Sonntag». Der Luzerner ist mit einer Kroatin verheiratet, hat Japanologie studiert und wäre deswegen um ein Haar bei einer Aussenstation der Schweizer Handelskammer gelandet.
Roger Rüegger
Sasa Rasic, Leiter der Zentralschweiz am Sonntag. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 11. August 2018))

Sasa Rasic, Leiter der Zentralschweiz am Sonntag. (Bild: Pius Amrein (Luzern, 11. August 2018))

Sasa, in den elf Jahren in unserer Redaktion hast du praktisch nie über Sport diskutiert und schon gar nicht darüber geschrieben. Während der Fussball-WM warst du jedoch Autor mehrerer Artikel. Bist du ein Fussballfan geworden?

Für Sport und vor allem für Fussball interessierte ich mich früher sehr. Ich war ein grosser Fan des VFB Stuttgart mit dem Trio Elber, Balakov, Bobic. Nach dieser Ära habe ich aber irgendwie den Anschluss verloren. Mangels aktueller Kenntnisse war der Sport nicht mehr mein Thema.

Jetzt hast du scheinbar wieder Feuer gefangen. Warum?

Bei dieser WM wurden die Themen Integration und Migration von den Medien derart aufgebauscht, dass ich mich einbringen wollte.

Auch aufgrund deiner Herkunft?

Ja natürlich. Einige Journalisten anderer Medien, die im Zusammenhang der WM den Balkan besuchten und Reportagen und Berichte aus der Region lieferten, wirkten aus meiner Sicht wie Kolonialreporter, die über die Eingeborenen und deren Sichtweisen und Kultur berichteten. Meine Mutter ist Serbin, der Vater Kroate, ich bin in Luzern geboren und aufgewachsen. Mit diesem Hintergrund wollte ich mal etwas aus meiner Sicht erzählen.

Die Themen waren gut nachvollziehbar und interessant dargestellt. Etwa die Geschichte des kroatischen Torwarts, dessen Vater serbisch-orthodoxen Glaubens ist, was bei manchen Kroaten als unmöglich gilt. Warum hast du dich aber nicht zur Debatte mit dem doppelköpfigen Adler geäussert?

Dazu habe ich privat meine Meinung platziert. Aufgrund meines Backgrounds habe ich es unterlassen, mich so kurz nach dem Spiel dazu zu äussern. Ich finde, dass sich nicht alle Parteien dabei sehr geschickt verhielten. Als Halbserbe hätten aber viele nicht meine Aussage gehört, sondern nur meine Herkunft thematisiert.

In einem Artikel hast du erwähnt, dass Serben Sport von Politik und Wirtschaft kaum trennen können. Darin hast du auch die Vetternwirtschaft in Serbien thematisiert, Vorteile, die durch das Parteibüchlein immer noch erlangt werden, den Lohnvergleich zwischen Serbien, Slowenien und Kroatien sowie die Provokation der serbischen Presse gegen die Schweizer Fussballer aus der abtrünnigen Republik Kosovo – notabene auf einer Sportseite.

Genau. Ich bin exakt in die Falle getappt, die ich im Artikel thematisierte.

Genug mit Fussball. Sonst müssten wir auch auf die Japaner und ihre Vorstellungen von Fairness zu sprechen kommen. Dazu hättest du bestimmt auch etwas zu berichten. Du hast Japanologie studiert. Auch eher etwas unorthodox?

Mein Hauptfach war Publizistik. Japanologie habe ich als Nebenfach gewählt. Mit 16 begann ich mit dem Training der japanischen Kampfsportart Kendo. Bei diesem Sport ist es für die Schüler zum Beispiel Pflicht, vor dem Training das Dojo, die Halle, zu reinigen. Das ist eine Form von Respekt. So kleine Besonderheiten haben mein Interesse an dieser Kultur geweckt.

Welches Berufsziel verfolgtest du in der Ausbildung?

Was soll ich sagen. Mit dem Journalismus liebäugelte ich damals auch schon. Aber nicht unbedingt als Redaktor in einer Tageszeitung. Ein Leben als Wirtschaftskorrespondent in Japan hätte ich mir jedoch gut vorstellen können.

Hast du dich darum auch ernsthaft bemüht?

Ja, indem ich mich bei der Schweizer Handelskammer für ein einjähriges Praktikum in Japan beworben hatte. Leider verpasste ich das Ziel knapp. Das Praktikum wurde an eine andere Person vergeben, ich wäre die zweite Wahl gewesen.

Trauerst du dieser verpassten Chance nach?

Nein, das nicht. Aber wer weiss, was heute wäre. Das Land habe ich später dennoch kennen gelernt. Ich war dreimal in Japan, unter anderem habe ich auch auf Reisfeldern gearbeitet, bei Verwandten bei einer damaligen Freundin.

Wie hast du dein Studium finanziert?

Mit online Literatur-Rezensionen, bei der ich mit Büchern bezahlt wurde. Die verschacherte ich jeweils günstig. Ausserdem war ich im Service tätig. Ich habe mich zum Beispiel im einstigen Stadtluzerner Club ABC-Mix vom Garderobenjungen zum Chefgarderobiere hochgearbeitet.

Eine steile Karriere. Wie bist du im Journalismus gelandet?

Bei der Luzerner Zeitung habe ich mich ebenfalls für ein Praktikum beworben.

Die Anforderungen am Maihof sind offensichtlich nicht ganz so hoch wie in Japan, wie es scheint?

Wie man’s nimmt. Ich habe fünf Absagen erhalten und konnte erst mit der 6. Bewerbung einen Fuss in die Redaktionsräume setzen.

Wieso fünf Absagen?

Das weiss ich nicht. Es waren immer andere Begründungen. Da ich mich aber nie damit abgefunden hatte, wurde ich vielleicht dank meiner Hartnäckigkeit eingestellt. Das ist ja eine Eigenschaft, die man von einem Journalisten erwartet. Bei meiner letzten Bewerbung lieferte ich einen Artikel mit, den ich – ohne journalistische Grundlage – verfasst habe. Wahrscheinlich gab das den Ausschlag. Ich füllte als Nebenjob Selecta-Automaten mit Snacks und Süssigkeiten auf. Damals wurden neu Sextoys ins Sortiment aufgenommen. Ich fand, das könnte man gut als Story erzählen.

Wo bist du gestartet?

Im Ressort Region. Eine meiner ersten Aufgaben war es, herauszufinden, wer der sogenannte Todesraser aus Emmen war, der vier Bauarbeiter auf der Autobahn getötet hatte. Ich wurde einfach losgeschickt und musste Detektivarbeit machen. Eine ganz andere Form von Journalismus als jene, die sich ein Publizistikstudent vorstellt. Ich war danach in mehreren Ressorts als freier Mitarbeiter tätig. 2012, fünf Jahre nach meinem Einstieg in die Redaktion, wurde ich festangestellt.

Welches sind deine Lieblingsthemen?

Die gibt es eigentlich nicht. Es sind eher Blöcke, die mich interessieren. Eine Geschichte, auf die ich aber stolz bin, ist die über die heiklen Investments der Nationalbank. Die investierte in Rüstungskonzerne, die nachweislich Streubomben hergestellt haben.

Seit dem 1. Juli bist du Leiter der Zentralschweiz am Sonntag. Warst du als stellvertretender Leiter der logische Nachfolger?

Das war für mich überhaupt nicht das Thema. Ich habe mich für diesen Posten offiziell schriftlich beworben – wie ein Aussenstehender. Damit wollte ich mein Interesse und auch meine Hartnäckigkeit unter Beweis stellen. Auf Büropolitik wollte ich mich nicht verlassen, sondern mit der Bewerbung zuvorkommen.

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