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Interview

«Sascha singt noch besser, als er Fussball kommentiert»

SRF-Sportmoderator Sascha Ruefer (47) führt seit Jahren durch den Volksschlager-Abend auf dem Heitere. Wir trafen den Mann in Sursee.
Interview: Roger Rüegger
Sascha Ruefer führt jeweils durch den Volksschlager-Abend am Heitere Open Air. (Bild: Dominik Wunderli, 9. August 2018)

Sascha Ruefer führt jeweils durch den Volksschlager-Abend am Heitere Open Air. (Bild: Dominik Wunderli, 9. August 2018)

Der Donnerstag der Heitere-Festivalwoche gehört den Schlagerfans. Mich dünkt, darunter sind sehr viele Luzerner. Ist es so?

Sascha Ruefer: Das Volksschlager in Zofingen ist auch ein Fest der Luzerner geworden. Wenn ich bei der Moderation jeweils ins Publikum rufe: «Wo sind die Luzerner?», ist die Resonanz gewaltig.

Was genau lockt die Luzerner in den Aargau?

Innerschweizer sind schlageraffin. Im Sommer pilgern Tausende zu Rosario Galliker auf den «Heitere», im Winter zu Saemi Honegger an die Schlagernacht auf der Luzerner Allmend.

Sie sind inzwischen auch Luzerner und wissen, wovon sie reden. Entdeckten Sie zuerst den Schlager oder den Kanton Luzern als Wohnsitz?

Mit der Schlagermusik bin ich sehr früh in Berührung gekommen. Mein Vater war ein grosser Fan. Er spielte Musik von Andy Borg, Roger Whittaker und Costa Cordalis rauf und runter. Wir wohnten am Schulweg, den viele Klassenkameraden jeden Tag zurücklegten. Da sie bei offenen Fenstern mitbekamen, dass wir praktisch nur Schlagermusik hörten, hielten sie sich nicht zurück mit dem Spott. Die fanden Schlager eben nicht cool.

Schlagerfans werden oft belächelt aufgrund der Texte ihrer Musik. Erleben Sie das auch so?

Schlagerfans müssen sich immer erklären. Ich finde, völlig zu Unrecht. Dieses Publikum wird unterschätzt, aber warum? Die Leute finden in der Musik ihr Seelenheil und das ist doch, was sie suchen. Was daran falsch ist, weiss ich nicht.

Traumatisiert sind Sie nicht, sondern Sie haben den Zugang zur Schlagermusik gefunden. Wo begann Ihre Karriere in der Schlagerwelt?

Beim Schweizer Fernsehen gibt es für mich nicht nur Sport. Ich war bei der Sendung «Hit auf Hit» Ersatzmoderator des Urner Schlagersängers Leonard, bin also auch beruflich früh bei der Unterhaltungsmusik gelandet. Ab 2004 moderierte ich mit Monika Fasnacht die Schweizer Ausscheidung zum Grand Prix der Volksmusik, es folgten weitere Engagements und Sendungen. Schliesslich fragte mich Rosario Galliker für die Moderation des Volksschlagers an.

Das war vor 15 Jahren. Als Moderator sind Sie zwar Profi, was nicht zwingend bedeutet, dass Sie auch singen müssten.

Mache ich doch nicht.

Was denn, der Heitere wartet doch nur darauf, dass der Ruefer «S Vogulisi» singt?

Als Moderator muss ich zwischen zwei Künstlern das Geschehen aufrecht halten. Flacht die Stimmung ab, gebe ich ein paar Takte von einem Lumpenliedli vor. Eben «S Vogulisi» oder «Ein Stern». Sofort singen die Leute mit, das funktioniert.

Das sage ich doch.

Dies sind nur Moderationselemente. Mit Singen hat das nichts zu tun, ich kann es nicht und der Respekt gegenüber Künstlern verbietet mir, mich Sänger zu nennen.

Sie haben 2009 am GP der Volksmusik «Anita» vom kürzlich verstorbenen Costa Cordalis vorgetragen. Dem Griechen hat’s gefallen, er sagte: Sascha singt noch besser, als er Fussball kommentiert. Was meinte er wohl?

Ich habe mich köstlich darüber amüsiert. Costa war ein Sportfan. Er nahm einmal als Langläufer an olympischen Spielen teil und hatte sich auf SRF oft die Champions League angesehen. Er mochte es, mich zu necken. Wir hatten ein freundschaftliches Verhältnis. Sein Tod erreichte mich via SMS der Familie. Es hat mich sehr getroffen. Mit ihm ist ein Grosser der Schlagerszene gestorben.

Bei Schlagerfans kommen Sie gut an. Fussballfans stehen weniger geschlossen hinter Ihnen. Wie gehen Sie damit um?

In der Musik wie im Sport sind neben der Freude auch Emotionen im Spiel. Meine Art zu moderieren gefällt sicher nicht allen, dessen bin ich mir bewusst. Ich ziehe bei meiner Arbeit aber keine Show ab, um mich zu inszenieren. Ich gebe mich so wie ich bin. Kritik der Sportfans nahm ich am Anfang sehr persönlich. Auf sozialen Medien war nicht nur Fairplay. Schlagerfans kritisieren mich zwar auch, aber auf andere Weise. Da beschwert sich vielleicht jemand per Mail, dass ich immer dieselben Sprüche bringe oder dass ich zu schnell spreche. Damit kann ich etwas anfangen. Schlagerfans sind anständige Leute.

Wie ist Ihr Verhältnis zu Sportlern und wie kommen Sie mit den Künstlern in der Schlagerszene zurecht?

Verschieden. Mit einigen Schlagersängern bin ich – wie eben mit Costa – befreundet. Sportler hingegen begleite ich journalistisch und daher auch kritisch. Zu ihnen ist das Verhältnis distanziert und eher kühl.

Das Volksschlager in Zofingen ist fast immer ausverkauft. 8000 Fans tanzen und singen auf dem Heiternplatz. Die Magic Night am Tag zuvor mit internationalen Rockbands erreicht nie solche Zahlen. Warum?

Das hat viel mit der Person Rosario Galliker zu tun. Der Luzerner Organisator holt bei jedem Besucher, der ein Ticket bestellt hat, eine Rückmeldung ein. Es interessiert ihn, was die Leute wollen und was ihnen missfällt. Er setzt sich mit dem Publikum auseinander und die Leute bewerten das Volksschlager.

Was geht in Ihnen vor, wenn Sie dort unter den Linden auf der Bühne stehen?

Der Heitere ist der einzige Ort, an dem ich noch nervös werde. Vor 8000 Schlagerfans zu stehen, ist gewaltig. Die Leute sind auf dem «Heitere» sehr nahe an der Bühne, sodass man jede Bemerkung mitbekommt.

Ihr Highlight in Zofingen?

Als die Fans vor zwei Jahren Beatrice Egli bei meiner Ansage ausbuhten, intervenierte ich und mahnte, dass wir so etwas nicht machen. Eglis Management hatte beschlossen, dass es keine Autogramme mit der Künstlerin, keine Selfies und auch kein Zusammenschnitt fürs Fernsehen SRF gibt. Die Buhrufe verstummten sofort wieder.

Das Publikum hört auf Sie?

Ja. Schlagerfans sind dankbar.

Am Volksschlager sind namhafte Künstler aufgetreten. So auch Helene Fischer. Wie erlebten Sie die Frau?

Dass sie trotz ihres Erfolgs unkompliziert und sehr natürlich ist – was nicht einfach ist, bei dem Hype. Unser Kontakt ist weniger geworden. Das Lied Atemlos ist übrigens in der Zentralschweiz entstanden.

Denken Sie, dass die Frau in absehbarer Zeit wieder auf dem «Heitere» auftritt?

Helenes letzter Auftritt auf dem «Heitere» war eine spontane Aktion, typisch für Helene. Eine Idee, ein Anruf und schwups war Sie da. Ich bin sicher, dass Sie bald mal wieder in Zofingen auf der Bühne steht.

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