SBB wollen bedienten Bahnschalter in Nebikon schliessen – Gemeinde lanciert Petition

Die SBB haben entschieden, den bedienten Bahnschalter in Nebikon zu schliessen. Die Gemeinde ist insbesondere mit dem «abrupten Vorgehen» des Bahnunternehmens nicht einverstanden.

Lucien Rahm
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Noch rund zwei Monate lang sollen Bahnkunden ihr Billett in Nebikon bei einer realen Person am Schalter kaufen können. Am 1. Juni soll damit Schluss sein. Die SBB haben entschieden, einen der letzten bedienten Schalter der Region zu schliessen, wie der Willisauer Bote am Freitag berichtet.

Erich Leuenberger. (Bild: PD)

Erich Leuenberger. (Bild: PD)

Dass es plötzlich so schnell gehen soll, darüber ärgert sich der Nebiker Gemeindeammann Erich Leuenberger (FDP). «Das abrupte Vorgehen verunmöglicht es den Bahnkunden, sich optimal auf den Wechsel vorzubereiten.» Zwei Monate seien zu kurz. Er hätte sich gewünscht, der Bevölkerung eine Umgewöhnungszeit von zwei Jahren zu geben. Denn es gebe immer noch Leute in der Region, die mit den Billettautomaten oder -apps nicht zurechtkämen. Hierbei denke er an ältere Leute oder auch an die Menschen mit Behinderung, welche die Nebiker Institution Villa Erica besuchen. «Diese hätten es in den zwei Jahren Vorlaufzeit vielleicht noch lernen können.» Für sein Anliegen, das überdies von den umliegenden Gemeinden unterstützt wird, hätten die Bundesbahnen allerdings kein Gehör gehabt, so Leuenberger. «Auf unser Wiedererwägungsgesuch gingen sie nicht ein.»

Schalter verursacht fast 100'000 Franken Defizit

Die SBB begründen ihren Entscheid unter anderem mit den abnehmenden Umsätzen am Schalter. Pro Stunde sei es 2018 in Nebikon im Schnitt zu sechs Verkäufen gekommen, teilt SBB-Mediensprecher Reto Schärli auf Anfrage mit. Im aktuellen Jahr liege der Wert noch tiefer. Im Gegensatz zu den rückläufigen Absätzen nehme die Selbstbedienungsquote in Nebikon zu. Mittlerweile würden knapp 90 Prozent der Tickets via App oder am Automaten bezogen.

Problematisch sei aber auch die Wirtschaftlichkeit des bedienten Schalters, so Schärli. 2017 verursachte er ein Defizit von rund 96'000 Franken. Für Gemeindeammann Leuenberger ein tragbarer Verlust. «Wenn man den gesamten Umsatz mit allen Abonnements und Billetts in Nebikon berücksichtigt, kommt man auf über eine Million Franken.» Dieser Umsatz werde jedoch nach einem «komplexen Verteilschlüssel innerhalb der ÖV-Branche» verteilt und nur ein gewisser Anteil bleibe den SBB für die Kostendeckung des Schalters, so Schärli.

Was mit den freiwerdenden Räumen am Bahnhof Nebikon passieren soll, lässt Schärli noch offen: «Wir werden in den kommenden Monaten prüfen, welches Angebot den Bedürfnissen der Kunden am besten Rechnung trägt.» Bei einem Treffen mit Gemeindeammann Leuenberger erklärten SBB-Vertreter bereits, dass die Wohnung im Obergeschoss des Bahnhofgebäudes bestehen bleiben und die freien Flächen im Erdgeschoss vermietet werden sollen. Zudem soll die Verlegung oder Verkleinerung des Kiosks geprüft werden.

Trifft es bald auch weitere Bahnschalter im Kanton?

Für die Nebiker wären nach der Schliessung ihres bedienten Schalters jene in Sursee, Zofingen oder Menznau die nächstgelegenen Möglichkeiten. Weitere gibt es im Kanton Luzern danach noch an zehn Standorten (siehe Box unten). Welche davon es als Nächstes mit einer Schliessung trifft, könne die SBB derzeit nicht sagen. «Wir überprüfen Jahr für Jahr neu, wie sich die Kennzahlen der einzelnen Schalter entwickeln», sagt Schärli. Unterschreiten Kundenfrequenz und Umsatz gewisse Grenzen, seien die SBB von ihrem Besitzer, dem Bund, dazu verpflichtet, Massnahmen zu ergreifen.

Dennoch: Erich Leuenberger will den Kampf für den Nebiker Schalter noch nicht aufgeben. Zusammen mit den Gemeinden Altishofen, Dagmersellen, Ebersecken, Egolzwil, Schötz und Wauwil werde der Nebiker Gemeinderat nächste Woche eine Petition für den Erhalt des Schalters lancieren. Mitte April sollen die gesammelten Unterschriften der SBB-Generaldirektion übergeben werden, so Leuenberger. «Das sind wir der Bevölkerung in der Region schuldig.»

Bediente Bahnschalter im Kanton Luzern

Gemäss der Webseite der SBB gibt es im Kanton Luzern derzeit bediente Bahnschalter an folgenden Standorten:

- Emmenbrücke
- Hochdorf
- Luzern
- Menznau
- Nebikon (bis 31.5.)
- Schüpfheim
- Sursee
- Vitznau (Rigibahn)
- Weggis
- Willisau
- Zell

(lur)