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Schachen: Ausbaupläne von Alcosuisse sorgen für Skepsis

Knapp ein Jahr ist es her, seit das Alkohollager in Schachen an die Firma Thommen-Furler übergegangen ist. Diese hat nun über die Pläne orientiert. Die Bevölkerung stellte kritische Fragen.
Martina Odermatt
Thommen-Furler will die Vorteile des Standorts Schachen nutzen, etwa die bereits vorhandenen Gleise auf dem Areal.Bild: Nadia Schärli (18. Oktober 2016)

Thommen-Furler will die Vorteile des Standorts Schachen nutzen, etwa die bereits vorhandenen Gleise auf dem Areal.Bild: Nadia Schärli (18. Oktober 2016)

Vor gut einem Jahr wechselte das 17 Millionen Liter umfassende Alkohollager Alcosuisse in Schachen den Besitzer. Bis dahin gehörte das Lager, 1941 zur Sicherung der Landesversorgung gebaut, dem Bund, denn: Der Markt wurde 2017 liberalisiert.

Mitte 2018 übernahm die Firma Thommen-Furler mit Sitz in Rüti bei Büren im Kanton Bern die Alcosuisse mit den Standorten in Schachen und Delémont. Seit diesem Zeitpunkt gab es im Dorf diverse Gerüchte über die Pläne, welche die Firma in Schachen zu realisieren beabsichtigt.

«Es ist deshalb wichtig, bereits von Anfang an transparent zu sein», so Gemeindepräsident Beat Bucheli (CVP) am Mittwoch an der extra dafür einberufenen Orientierungsversammlung. Der CEO der Thommen-Furler AG, Franz Christ, wollte der Bevölkerung die Firma sowie sein Vorhaben mit der Alcosuisse näher bringen. Das Interesse der Bevölkerung war dementsprechend gross: Die zur Verfügung gestellten Plätze reichten bei weitem nicht, schnell wurden zusätzliche Stühle herangekarrt: Mehr als hundert Interessierte waren anwesend.

Entsorgungsaktivitäten sind ausgeschlossen

«Die Pläne sind noch nicht in diesem Masse ausgereift, als dass wir euch ganz genau sagen können, was wir wann wo vorgesehen haben. Aber wir können euch sagen, was wir in Schachen sicher nicht beabsichtigen», sagte Christ. So will der Konzern, der auf die Distribution von Chemikalien, Spezialitäten- und Schmierstoff sowie die Entsorgung und das Recycling von Industrie- und Sonderabfällen spezialisiert ist, in Schachen keinen Recycling-Standort ansiedeln. «Unsere drei bisherigen Standorte laufen gut, sind wenn nötig auch ausbaufähig», betonte Christ.

Klar ist für Christ auch: «Wir wollen den Standort Schachen beleben.» Aktuell zählt der Standort neun Mitarbeiter. 25 bis 30 sollen es in Zukunft sein. Doch der Aufbau brauche Zeit. Primäres Ziel für den Konzern ist laut Christ die Erhaltung des Markts. Durch das Herstellen, Konfektionieren und Abfüllen von ethanolbasierten Produkten will er die Wertschöpfung erhöhen. Neben der Nutzung von Synergien etwa im IT-Bereich, wolle er auch die Vorteile der Anlage, etwa die vorhandenen Gleise, nutzen und stärken.

Christ zieht in Erwägung, dort ein Bahnverkehrsunternehmen anzusiedeln. Auch eine Transferstation von Schiene und Strasse zieht er in Betracht. Dabei wolle man vom sogenannten «Nachtsprung» profitieren, die Güter also nachts auf der Schiene transportieren. Eine Option, welche die Anwesenden mit Skepsis zur Kenntnis nahmen. Bereits jetzt sei der nächtliche Schienenverkehr teilweise ein Problem. Noch mehr Züge, die zu dieser Zeit verkehren, wären eine Einbusse der Lebensqualität. Christ entgegnete: Vornehmlich gehe es um die Wartung, Erhaltung und Reparatur von Lokomotiven, man wolle nicht zu einer zweiten SBB werden.

Auch ein anderes Vorhaben kam bei den Bürgern nicht gut an. Der Konzern will die «Verkehrsströme entflechten», wie Christ erläuterte. Aktuell hat noch ein weiteres, in diesem Gebiet ansässiges Unternehmen durch die gemeinsame Nutzung des Zufahrtsweges Zugang zum Alcosuisse-Areal. Die Bewohner fürchten auch hier Mehrverkehr, der durch das Quartier führt – und einen Eingriff in das Naherholungsgebiet, das nach der Unterführung beginnt. Auch bei der möglichen Transferstation wurden diese Sorgen geäussert. Christ erläuterte, dass diese primär für eigene Zwecke gebraucht werden würde.

Philosophie des Gebens und Nehmens

«Wir sind hier, um den Puls zu fühlen, eure Bedenken zu hören und gemeinsam eine Lösung zu finden», sagte Christ auf die geäusserte Kritik. Dem Unternehmer ist die Philosophie des «Gebens und Nehmens» ein wichtiges Anliegen. Noch sei nichts in Stein gemeisselt. «Es ist normal, dass bei so einem Projekt Fragen auftauchen. Deshalb sind wir hier.»

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