SCHACHEN: Eine «Schanze» sorgt für Ärger

Der Kanton will zwischen Malters und Werthenstein eine Brücke neu bauen. Das Projekt sei völlig überdimensioniert, findet man in den Gemeinden. Nun hat das Gericht das letzte Wort.

Sandra Monika Ziegler
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Die Rümligbrücke in Schachen soll doppelt so breit und um einen Meter erhöht werden. (Bild Manuela Jans)

Die Rümligbrücke in Schachen soll doppelt so breit und um einen Meter erhöht werden. (Bild Manuela Jans)

Sandra Monika Ziegler

Die Kantonsstrasse zwischen Malters und Werthenstein führt in Schachen über die Rümligbrücke. Sie wurde 1925 erstellt und ist in schlechtem Zustand. Deshalb und auch weil die Strassenbreite von 5,5 Metern nicht mehr den Standards für Kantonsstrassen entspricht, soll die Brücke neu gebaut werden (Ausgabe vom 29. September). Das stösst in den betroffenen Gemeinden Malters und Werthenstein aber auf massiven Widerstand. Bereits im Mai haben die Gemeinderäte beider Gemeinden einen Brief an die Regierung geschrieben. Darin taten sie ihren Unmut über das Neubauprojekt kund. Stein des Anstosses ist insbesondere die vorgesehene Erhöhung der Fahrbahn um knapp einen Meter. Das ist gemäss Kanton nötig, um den Anforderungen des Hochwasserschutzes zu genügen. In Malters spreche man denn auch bereits von der «Schanze von Schachen», schreibt der Malterser Gemeinderat in der jüngsten Ausgabe des «Info Malters». Denn mit der blossen Erhöhung der Brücke ist es nämlich nicht getan. Um den Niveauunterschied auszugleichen, muss die ganze Kantonsstrasse auf einer Länge von 230 Metern kontinuierlich angehoben werden.

Brücke wird doppelt so breit

Neben der Höherlegung der Fahrbahn sieht das Neubauprojekt des Kantons vor, die Brücke deutlich zu verbreitern. Geplant sind zwei Fahrspuren von je 3,5 Metern Breite und beidseitig ein 2,7 Meter breiter Rad- und Gehweg. Damit erhält die Brücke eine Gesamtbreite von 12,4 Metern und wird also gut doppelt so breit wie heute. Auch das sei zu viel, dafür werde die Brücke zu wenig benutzt, findet man in Malters und Werthenstein.

Das Geschäft ist nun in der Novembersession des Luzerner Kantonsrates traktandiert. Dann wird für den Ersatz der Rümligbrücke inklusive der Anpassung des Rümligbachs ein Sonderkredit von 5,4 Millionen Franken beantragt.

Hans Ruedi Ramseier, Abteilungsleiter Bau, Verkehr und Infrastruktur (VIF), verteidigt die geplante Erhöhung der Fahrbahn. «Es muss genügend Freibord vorhanden sein. Andernfalls würde bei einem Hochwasser das Wasser gestaut und flösse in die angrenzenden Liegenschaften.» Auch die Idee, die Bachsohle des Rümligs abzusenken, funktioniere nicht. Ramseier begründet: «Bei Hochwasser würde das Geschiebe die Vertiefung sofort wieder auffüllen.» Dennoch gehört zum Neubauprojekt nicht nur eine neue Brücke, sondern gehören auch Anpassungen beim Rümligbach selber. Dieser soll über eine Länge von 80 Metern verbreitert werden.

Da die Einwände der Gemeinderäte vom vergangenen Mai nichts gefruchtet hatten, schickten sie kürzlich erneut einen Brief an die Regierung. Darin verlangen sie eine grundsätzliche Neubeurteilung des Projekts. Sie fordern eine Gesamtbetrachtung, in der auch die Eisenbahnbrücke berücksichtigt wird, die 50 Meter von der Strassenbrücke entfernt den Rümlig überquert. Auch diese genügt dem Hochwasserschutz nicht. Doch da man eine Eisenbahnbrücke nicht einfach so anheben könne, werde eine Ausbaggerung des Baches ohnehin bald ein Thema.

«Unser Ziel ist, immer für beide Seiten eine gute Lösung zu finden. Teilweise konnten Einwände beseitigt werden», sagt dazu Hans Ruedi Ramseier. Einigen konnte sich der Kanton zumindest mit fünf privaten Einsprechern – die Einigung sei dank «minimalen Anpassungen» erzielt worden. Dabei sei es etwa um Zufahrten zu angrenzenden Liegenschaften und Sichtweiten gegangen.

Kanton: Kein Gehör für Gemeinden

Zwei weitere Einsprachen sind aber weiterhin hängig. Die Einsprecher sorgen sich um die Verkehrssicherheit – durch die Anhebung der Fahrbahn werde die Sicht eingeschränkt. Sie fordern deshalb, die Brücke nur um einen halben Meter zu erhöhen. Diese Forderung lehnte die Regierung aber ab – genauso wie die von den Gemeinden gewünschte Neubeurteilung: «Zur Zeit ist das kein Thema», sagt Hans Ruedi Ramseier. Was die beiden privaten Einsprachen betrifft, muss nun das Kantonsgericht entscheiden. Die Einsprecher akzeptierten nämlich den ablehnenden Regierungsentscheid nicht.