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SCHACHEN: Nicole Kurmann: «Mit dem Schwingen begann ich aus Protest»

Der Frauenschwingclub Steinhuserberg führt am Samstag erstmals das Eidgenössische Frauen- und Meitlischwingfest durch. Die OK-Präsidentin weiss, wie man sich im Sägemehl behauptet.
Roger Rüegger
Voller Einsatz: Nicole Kurmann (Mitte) trainiert ihre Schützlinge. (Bild: Philipp Schmidli (Hergiswil NW, 18. September 2017))

Voller Einsatz: Nicole Kurmann (Mitte) trainiert ihre Schützlinge. (Bild: Philipp Schmidli (Hergiswil NW, 18. September 2017))

Sie ist eine Kämpfernatur im wahrsten Sinne des Wortes. Im Sägemehlring legt sich Nicole Kurmann heuer jedoch mit keiner Gegnerin an, da sie sich im April im Training eine Knieverletzung zugezogen hatte. «Ich wollte dieses Jahr nach meinem letzten Wettkampf im 2013 ein Comeback geben. Daraus wird nun nichts», sagt die 32-jährige Floristin aus Rotkreuz, ohne dass sie deswegen betrübt wirkt.

Sie weiss sich aber auch ­abseits der Arena zu behaupten. Aktuell als OK-Präsidentin des Eidgenössischen Frauen- und Meitlischwingfests, das der Frauenschwingclub Steinhuserberg am Samstag in Schachen durchführt.

Mit Unterstützung der Schwinger

Die Schwingerinnen aus Wolhusen sind zum ersten Mal Gastgeberinnen eines Eidgenössischen. Bei ihrem Debüt können sie auf die Unterstützung des Schwingklubs Wolhusen zählen, der am Sonntag das 38. Herbstschwinget durchführt. «Es ist uns eine grosse Hilfe, dass wir die bestehende Infrastruktur nutzen dürfen. Wir haben uns mit den Männern des Schwingklubs im Dezember an einen Tisch gesetzt. Nach einigen Sitzungen beschlossen wir, das Wochenende zusammen durchzuführen», erklärt Kurmann.

Philipp Kammermann, OK-Präsident des Herbstschwingets, musste bei einigen Männern ein wenig Überzeugungsarbeit leisten. «Es gab vorab Diskussionen, bald aber war den meisten sonnenklar, dass es für den Sport und den Anlass grünes Licht geben muss. Es ist ja auch eine Chance für unser Schwinget, weil das Publikum am Wochenende mit den zwei Anlässen ein anderes sein wird.» Über die OK-Präsidentin der Schwingerinnen sagt er: «Sie engagiert sich extrem für den Sport. Bei ihr laufen alle Fäden zusammen, und bei gemeinsamen Sitzungen wurden Lösungen immer auf einfachen Wegen gefunden. Ohne sie gäbe es das Frauenschwingen wohl nicht.»

Das Zusammenspiel zwischen den beiden voneinander unabhängigen Schwingklubs der Frauen und Männer aus Wolhusen funktioniert also einwandfrei, was in der Welt der Schwinger ja bekanntlich nicht unbedingt eine Selbstverständlichkeit ist.

Mit 16 zum ersten Mal im Sägemehlring

Nicole Kurmann, die in einer Schwingerfamilie auf dem Menzberg aufwuchs, lernte früh, sich durchzusetzen. Mit 16 betrat sie zum ersten Mal den Sägemehlring. «Mein Vater war zigmal OK-Präsident des Menzbergschwingets. Ich wollte ihm zeigen, dass Frauen auch gut schwingen können. Eigentlich begann ich aus Protest», sagt Kurmann, die bisher insgesamt neun Kränze gewann, gestenreich.

Dass Schwingen für sie weit mehr als nur ein Hobby ist, beweist ihr Engagement in vier Schwingklubs. Neben ihrer aktiven Tätigkeit sowie 13 Jahren im Vorstand im Frauenschwingclub Stein­huserberg trainiert sie bei der Schwingersektion Hergiswil NW die Junioren, ist Passivmitglied beim Schwingklub Luzern und Umgebung und amtet beim Oberaargauischen Schwingerverband als Funktionärin. Für diesen Verband war Kurmann die erste und bisher einzige Frau, die als Kampfrichterin bei Männern eingesetzt wurde. Allerdings hat der Eidgenössische Schwingerverband sie nach nur zwei Einsätzen aus dem Sägemehl geholt. «Um mich vor Kritik zu schützen und weil ich nicht der Tradition entspreche, war die offizielle Begründung», sagt sie und kann sich ein Lachen nicht verkneifen. Aus gutem Grund. «Beim Frauenschwingen war ich jahrelang Kampfrichterin. Offenbar machte ich meine Sache nicht schlecht, denn ich wurde angefragt, ob ich beim Buebeschwinget richten wolle, da zu wenig Kampfrichter zur Verfügung standen.»

Wütend oder traurig ist sie deswegen nicht. Dazu hat sie keine Zeit, denn sie muss sich voll auf den Anlass vom Samstag konzentrieren. Dort wird sie übrigens mit einer Einzigartigkeit aufwarten: Die Kränze am Frauen- und Meitlischwingfest werden anstelle von Ehrendamen von Ehrenherren verliehen. «Wir haben dafür fünf Kranzschwinger gewinnen können», sagt Nicole Kurmann freudig. Namen nennt sie keine. «Wen’s interessiert, soll vorbeikommen.» Sie rechnet bei gutem Wetter mit 1500 Besuchern. Angemeldet haben sich 122 Schwingerinnen.

Roger Rüegger

roger.rueegger@luzernerzeitung.ch

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