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SCHACHEN: Nüchterner Blick ins Alkohollager

Seit 75 Jahren lagern in Schachen etliche Millionen Liter Alkohol. Doch die Zukunft des Bundesbetriebes ist offen – denn spätestens ab 2019 wird der Schweizer Ethanolmarkt vollständig liberalisiert.
Martina Odermatt
Rund 17 Millionen Liter Alkohol sind in Schachen eingelagert. Bild: Nadia Schärli (Schachen, 18. Oktober 2016)

Rund 17 Millionen Liter Alkohol sind in Schachen eingelagert. Bild: Nadia Schärli (Schachen, 18. Oktober 2016)

Schummrig, feucht und kalt ist es in diesem Gang. Die Decke gewölbt und niedrig. Links und rechts verlaufen Rohre und Pumpen entlang der Wände. Es riecht nach Keller. Am Ende des Gangs ist eine Treppe, die hinaus ins Freie führt. Dort wird eine Tür sichtbar, die in den Emmenberg hineinführt. Als Simon Häfliger (38), Betriebsleiter des Alkohollagers Schachen, die Türe aufschliesst, kommen 16 grosse Tanks zum Vorschein, die je 300 000 Liter fassen: Wir sind im Alkohollager der Alcosuisse in Schachen bei Malters. Hier lagern ungefähr 17 Millionen Liter Alkohol, oder besser gesagt Ethanol – alles im Auftrag des Bundes. Das Alkohollager gehört zur Eidgenössischen Alkoholverwaltung (EAV).

1941 wurden zur Sicherung der Landesversorgung zwei Stollen mit gesamthaft 24 Tanks in den Emmenberg gebaut. Er sollte das Ethanol vor möglichen Fliegerbomben schützen. Damals wurde ungefähr die Hälfte des Ethanols für die Trinkalkoholproduktion gelagert, die andere Hälfte ging an die Industrie. Heute ist das Verhältnis weniger ausgewogen. Lediglich 5 Prozent des gelagerten Ethanols werden zu Trinkalkohol. Der Rest wird denaturiert – also ungeniessbar gemacht. Dies, damit der in den Produkten enthaltene Alkohol nicht konsumiert werden und der Markt zwischen dem nicht besteuerten industriellen Ethanol und dem besteuerten Trinkalkohol sichergestellt werden kann.

Alkohol begleitet uns den ganzen Tag – ob im Deodorant, Parfüm, der Hautcreme, dem Putzmittel oder dem Aperitif: Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Produkte Ethanol enthalten, ist gross.

Zangengeburt Alkoholgesetzrevision

Die Aufgabe der Alcosuisse war es bislang, die Schweizer Wirtschaft kostendeckend mit Ethanol zu versorgen. Das Unternehmen darf aus dieser Tätigkeit also keinen Gewinn generieren. Mit der Revision des Alkoholgesetzes soll sich dies ändern. Nachdem bisher alle Totalrevisionen vom Parlament abgeschmettert wurden, schlug der Bund im April eine Teilrevision in zwei Schritten vor. Zuerst soll die EAV in die Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) integriert werden. Danach stehen die Privatisierung von Alcosuisse und die Liberalisierung des Ethanols an. «Die Liberalisierung macht Sinn, denn die Schweiz ist eines der letzten Länder in Europa, in denen Ethanol noch durch den Staat selber importiert und vertrieben wird», sagt Nicolas Rion, Mediensprecher des EAV. Ab dem 1. Januar 2017 werden die Standorte Bern und Delémont in eine Aktiengesellschaft umgewandelt.

Um einer Schliessung des Standorts Schachen vorzubeugen, wird dieser erst in die Alcosuisse AG integriert, wenn der Käufer einen Nutzen für zwei Betriebe hat. Andernfalls wird ein separater Verkauf angestrebt. Was dann jedoch mit dem Betrieb passiert, ist offen. Mitte 2018 soll die AG veräussert werden. «Die Verkaufsverhandlungen starten erst nach der Aktivierung, also ab Anfang 2017», sagt Rion.

Auf dem Aussengelände stehen 14 weitere Tanks. Im Gegensatz zu jenen im Stollen fassen diese jedoch eine Million Liter pro Tank. Ungefähr 75 Tonnen oder 93000 Liter Ethanol liefert die Alcosuisse täglich an ihre rund 1200 Kunden. Bezogen wird das Ethanol zu hundert Prozent aus dem Ausland. Brasilien, Pakistan, Frankreich oder die Ukraine beliefern das Unternehmen. Per Schiff wird der Alkohol nach Holland transportiert und kommt nachher mit der Bahn in Waggons nach Schachen.

Sicherheitsvorkehrungen werden grossgeschrieben

Überraschenderweise riecht man den Alkohol überhaupt nicht. Und das soll laut Häfliger auch so sein: «Auf der ganzen Anlage sind Sensoren installiert, die sofort Alarm schlagen, falls irgendwo Gas oder Alkohol austritt.» Alkohol ist ein Gefahrengut und die Sicherheitsvorkehrungen dementsprechend hoch. Auf dem ganzen Gelände gilt striktes Rauch-, Handy- und Fotografieverbot. Zu gross das Risiko, dass diese elektrischen Geräte Funken schlagen und mit dem hoch entzündlichen Stoff in Kontakt kommen – trotz der auf dem ganzen Betrieb installierten Brandmeldeanlage. Auch Sprinkleranlangen sind installiert.

Bei einem Brand können die Mitarbeiter unter anderem auch Schaummittel in den Tank pumpen oder einen Schaumteppich in die Auffangwannen, in welchen die Aussentanks stehen, sprühen. «Alle diese Punkte werden von unserer internen Löschgruppe regelmässig geprobt und die Sicherheitsanlagen auf ihre Funktion überprüft.» Die interne Löschgruppe sind die neun Mitarbeiter der Alcosuisse. Sie alle müssen feuerwehrtechnische Grundlagen erlernen, sodass sie im Notfall eingreifen könnten. Dies ist laut den Kenntnissen des EAV-Sprechers Rion bis jetzt noch nicht nötig gewesen.

Martina Odermatt

In Schachen wird seit dem zweiten Weltkrieg Alkohle gelagert im Auftrag vom Bund. (Bild: Nadia Schärli)
Das Ethanol wird mit Zügen transportiert. (Bild: Nadia Schärli)
Es lagern dort etliche Millionen Liter Alkohol. (Bild: Nadia Schärli)
Ethanol-Tänke in Schachen. (Bild: Nadia Schärli)
Diese sind 75 Jahre alt – und die Zukunft ist ungewiss. (Bild: Nadia Schärli)
Zahlreiche Produkte werden unter Beigabe von Ethanol hergestellt. (Bild: Nadia Schärli)
6 Bilder

Alkohollager in Schachen

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