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SCHACHEN: Röösli sattelt Pferde mit Mass

Röösli Sattelbau wird 50 Jahre alt. Das Familienunternehmen behauptet sich erfolgreich im rauen Markt – auch dank dem Support von Spitzensportlern.
Seit 50 Jahren produziert Röösli Sattelbau für Reiter und Ross. Unser Bild zeigt Jasmin und Urs Röösli, sie führen die Geschäfte in Schachen in zweiter Generation. (Bild Corinne Glanzmann)

Seit 50 Jahren produziert Röösli Sattelbau für Reiter und Ross. Unser Bild zeigt Jasmin und Urs Röösli, sie führen die Geschäfte in Schachen in zweiter Generation. (Bild Corinne Glanzmann)

Röösli Sattelbau in Malters. Im Bild: (v.l.) Urs und Fredy Röösli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Mitarbeiter Bruno Egli bezieht das Sattelgestell mit Leder. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Mitarbeiterin Geraldine Trutmann ist konzentriert bei der Arbeit. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Die Firmeninhaber Jasmin und Urs Röösli. (Bild: Corinne Glanzmann / Neue LZ)
Fredy Röösli, fotografiert im Jahr 2000 mit seiner Stute Minka. (Bild: Archiv Neue LZ)
Ebenfalls eine ältere Aufnahme: Fredy Röösli legt seiner Stute einen seiner Sattel an. (Bild: Archiv Neue LZ)
Fredy Röösli, Vater des heutigen Geschäftsführers, anno 1968 in seiner Werkstatt in Luzern. 1972 erfolgte der Umzug nach Schachen. (Bild: PD)
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Sattelbau Röösli in Schachen

Es riecht nach Leder, wenn man das Geschäft an der Bahnhofstrasse 1 in Schachen betritt. Kein Wunder, schliesslich befindet sich hier die Produktionsstätte der Röösli Sattelbau AG. «Das Leder rieche ich schon lange nicht mehr», sagt Urs Röösli und lacht über die eigene Geruchsblindheit. Der 47-Jährige führt mit seiner Frau Jasmin in zweiter Generation die Geschäfte. Den richtigen Riecher bewies sein Vater Fredy, als er 1965 in Luzern eine Reitsportsattlerei übernahm. «Der private Reitsport schlief in der Zentralschweiz noch. Ich spürte aber, dass er ein grosses Potenzial für die Zukunft hat», erzählt der heute 76-jährige Firmengründer. Er behielt recht, 50 Jahre später feiert das Familienunternehmen Jubiläum. Am Samstag lädt es zwischen 9 und 17 Uhr zum Tag der offenen Tür.

Über 4000 Franken kostet das Stück

Die Röösli Sattelbau AG produziert pro Jahr 200 bis 250 Sättel für Wettkämpfer im Dressur- und Springreitsport sowie für Freizeitreiter. «Nach dem Zweiten Weltkrieg verschwand die Kavallerie. Und auf den Höfen wurden die Arbeitspferde durch Traktoren ersetzt», erläutert Urs Röösli die veränderte Verwendung des Vierbeiners. Entsprechend wandelte sich die Beschaffenheit der Sättel – von militärisch-klobig zu leicht und elegant. Ein Sattel wiegt heute zwischen 6 und 7 Kilo. Geblieben ist die Faszination, die er so formuliert: «Der Sattel ist wie ein Adapter, der zu zwei Anatomien passen muss. Zum Menschen und zum Tier.»

Erstaunlich: Über 90 Prozent der Kunden sind weiblich. Weshalb, sei schwierig zu sagen. «Mädchen reiten heute einfach mehr.» Verkauft werden die Sättel, die pro Stück über 4000 Franken kosten, vor allem in der Schweiz und in Deutschland, darüber hinaus gibt es Abnehmer in der ganzen Welt. «Der Exportanteil beträgt 35 Prozent», sagt Urs Röösli. Vor 15 Jahren habe er noch über 75 Prozent betragen, der starke Franken mache sich bemerkbar.

Ein Olympiasieg verändert alles

Was regional begann, hat heute also internationale Ausstrahlung. Den Grundstein dazu legte Fredy Röösli, als er mit der Dressurreiterin Christine Stückelberger «aufs richtige Pferd» setzte – 1976 gewann sie in Montreal auf seinem Sattel olympisches Gold. Danach war nichts mehr wie davor. «Die Presse berichtete, es gab zahlreiche Reportagen. Es wurden plötzlich mehr Sättel bestellt, als ich liefern konnte», erinnert sich Fredy Röösli. Sogar der Cheftrompeter der königlichen Garde Schwedens habe sich ein Exemplar anfertigen lassen. Die gute Auftragslage ermöglichte ihm 1981 den Bau der Werkstatt in Schachen, just neben dem Bauernhaus, das er 1972 erworben hatte.

Konkurrenz wird grösser

Den guten Ruf hat die Röösli Sattelbau AG bewahren können. Neun Angestellte stellen die individuell auf den Reiter abgestimmten Produkte her – mit einem Aufwand von mindestens 30 Stunden pro Stück. Sattlerlehrlinge werden regelmässig ausgebildet. «Die Marktsituation hat sich aber verändert», sagt Urs ­Röösli. Die Beschaffung des Rindsleders sei schwieriger geworden – neben der Schweiz beziehe man es aus Deutschland. Hierzulande gebe es aus Kostengründen nur noch eine Ein-Mann-Gerberei, welche das Leder von A bis Z selber herstelle. Zugenommen habe derweil die Konkurrenz: «Es gibt viel mehr Anbieter und auch Händler, welche im Ausland produzieren lassen.» Der Kundenkontakt sei deshalb wichtiger geworden. «Beratung und Service heben uns neben unserer Qualität und der grossen Erfahrung von den Mitbewerbern ab», ist Röösli überzeugt. Das schlägt sich auch in der langen Haltedauer der Sättel nieder: Ein Berufsreiter nutze ein Stück rund zehn Jahre lang, ein Freizeitreiter bis zu 20 Jahre.

Röösli und der «Zauber des Reitens»

Kunden mit dem Renommee einer Christine Stückelberger figurieren dabei nicht mehr in der Kartei – die angeln sich heute die grossen Sattelproduzenten. Trotzdem sind es weiterhin Spitzenathleten, die auf Röösli-Sättel setzen. Tinne Vilhelmson, die Nummer fünf der Weltrangliste beispielsweise. Oder Paul Estermann und Caroline Häcki-Rindlisbacher, die beide für die Europameisterschaft 2015 selektioniert sind. Mit dem Hildisrieder Estermann habe man zudem den Springsattel Wild Extra entwickelt. «International ist er bereits sehr gefragt und etabliert», so Röösli. 2014 gewann Estermann auf einem Wild Extra den Grossen Preis in St. Gallen.

Die Zuversicht, in der Branche bestehen zu können, lässt man sich in Schachen jedenfalls nicht nehmen. Die Auftragslage sei stabil, daneben würden die Verkaufszahlen von Pferden laut Statistik zunehmen. Davon profitiere man. Denn, so betont Röösli: «Nur mit Massarbeit entsteht eine harmonische Einheit zwischen Zwei- und Vierbeiner, die den Zauber des Reitens ausmacht und sportlichen Erfolg ermöglicht.»

Stephan Santschi

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