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Schadstoffe in Horwer Schulhaus festgestellt: «Die Werte sind Kindern so nicht zumutbar»

In Horw wurde in zwei Räumen des Schulhauses Hofmatt der Schadstoff Naphthalin nachgewiesen. Die Schule prüft nun Massnahmen. Die Thematik ist keineswegs neu im Kanton Luzern.
Sandro Renggli
Gemeinderat Robert Odermatt macht sich ein Bild vom Schadstoff Naphthalin betroffenen Raum. (Bild: Dominik Wunderli, Horw, 12. Februar 2019)

Gemeinderat Robert Odermatt macht sich ein Bild vom Schadstoff Naphthalin betroffenen Raum. (Bild: Dominik Wunderli, Horw, 12. Februar 2019)

Im Erweiterungstrakt des Schulhauses Hofmatt bestand in zwei Räumen der Verdacht auf eine erhöhte Konzentration des Stoffes Naphthalin. Nach erfolgten Messungen ist klar: der Naphthalin-Wert ist zu hoch. In einem Raum, der für Psychomotorik-Lektionen genutzt wird, ergab sich ein Wert von 158 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (μg/m3), wie die Gemeinde Horw mitteilt. Im zweiten Raum, einem Schulzimmer, lag der Wert bei 64,5 μg/m3.

Die Welt-Gesundheitsorganisation «WHO» setzt den Richtwert, der für die absolute Unbedenklichkeit bei dauerndem Aufenthalt gilt, bei 30 μg/m3. Das heisst: Der Wert wird im betroffenen Schulzimmer um das Doppelte, im Psychomotorik-Raum um das Fünffache überschritten. Gemessen wurde in beiden Räumen einheitlich nach acht Stunden ohne Frischluftzufuhr. «Die Werte sind Kindern so nicht zumutbar», sagt Gemeinderat Robert Odermatt auf Anfrage.

Die Messung fand im Spätherbst statt, nachdem einer Lehrerin ein strenger Geruch aufgefallen war. «Der Geruch von Naphthalin ähnelt stark dem von Mottenkugeln, weshalb wir so schnell wie möglich Messungen durchführen liessen», sagt Robert Odermatt. Die Ergebnisse lassen sich jedoch nicht leicht interpretieren. Das liegt auch daran, dass es in der Schweiz keine Grenz- oder Richtwerte für eine mögliche gesundheitliche Gefährdung durch Naphthalin gibt. Mithilfe eines Experten des Kantons Luzern konnte dann das Ausmass des Schadens bestimmt werden.

Weitere Tests erforderlich

Die Gemeinde hat dann auch gleich Massnahmen ergriffen. Der stärker betroffene Psychomotorik-Raum wird vorerst nicht mehr genutzt. Das weniger stark betroffene Schulzimmer wird mindestens einmal pro Stunde durchgelüftet. Odermatt versichert: «Die Lehrpersonen wissen über das Problem Bescheid.»

Für eine langfristige Sanierung stehen folgende Ideen im Raum:

  • Der Einbau einer kontrollierten Lüftung zur Reduktion der Naphthalin-Konzentrationen. Diese hat den Vorteil, dass die Luftqualität allgemein verbessert wird.
  • Die bauliche Entfernung der Quellen. Oft kann aber die Quelle der Naphthalinbelastung nicht einwandfrei festgestellt werden. Deshalb ist eine Sanierung nicht immer erfolgreich.

Um über tiefergreifende Massnahmen zu entscheiden, müssen erst weitere Tests durchgeführt werden. Es werden Sondierbohrungen vorgenommen, um die Quelle des Naphthalins zu lokalisieren. «Es könnten Teerabdichtungen oder der Leim im Parkett sein», vermutet Odermatt.

Im Erweiterungstrakt des Schulhaus Hofmatt hat die Gemeinde in zwei Räumen erhöhten Naphthalinwert festgestellt. (Bild: Dominik Wunderli, Horw, 12. Februar 2019)

Im Erweiterungstrakt des Schulhaus Hofmatt hat die Gemeinde in zwei Räumen erhöhten Naphthalinwert festgestellt. (Bild: Dominik Wunderli, Horw, 12. Februar 2019)

In den kommenden Fasnachtsferien wolle man sich zudem ein umfassenderes Bild der Situation im Schulhaus Hofmatt machen. Es werden Messungen in weiteren Räumen durchgeführt. Über die Messresultate und allfällige technische oder bauliche Gegenmassnahmen will der Gemeinderat spätestens vor den Sommerferien 2019 informieren.

In den anderen Schulhäusern in Horw sieht die Gemeinde momentan keinen Handlungsbedarf. «Der Geruch ist doch sehr auffällig, und uns liegen keine Beschwerden oder Berichte über seltsame Gerüche aus weiteren Schulhäusern der Gemeinde Horw vor», versichert Odermatt.

Ähnliche Fälle in Ebikon und Littau

Die Problematik der Naphthalin-Verseuchung ist im Kanton Luzern keine Neuheit. Im vergangenen Jahr sorgten ähnliche Fälle im Schulhaus Höfli in Ebikon und im Schulhaus Grenzhof in Littau für Aufsehen. Odermatt räumt ein: «Die Berichte haben sicher auch bei uns schliesslich dazu geführt, dass das Problem entdeckt wurde.»

Schulhäuser, die in den 1960er- und 70er-Jahren gebaut wurden, weisen häufiger einen erhöhten Naphthalin-Gehalt in der Luft auf. Und die Vergangenheit hat gezeigt: Blosses Lüften hilft nicht immer. Das Schulhaus Höfli musste letztes Jahr geräumt werden. Die als provisorische Schulzimmer dienenden Container sind jetzt schon beliebter als das muffige Schulgebäude.

Auch die Schüler vom Schulhaus Grenzhof sollen bald in einen provisorischen Modulbau umziehen können. Ein Teil der Schülerschaft lernt jetzt schon in Provisorien und ausgelagerten Klassenzimmern. Ab 2025 sollen die Kinder des Schulhauses Grenzhof in der ausgebauten Schulanlage Rönnimoos unterrichtet werden. Der Schulbetrieb im Grenzhof wird dann eingestellt.

Naphthalin ist in Innenräumen heute verboten

Naphthalin gehört zu den polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen. Es wurde zwischen den 60er- und 80er-Jahren bei Bauarbeiten häufig verwendet. Mit Naphthalin versehenes Teeröl wurde dabei als Schutz vor Feuchtigkeit angebracht – in der Regel in den Fussböden, wie Dokumenten der Stadt Bern zu entnehmen ist. Auch in Mottenkugeln war früher Naphthalin enthalten.

Heute ist die Verwendung in Innenräumen verboten. Der Stoff steht im Verdacht, bei hoher Konzentration krebserregend zu wirken. Wissenschaftlich belegt ist das aber nicht. In Tierversuchen konnte bei hohen Konzentrationen jedoch eine gesundheitsschädliche Wirkung auf die Atemwege aufgezeigt werden. In geringen Dosen ist der Mensch Naphthalin im Alltag übrigens regelmässig ausgesetzt, beispielsweise durch Tabakrauch, Abgase im Strassenverkehr oder beim Grillieren. (std)

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