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SCHÄDLING: Kommt der «Eichenkiller» in die Zentralschweiz?

Im Sihlwald wird ein Pilz vermutet, der eine Epidemie auslösen könnte. Eine ernsthafte Bedrohung oder ein Sturm im Wasserglas? Die Verantwortlichen in Zug und Luzern beobachten die Situation genau.
Ein Forstarbeiter zertrennt eine umgestürzte Eiche. (Archivbild: Pius Amrein/LZ)

Ein Forstarbeiter zertrennt eine umgestürzte Eiche. (Archivbild: Pius Amrein/LZ)

Der Artikel in der «Zürichsee-Zeitung» lässt aufhorchen: Der Sihlwald sei möglicherweise mit einer gefährlichen Pflanzenerkrankung infiziert. Ranger des Wildnisparks Zürich entdeckten an mehreren Baumstämmen Schleimflussstellen, die beim Austrocknen schwarze, brandmalähnliche Flecken hinterliessen. Diese Symptome könnten auf einen Befall mit Phytophthora ramorum, einem pilzähnlichen Mikroorganismus, hindeuten. Dieser Schädling sorgte bereits in den USA als Eichenkiller und später auch in Grossbritannien für ein grossflächiges Baumsterben. Davor trat der «Pflanzenvernichter» in Europa vor allem an Ziersträuchern wie dem Rhododendron oder dem Schneeball auf.

In der Schweiz wurde der seit 2001 meldungspflichtige Erreger zum ersten Mal 2003 in einer Baumschule nachgewiesen. «Wir haben bisher keine Anzeichen für eine Verschleppung in freie Baumbestände», sagt Daniel Rigling, Forschungsleiter Phytopathologie bei der Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL), gegenüber der NZZ. Ob die Symptome im Sihlwald tatsächlich auf den Schädling Phytophthora ramorum zurückzuführen sind, könne erst im Frühling untersucht werden – sobald die Erreger aus der Winterruhe erwacht sind.

Sogar schlimmer als die Eschenwelke?

Im Kanton Zug, der an den Sihlwald grenzt, sorgt die Zürcher Entdeckung für ein «Déjà-vu-Erlebnis», wie Kantonsförster Martin Winkler sagt. «Aufgrund der Globalisierung nehmen fremdländische Krankheiten bei uns zu. Ich hoffe nicht, dass uns das Gleiche wie bei der Eschenwelke bevorsteht.» Hierbei handelt es sich um einen Pilz, der die Triebe von Eschen abtötet und zu Fäulnis an der Stammbasis führt. Seit 2007 hat er sich in der Schweiz stark ausgebreitet.

Das Epidemiepotenzial von Phytophthora ramorum wäre dabei noch viel grösser, beschränkt er sich doch nicht nur auf eine Baumart, sondern befällt neben der Eiche auch weitere Laubbäume wie Buche, Esche und Kastanie oder auch Strauchpflanzen wie Heidelbeere, Besenheide und Alpenrose. Seine Förster hätten in den Zuger Wäldern bisher glücklicherweise keine Anzeichen auf die Anwesenheit des Phytophthora ramorum ausgemacht, berichtet Winkler. Was, wenn es noch so weit käme? «Dann müssten wir die befallenen Bäume vernichten.» Präventive Massnahmen seien nicht möglich, «wir wollen den Wald ja möglichst giftfrei halten».

Schlupflöcher im Freihandel bereiten Sorgen

In Luzern reagierte Silvio Covi spontan mit einem «Hoppla!», als er vom Verdacht im Sihlwald erfuhr. «Der Phytophthora ramorum ist ein besonders gefährlicher Schadorganismus, der sich relativ schnell verbreiten kann. Wir hätten überhaupt keine Freude, wenn der bei uns auftauchen würde. Er befällt zahlreiche Gehölzpflanzen, und ihm ist sehr schwer beizukommen», erklärt der Fachleiter Schutzwald bei der kantonalen Dienststelle Landwirtschaft und Wald. Im Ernstfall würde man die Experten des WSL und des Bundes kontaktieren. Covi hält aber auch fest: «Gut möglich, dass dies nur ein Sturm im Wasserglas ist. Nach Rücksprache mit dem WSL ist denkbar, dass es sich nicht um den Phytophthora ramorum, sondern um die Schleimflusskrankheit, die Buchenrindennekrose, handelt.» Sie sei bei uns heimisch, habe ähnliche Symptome und befalle nur Buchen. «Das wäre nicht dramatisch.»

Auszuschliessen sei aber nicht, dass der gefährliche Pilz irgendwann auch in unserem Land freie Baumbestände befällt. «Die Schweiz unternimmt grosse Anstrengungen, um an der Grenze die Einfuhren trotz Freihandels zu kontrollieren. Leider gibt es Schlupflöcher, weil nicht alle Mitgliedsländer die rigorosen Bestimmungen der EU befolgen.»

Stephan Santschi

stephan.santschi@luzernerzeitung.ch

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