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SCHÄDLINGE: Fast Food lockt im Stadtzentrum Ratten an

Grosse Feste wie das Blue Balls freuen auch die Ratten – sie ernähren sich von weggeworfenen Essensresten. Kritisch ist die Situation besonders am Seeufer.
Sie sind in der Stadt nicht erwünscht. Aber als Abfallvertilger sind Ratten trotzdem ganz nützlich. (Bild: Archiv Neue LZ)

Sie sind in der Stadt nicht erwünscht. Aber als Abfallvertilger sind Ratten trotzdem ganz nützlich. (Bild: Archiv Neue LZ)

Bis zu 10 Tonnen Abfall entsorgt das städtische Putzteam pro Wochenende. Immer öfter werden auch Essensreste auf Strassen, Plätze und Wiesen geworfen (Ausgabe vom Montag). Was für Passanten ein Ärgernis ist, bedeutet für Ratten eine zusätzliche Nahrungsquelle. Entsprechend viele dieser Nager gibt es im Stadtzentrum.

Stadt setzt Giftköder ein

Deshalb bekämpft die Stadt Luzern seit einigen Jahren den Rattenbestand mit Gift. Thomas Kälin vom städtischen Strasseninspektorat sagt dazu: «Unser Ziel ist es, darauf aufmerksam zu machen, dass die Leute Essensreste nicht einfach fortwerfen sollen.» Denn gerade Fast Food würden die Ratten lieben, so Kälin. Wie viele Ratten genau in der Stadt Luzern leben, ist gemäss dem Strasseninspektorat unbekannt.

Fest steht aber, dass es am Seeufer im Stadtzentrum besonders schlimm ist. «Am Abend können da viele Ratten beobachtet werden», so Thomas Kälin. Wegen der grossen Hitze in diesem Sommer würden die Ratten den Tag hauptsächlich meiden.

Der Rattenbestand in der Stadt Luzern sei in diesem Jahr nicht unbedingt höher als in anderen Jahren. «Aber wenn wir nichts dagegen unternehmen würden, wäre der Bestand einiges höher», so Kälin. Insbesondere betroffen beim Seeufer sind die Stege der Schifffahrtsgesellschaft des Vierwaldstättersees (SGV).

Zudem gilt die Zentralstrasse als kritische Stelle. «Da werden die Ratten insbesondere von den Fast-Food-Läden angezogen», erklärt Kälin. Die Leute würden Essensreste in Blumenrabatten oder Wiesen werfen, so Kälin. «Leider verschwindet der Abfall nicht immer dort, wo er entsorgt werden sollte.» Durch die aktive Bekämpfung habe die Stadt aber den Rattenbestand auch an diesen kritischen Stellen mehrheitlich in den Griff gekriegt.

Sie haben ihre Scheu verloren

Bei den Ratten in der Stadt Luzern handelt es sich hauptsächlich um Haus- und Laborratten, wie Thomas Kälin sagt. «Diese sind irgendwann mal ausgesetzt worden. Da Ratten sich äusserst stark vermehren, wächst die Population rasant.» Die Scheu vor den Menschen hätten die Ratten abgelegt. «Sie gehen zwar nicht auf die Menschen zu, aber sie flüchten auch nicht immer, wenn sich ein Mensch ihnen nähert», so Kälin. «Die Ratten haben sich an die vielen Menschen in der Stadt weitgehend gewöhnt.»

Aktuell läuft in der Stadt Luzern das neuntägige Blue Balls Festival. Lockt das Fest durch die vielen übrig gebliebenen Essensreste zusätzliche Ratten an? «Tatsächlich sind Feste und Wochenenden für Ratten attraktiv», so Thomas Kälin.

Die meisten Ratten in der Stadt Luzern leben in der Kanalisation oder in Blumenrabatten, wie Kälin sagt. «Sie buddeln sich bei den Blumen unter die Erde und kommen hervor, um sich etwas zu essen zu holen.»

Reduzieren, nicht ausrotten

Gegen den Rattenbestand werden Giftköder eingesetzt. «Dadurch soll die Anzahl der Ratten reduziert werden», sagt Thomas Kälin. Er spricht bewusst nur von Reduzieren und nicht von einem Ausrotten. «Ratten können in einem kleinen Bestand ein grosser Helfer sein.» Schliesslich helfen sie mit, liegen gelassene Abfälle zu beseitigen.

Die Schädlingsbekämpfungsfirma Rentokil ist für die Reduktion der Ratten in der Stadt Luzern zuständig. Sie setzt dazu grüne Boxen mit Rattenköder ein. Diese sollten für andere Tiere ungefährlich sein, sagt Stefan Egli von der Firma Rentokil gegenüber dem Onlineportal «Zentral+». «Hundebesitzer brauchen keine Angst zu haben.» Einzig Ratten könnten aus den speziellen Behältern fressen. «Ausserdem müssten Hunde mehr als 10 Prozent ihres eigenen Körpergewichts an Gift zu sich nehmen, damit eine Gefahr besteht.»

Noch schlimmer als im Stadtzentrum ist es derzeit im Eichwäldli bei der Allmend. Dort soll es 400 bis 600 Ratten geben, wie «Zentral+» schreibt. Thomas Kälin bestätigt die Rattenplage, die sich übrigens ausgerechnet bei einer Scheune des Strasseninspektorats ausbreitet. «Bei uns beim Eichwäldli ist es besonders schlimm. Es handelt sich hierbei um ausgesetzte Ratten.»

Znünibrot von Ratten geklaut

Laut Kälin ist das Holz der Scheune angeknabbert, und die Ratten haben unterirdische Gänge gebaut. Auch hier haben die Ratten die Scheu vor den Menschen verloren. «Kindern der Waldspielgruppe wurden Znünibrote geklaut. Und auch wir können nicht mehr draussen essen, ohne dass die Ratten uns gierig beobachten», sagt Kälin. Immer wieder würden die Ratten aus ihren Verstecken kommen, um Nahrung aufzuspüren. Kälin: «In unserem Depot werden der Kompost des Quartiers und der Kehricht aus den Abfalleimern in Containern zwischengelagert.» Dadurch würden die Ratten angelockt und müssten selbst nicht auf Nahrungssuche gehen.

Doch nun haben die Mitarbeiter des Strasseninspektorates auch im Eichwäldli genug von den Ratten. Die Firma Rentokil soll dort ebenfalls Giftköder aufstellen. «Wer weiss, was da noch passieren könnte», sagt Kälin. Weil Kinder im Wald spielen würden, wolle man kein Risiko eingehen. Bisher sei es allerdings noch zu keinem Vorfall gekommen, wie Kälin sagt. Ab Freitag wird es den Ratten im Eichwäldli dann an den Kragen gehen.

Raphael Gutzwiller

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